Restaurator: Diese Uhr dürfte weltweit einmalig sein

Der Landkreis Zwickau hat für sein Schloss Waldenburg wertvolle Möbel aufwendig restaurieren lassen. Experte Thomas Heinicke erlebte dabei einige gehörige Überraschungen.

Waldenburg.

Bislang stand sie auf dem Kaminsims im Blauen Saal des Schlosses und fiel niemandem auf. Dabei kann man davon ausgehen, dass die eigenartig anmutende Uhr seit mehreren Jahrzehnten dort ihren Platz hatte. Doch erst jetzt, nachdem sie restauriert wurde, erstrahlt sie in goldenem Glanz. Und sie dürfte nach Einschätzung von Restaurator Thomas Heinicke auf der Welt wohl einmalig sein. Die feuervergoldete Bronzeuhr wurde um 1810 in Paris gebaut, die erste Besonderheit ist ihre Größe - immerhin 1,30 Meter. Normalerweise wurden damals Konsoluhren gebaut, die um die 50 Zentimeter hoch waren. "Wir gehen davon aus, dass dieses Stück eine Einzelanfertigung für Napoleon I. gewesen ist", sagt Restaurator Heinicke. Fünf bis sechs Leute haben seiner Auffassung nach mindestens ein Jahr lang an dem Schmuckstück gearbeitet. Den Wert dieses Kunstwerkes zu benennen, damit tut sich der Restaurator schwer, denn es gebe aufgrund der Einmaligkeit nichts Vergleichbares auf dem Markt. Heinicke konnte weder in der Literatur noch beim Besuch im Pariser Louvre Derartiges finden.

Während der Restaurierung stieß Heinicke auf gehörige Überraschungen. Zunächst mal war die Uhr, die aus 200 Einzelteilen besteht, von einer schwarzen patinierten Verkrustung überzogen, hervorgerufen durch Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Dass die Vergoldung darunter aber noch gut intakt ist, konnte vorher niemand ahnen, sagte am Dienstagabend Landrat Christoph Scheurer bei der Präsentation des Kunstwerks im Blauen Saal. Der Landkreis ist Eigentümer des Waldenburger Schlosses. Und auch Thomas Heinicke staunte über den guten Zustand der Goldverzierung. Doch das war noch längst nicht alles. Neben dem Gehwerk und dem Schlagwerk der Uhr, die nach Expertensicht mehr als 70 Jahre nicht funktioniert hatten, entdeckte Thomas Heinicke auch ein Spielwerk. Vorher habe niemand gewusst, dass die Uhr ein solches ausgeklügeltes Spielwerk hat. Das sei etwas ganz Besonderes. Per Hebel lassen sich fünf verschiedene Melodien auf der Walze einstellen. Eine Hörprobe gab es während der Präsentation. Die Uhr, die statt eines Ziffernblattes einen Ziffernring aufweist, ist nun wieder voll funktionsfähig, der Hausmeister im Schloss sei eingewiesen worden, um das gute Stück regelmäßig aufzuziehen.

Doch wie kommt diese offenbar einmalige Uhr von Paris nach Waldenburg? Darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Die Fürsten waren häufig in Paris einkaufen, sagte Heinicke, der in letzter Zeit mehrere Einrichtungsgegenstände des Schlosses restauriert hatte. Dazu gehören ein Konsoltisch, eine Anrichte, der Billardtisch, eine weitere Uhr im Spiegelsaal und vieles andere mehr. Über die Kosten der Restaurierung will der Landkreis keine konkreten Angaben machen. Nach den Worten von Sylvina Schwarzenberger, Leiterin des Amtes für Immobilienmanagement im Landratsamt, werden pro Jahr 10.000 bis 20.000 Euro in die Restauration von Gegenständen im Schloss Waldenburg ausgegeben.

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