Steinerne Kuh als Namenspatin?

Ob die Bezeichnung Rümpfwald wirklich von Baumstümpfen abgeleitet ist, bezweifelt Günter Schwalbe. Er untermauert seine These mit zahlreichen Details.

Lichtenstein.

Günter Schwalbe zweifelt die landläufige Meinung an, dass der Rümpfwald seinen Namen von dem Begriff Rümpfe, wie die in jedem Wald vorhandenen Baumstümpfe einst auch genannt wurden, erhalten hat. Er geht vielmehr davon aus, dass der Name auf eine alte slawische Kultstätte zurückzuführen ist, die sich in dem weitläufigen Wald befunden hat.

Bei einer Veranstaltung des Lichtensteiner Geschichtsvereins im "Parkschlösschen" präsentierte er jetzt fast 50 Gästen seine These anhand vieler Details, die er in den vergangenen Jahren akribisch zusammengetragen hat. Material fand er unter anderem im Kreisarchiv Glauchau und auch durch Anfragen bei namhaften Wissenschaftlern wie etwa dem Namenkundler Professor Jürgen Udolph. Die übliche Herleitung des Namens widerlegt seiner Meinung nach unter anderem eine Notiz aus der Schönburgischen Kanzlei aus dem 16. Jahrhundert, wo es heißt "ein holtz so an der Rümpf gelegen". "Da 'holtz' damals auch für den Begriff Wald stand, würde das heißen 'ein Wald so an dem Wald gelegen'. Ein derartiger Lapsus ist einem damaligen Kanzlisten sicher nicht unterlaufen", gibt er zu bedenken. Zudem tragen Wälder immer einen charakteristischen Namen, der Auskunft gibt entweder über deren Lage, Besonderheiten oder den Besitzer. Der Kanzlist meinte mit "Rümpf" deshalb wohl eher einen heute als Steinerne Kuh bekannten Monolithen, meint Schwalbe. Denn solche Steine, die vor etwa 200 Millionen Jahren entstanden sind, wurden ebenfalls als Rümpfe bezeichnet. Die Sorben, die um das Jahr 600 das Gebiet zwischen Zwickau und Altenburg besiedelt hatten, haben wahrscheinlich als erste die Steinerne Kuh entdeckt, vermutet Schwalbe. Die Mystik des Steins, der sich ihnen in Form einer liegenden Kuh präsentierte, muss die Slawen sehr beeindruckt haben, sodass sie ihn für heilig hielten und dort eine Stätte errichteten, die wahrscheinlich einem Fruchtbarkeitskult gewidmet war.

Die Gründung des Erzbistums Magdeburg im Jahr 968 durch Kaiser Otto I. war auch der Auftakt für die Christianisierung der hiesigen Gegend und die Vertreibung der slawischen Siedler. Die christlichen Herrscher konnten mit den Kulten der Slawen nichts anfangen, und versuchten sie auszumerzen, erklärt Schwalbe. Zeugnisse aus slawischer Zeit sind deshalb sehr spärlich, aber nicht ganz verschwunden. Das zeigen zum Beispiel Bezeichnungen wie die Straße Am Tempel in Mülsen und der Tempelbach in St. Egidien. Oder eben auch die als Rümpf bezeichnete Steinerne Kuh der einstigen Kultstätte, was sich in dem Namen des Waldes erhalten hat, ist Schwalbe überzeugt.


Der Rümpfwald

Der Rümpfwald, der sich heute zwischen Lichtenstein, Mülsen, Glauchau und St. Egidien erstreckt, ist einer der Reste des einstigen Urwaldes Miriquidi, der vor der Zeit der Besiedlung das Erzgebirge und weite Teile des Vorlandes bedeckte.

Unterlagen aus dem Jahr 1867 ist zu entnehmen, dass der Rümpfwald damals eine Fläche von 1535 Hektar umfasste. Bis zum Jahr 1981 ist der Wald auf 748 Hektar geschrumpft.

Raubtiere waren früher auch im Rümpfwald beheimatet. Urkundlich erwähnt ist für das 17. Jahrhundert ein Jäger, der sieben Bären in dem Wald geschossen haben soll. Im 18. Jahrhundert wurden Jagdprämien für erlegte Wölfe gezahlt, ist alten Aufzeichnungen zu entnehmen.

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