Museumskaffeeklatsch: Mystisches aus dem Stadtwald

Im Daetz-Centrum ist am Sonntagnachmittag nach Kaffee und Kuchen Geheimnisvolles aus der nahen Umgebung Thema.

Lichtenstein.

Bereits zum 90. Mal findet am Sonntag der Museumskaffeeklatsch des Stadtmuseums Lichtenstein statt. Veranstaltungsort ist das Daetz-Centrum, denn eine Exkursion zu den Orten, um die es gehen soll, wäre zu aufwendig. "Mysterien des Stadtwaldes" heißt der Vortragstitel, wenn ab 15.30 Uhr mit Konrad Geithner ein echter Kenner Lichtensteins und seiner Umgebung zu Wort kommt. Zuvor gibt es bereits ab 14.30 Uhr Kaffee und Kuchen.

Während der Kleiststein relativ bekannt ist, verhält sich das bei den weiteren Themen anders. Denn die alte Schlosswasserleitung, zu der auch ein Stollen an der Straße zwischen Lichtenstein und Hohndorf gehört, sowie die Reste des in Zeiten des Nationalsozialismus geplanten Erholungsheimes "Mutter und Kind" bergen so manches Geheimnis. "Ich habe einiges herausfinden können, aber manches bleibt unklar", sagt Konrad Geithner über die Schlosswasserleitung. Zwischen Bernsdorf und Hohndorf sammelte einst ein Netz mit alten Holzrohren Wasser für das Schloss. Um es dorthin zu leiten, musste auch ein rund 350 Meter langer Stollen gebaut werden, der bis zu elf Meter unter der Oberfläche verläuft. Beide Eingänge sind mit Eisengittern verschlossen. Ende der 1990er-Jahre wurde der Stollen von Spezialisten gesichert. Wann genau die Wasserleitung entstand, ist unklar. "Man könnte alte Holzleitungen untersuchen, die sicher noch im Feld liegen", sagt Geithner, der aber auch direkt im Schloss noch viele offene Fragen sieht, wenn es um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in vergangenen Jahrhunderten geht.

Im Stadtwald, der sich vom Bereich des Chemnitzer Berges in Richtung Hohndorf und Rödlitztal erstreckt, gab es aber einst noch viel mehr Interessantes. Einsiedler und Vogelfänger soll es hier gegeben haben, doch dafür konnte Konrad Geithner keine exakten Belege finden.

Anders verhält es sich beim Thema Mutter-Kind-Heim. Mit dem Bau wurde 1938 begonnen, aber eine Vollendung gab es nie. Reste einer Abwasseranlage stehen noch im Wald und dienen hin und wieder offenbar als Abenteuerspielplatz und Ort kreativer Versuche. "Dort waren wieder die Graffitisprüher aktiv", weiß Konrad Geithner. Als das Großprojekt im Dritten Reich geplant wurde, seien die damaligen Grundstücksbesitzer einfach enteignet worden. Offenbar gab es Anfang der 1950er-Jahre kurzzeitig Pläne, das Heim weiterzubauen, was aber dann doch nicht realisiert wurde.

"Es finden sich immer wieder interessante Themen", sagt Anne-Sophie Berner, Leiterin des Stadtmuseums, mit Blick auf die aus ihrer Sicht erfolgreiche Reihe des Museumskaffeeklatsches. Deshalb soll auch nach der 90. Auflage nicht Schluss sein. Die Planungen für das kommende Jahr laufen bereits. Dann sei es auch möglich, an Orte zurückzukehren, die schon einmal Schauplatz waren. Denn in den vergangenen Jahren hat sich in Lichtenstein so manches verändert.

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