Museum nimmt nach Rekordjahr Abschied von seinen Besuchern

Die letzte Schicht vor der Sanierung des Bergbaumuseums in Oelsnitz hat für einen Besucheransturm gesorgt. Für manche war ein Rundgang durch das Schaubergwerk aber nur eine Nebensache.

Oelsnitz.

Den Untertagebereich des Oelsnitzer Bergbaumuseums einmal ohne Führung erkunden - darauf schienen viele schon lange gewartet zu haben. Als es am Samstag 14 Uhr so weit war, gab es einen selbst für die Museumsmitarbeiter überraschender Ansturm: "Es haben sich solche Menschentrauben gebildet, dass zeitweise die Helme nicht mehr ausgereicht haben", so Museumschef Jan Färber.

Während am Aufgang zur Hängebank kein Durchkommen mehr war, hatte Elisa Schönfelder eine Etage tiefer in der Lohnschalterhalle die allergrößte Ruhe. Die Vierjährige ließ ihrer Spielfreude in der Playmobilausstellung freien Lauf. So war das von ihren Eltern auch geplant: "Elisa geht zwar schon gern in Museen, und die Schlösser der Region haben wir auch fast alle abgeklappert. Mit so einem Industriemuseum wollten wir aber eigentlich warten, bis sie etwas größer ist", so Vater Piet Schönfelder. Trotzdem hat der Lichtensteiner in letzter Zeit mehrmals mit seiner Frau Sylvia und Tochter Elisa auch das Bergbaumuseum besucht: "Im Sommer waren wir öfter im Zwergenschacht und haben hier Eis gegessen." In der Dauerausstellung allerdings war der 40-Jährige schon lange nicht mehr: "Das Museum habe ich zuletzt als Kind besucht." Dass es jetzt auf Vordermann gebracht wird, finden beide richtig gut. Sylvia Schönfelder: "Der Bergbau ist Teil unserer Geschichte und Kultur. Es ist immer wieder interessant, was in den verschiedenen Schächten abgebaut und wie tief dafür geschürft wurde."

Nach der Sanierung will die Familie auf jeden Fall wiederkommen. Für Elise wird das Museum bis dahin nicht nur spannender sein, weil sie schon etwas älter ist. Auch die Inhalte sollen dann moderner gestaltet und für Bergbaulaien leichter verständlich sein. Warum das dringend nötig ist, erklärt Jan Färber: "Die jetzige Dauerausstellung ist 30 Jahre alt. Sie wurde immer wieder angepasst, aber nie grundlegend erneuert." Deshalb war es vor allem Sonderaktionen wie der Playmobilausstellung zu verdanken, dass 2018 mit gut 37.500 Gästen ein Besucherrekord erzielt wurde (siehe Kasten).

Doch nicht jeder kann sich mit so zeitgemäßen Lockmitteln anfreunden. "Die Playmobilausstellung ist nicht so meins", räumte Annett Kreher aus Chemnitz ein. "Das Museum hingegen hatten wir uns schon seit Jahren vorgenommen." Einem Ehepaar aus Niederdorf ging es ähnlich: "Wir sind hier, weil das Museum schließt, vorher haben wir es nie besucht." Doch es sind auch viele Besucher zur letzten Schicht gekommen, die das Museum wie ihre Westentasche kennen. "Wir waren schon oft hier und haben zu diesem Schacht eine besondere Beziehung. Wir erinnern uns zum Beispiel noch gern an die Überraschung beim ersten Besuch, als wir am Ende merkten, dass wir gar nicht richtig eingefahren sind", schwärmten Kerstin und Maik Clauss aus Neuwürschnitz.

Viele Besucher haben ihre ganz eigene Beziehung zum Museum. "Ich will noch einmal einfahren, die Kollegen hier treffen und das Grubengebäude in seiner alten Form sehen. Den Umbau verfolge ich ganz genau", sagte Roland Just, der hier von 2010 bis 2017 als Museumsführer gearbeitet hat. Für Marita Weinhold war diese letzte Schicht vor allem eine emotionale Sache. "Mein Opa und mein Vater waren Bergmann. Ich habe hier als Kind meinen UTP-Unterricht (Unterrichtstag in der Produktion) gehabt und war bis vor einem halben Jahr Museumsführerin. Das wird mir fehlen." Während sie das erzählt, kämpft sie ein wenig mit den Tränen.


2018 war ein Rekordjahr

37.500 Besucher kamen 2018 ins Bergbaumuseum, so viele wie seit 1990 nicht. Das lag vor allem an der Playmobilausstellung und dem Dampftag. Allein an diesem Tag wurden 1800 Besucher begrüßt.

Schon im gesamten vergangenen Jahr hat das Museumsteam zudem die Modernisierung des Hauses vorbereitet und über 100 Tonnen Museumsgut bewegt und 50.000 Museumsobjekte gesichtet. 450 davon werden in die neue Dauerausstellung integriert. (bjost)

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