OB-Wahl: Das Treffen der Kontrahenten

Alexander Weiß, Fraktionschef der Linken, will Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal werden. Am Mittwoch hat er auf dem Altmarkt den Amtsinhaber getroffen.

Hohenstein-Ernstthal.

Mittwoch ist in Hohenstein-Ernstthal Markttag. Es riecht nach Brühpolnischer und frischem Brot. Die meisten Menschen, die geruhsam über den Altmarkt gehen, sind Rentner um die 75. Sie sind eine interessante Zielgruppe im Wahlkampf, ihr Anteil an der Bevölkerung wächst. Der Altersdurchschnitt in der Karl-May-Stadt liegt inzwischen bei über 50.

An diesem Mittwoch haben sich vier Politiker unter das Volk auf dem Altmarkt gemischt: neben den beiden Landespolitikern Iris Raether-Lordieck (SPD) und Jan Hippold (CDU) auch zwei Kommunalpolitiker. Denn am 1. September wird nicht nur ein neuer Landtag gewählt. In Hohenstein-Ernstthal findet auch die Wahl des Oberbürgermeisters statt.


Amtsinhaber Lars Kluge (42, CDU) und Herausforderer Alexander Weiß (26, Die Linke) stehen sich mit ihren Ständen nur ein paar Meter voneinander entfernt gegenüber. Die heiße Wahlkampfphase hat noch nicht begonnen, die Stimmung ist entspannt. Die Kandidaten buhlen mit witzigen Souvenirs um die Gunst der Wähler. Am Stand von Weiß liegen Skatkarten mit der Aufschrift: "Lieber eine Oma auf der Hand als einen Enkel in der Jungen Union."

Weiß und Kluge kommen kurz ins Gespräch. Als sich eine Fahne am Stand des Linken, eine sogenannte Beachflag, mit dem Wind dreht, sagt Kluge trocken: "Ja, das können die Linken ganz gut." Kurz darauf pustet ein Windstoß einen großen Aufsteller von Kluge mit dessen Konterfei fast in den Springbrunnen rechts neben dem Rathaus. Auch der OB hat einen lustigen Werbeartikel mitgebracht: einen kleinen Fächer für heiße Tage aus Pappe. Auf der einen Seite steht: "Unser OB für Hohenstein-Ernstthal Lars Kluge CDU". Und auf der anderen: "Mit kühlem Kopf". Die meisten Leute bleiben bei Weiß stehen. Sein Stand hat die etwas bessere Lage. Andere laufen aber auch zügig vorbei, obwohl sie Weiß anspricht, und sagen: "Nein danke, kein Bedarf!" Ein älterer Herr fragt Alexander Weiß, der seit 2015 Fraktionschef der Linken im Stadtrat ist, wie sein Ziel für die OB-Wahl aussieht. Weiß sagt ohne zu zögern: "50 Prozent plus x!" Das ist eine klare Ansage, aber auch mutig. Kluge wird allgemein als Favorit gehandelt. Aber auch für ihn ist die Situation neu. Als er 2012 in das Amt gewählt wurde, war kein Wahlkampf nötig, da war er der einzige Kandidat. Diesmal ist es anders. "Es ist gut für die Demokratie, dass es diesmal einen zweiten Bewerber gibt", sagt er. Aber natürlich will er OB bleiben.

Alexander Weiß hat ab kommender Woche weniger Zeit für Wahlkampf. Die Ferien sind dann vorbei. Weiß ist Lehrer.

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