Lichtenstein wartet weiter auf schnelles Internet

Mittels Petition wollen Bürger den Ausbau beschleunigen. 4,8 Millionen Euro Fördermittel stehen in Aussicht. Doch es klemmt woanders.

Lichtenstein.

Wenn Enrico Matthes daheim einen Film über das Internet schauen möchte, geht das nicht ohne Ruckeln. Die kurzen Aussetzer ließen sich zwar gerade noch verkraften. "Doch wenn hier irgendwer im Haus eine SMS oder Nachricht per Whatsapp empfängt, setzt die Übertragung zumeist komplett aus." Enrico Matthes wohnt an der Rödlitzer Straße in Lichtenstein.

Privat fast noch stärker betroffen ist Familie Bellmann in der Albert-Schweitzer-Siedlung. Aufgrund der Coronakrise müssen sich Tochter und Sohn derzeit die Hausaufgaben vom Schulserver holen. Doch das dauert sehr lange, zwischendurch bricht die Verbindung häufig ab, berichtet Vater Jan Bellmann. Bereits im November 2019 rief Sohnemann Janic, 16 Jahre alt, eine Online-Petition ins Leben. "Seit Jahren hinkt der Breitbandausbau in Lichtenstein und Rödlitz hinterher", heißt es dort. Private Messungen in Rödlitz und Lichtensteiner Wohnsiedlungen hatten ergeben: Die Anschlussgeschwindigkeiten dort betragen im Schnitt nur ein Zehntel des deutschen Durchschnitts. Lediglich die Innenstadt und einige Seitenstraßen stünden gut da. "Keine andere Kleinstadt im Umkreis ist so schlecht ausgebaut ist wie unsere", steht weiter in der Petition, die Janic Bellmann an die Lichtensteiner Stadtverwaltung gerichtet hat. Noch fehlen etwa 120 Unterstützer.

Natürlich weiß man im Rathaus längst davon. "Das Ausbaugebiet soll im Zeitraum 2020 bis voraussichtlich 2023 erschlossen sein", schreibt Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) auf Anfrage. Ein Vertragsabschluss mit einem Netzbetreiber werde noch 2020 erfolgen. Das Ausschreibungsverfahren soll noch im Mai beendet sein. Nordheim weist zugleich aber daraufhin hin, dass die Zeiträume sich durch eine Petition nicht wesentlich beschleunigen lassen. "So realistisch sollte man sein." Schließlich seien fast 3000 Haushalte, 160 Unternehmen und sieben Schulen mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Mehr als 20 Kilometer Erdarbeiten fallen an.

Janics Vater Jan Bellmann fordert gerade deswegen, dass die Stadt Druck beim Netzbetreiber macht, der sich bei der Ausschreibung durchsetzt: "Die sollen am besten gleich nach Vertragsabschluss mit den Arbeiten beginnen." Persönlich hätte Bellmann senior sich gewünscht, dass Lichtenstein einen Förderantrag aus dem Jahr 2017 zu Ende geführt hätte. Bei dem wäre zwar ein Eigenanteil von 200.000 Euro für den Ausbau nötig gewesen. Zudem hätte die genutzte Vectoring-Technologie nur Übertragungsraten von bis zu 50 MBits pro Sekunde ermöglicht. Doch das wäre vielen Leuten lieber gewesen, als die jetzige Situation, sagt Bellmann: "Andere Kommunen haben den Ausbau doch auch schneller hinbekommen."

Lichtenstein hatte sich stattdessen entschieden, den alten Förderantrag im Jahr 2018 umzustellen. Denn Freistaat und Bund stellten ein neues Programm mit einer 100-Prozent-Förderung in Aussicht - und auch den kompletten Ausbau mit Glasfasern bis auf die letzten Meter. Doch musste dafür ein äußerst komplexes Vergabeverfahren aufgerollt werden, dass unter anderem einen rechtssichere Ausschreibung im Amtsblatt der EU vorsieht. Außerdem mussten "fachlich sehr anspruchsvolle Angebotsaufklärungsgespräche" durchgeführt werden, so Bürgermeister Nordheim. Bei aller Verzögerungen gibt es eine gute Nachricht. 4,8 Millionen Euro Komplettförderung sind sicher, wenn das Verfahren korrekt eingehalten wird.


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