Sechste Klasse und schon über hundert Bücher gelesen

Dass Vorlesen nicht gleich Vorlesen ist, zeigten Schülerinnen beim Wettbewerb. Der hat indes gerade erst angefangen.

Hohenstein-Ernstthal.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, so heißt es. Wer richtig gut lesen kann, ist noch besser dran. Es ist kein Geheimnis, dass Schüler, die früh anfangen, sich mit dem geschriebenen Wort zu befassen, nicht nur Vorteile in Deutsch genießen, sondern allgemein bessere Noten nach Hause bringen.

Das alles habe für Annalena Rieger aber zunächst keine große Rolle gespielt. Auf die Frage, wie viele Bücher sie in ihrem Leben bereits gelesen habe, antwortet die Schülerin der 6d vom Lessinggymnasium: "Noch nicht so viele, um die hundert etwa, weil es mir Spaß macht." Kurz zuvor hatte Annalena erfahren, dass sie den Vorlesewettbewerb in der schuleigenen Bibliothek am Dienstag gewonnen hatte.

Die Entscheidung, wer denn am Ende Siegerin sein würde, stand für Deutschlehrerin Annette Gessner und Schulbibliothekarin Birgit Krause recht schnell fest. Während die vier Teilnehmerinnen vor ihren Schulkameraden vorlasen, füllten die beiden Betreuerinnen Bewertungsbögen aus. Lesetechnik und Interpretation sollten bewertet werden. Der Wettbewerb bestand aus zwei Runden. In der ersten mussten die vier Sechstklässlerinnen aus einem gänzlich unbekannten Stück Literatur vorlesen. Danach durften sie eine selbst gewählte Passage aus ihrem Lieblingsbuch vortragen.

Annalena hatte sich für "Die Jagd nach dem geheimnisvollen Rollsiegel" entschieden. Während der fünf Minuten Lesezeit gibt sie jedem Charakter eine Stimme. "Sie haben sie entführt", entfährt der jungen Vorleserin urplötzlich eine Textzeile. An anderen Stellen wird sie leise und hält so die Spannung aufrecht.

Annalena zeigt noch einen Tick mehr Dynamik und Ausdrucksstärke beim Vorlesen als ihre drei Mitstreiter. Das hat am Ende den Ausschlag für ihren Sieg gegeben. "Ich habe die Textstelle mindestens 50 mal geübt", sagt Annalena im Anschluss. Flüssig lesen habe sie bereits mit sieben Jahren gekonnt, in der ersten Klasse. Als Achtjährige fing die damalige Grundschülerin an, richtige Romane zu lesen. Die achtteilige Harry Potter-Reihe hatte sie mit neun Jahren nur deswegen noch nicht zu Ende gebracht, da die späteren Werke erst ab zwölf freigegeben sind. Dass Annalena das Lesen so viel Spaß bereitet, habe aber auch damit zu tun, dass ihre Eltern ihr frühzeitig aus richtigen Büchern vorgelesen hatten, sagt sie.

Ihr dicht auf den Fersen ist die Zweitplatzierte Nelli Pester aus der 6c. Beim Vorlesen rümpft sie schon mal lautstark die Nase, wenn einer der Protagonisten das tut. Wichtig sei beim Wettbewerb, die passende Textstelle rauszusuchen. Am besten mit viel Dialog. "Da kann man viel mit den unterschiedlichen Stimmen arbeiten." "Eigentlich seid ihr aber alle Sieger", sagt Annette Gessner am Ende. Alle vier Teilnehmer erhalten einen Buchgutschein. Annalena hat sich außerdem für die nächste Runde qualifiziert. Denn es ist ein bundesweiter Wettbewerb. Im Frühjahr wird sie gegen die besten Sechstklässler aus dem Kreis Zwickau antreten. Das Finale wird in Berlin stattfinden. Bis dahin hat es bereits ein Schüler aus dem Lessinggymnasium geschafft - vor drei Jahren. Und es war ein Junge. Dass sich dieses Jahr nur Mädchen für die Teilnahme am Wettbewerb qualifizieren konnten, sei aber Zufall, sagt Gessner. Die Jahre zuvor hätten auch immer Jungen teilgenommen.

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