Stoffreste werden Kunstwerke

Wenn sich die Patchworkgilde Deutschland trifft, wird es kreativ. Das war im Textil- und Rennsportmuseum nicht anders.

Hohenstein-Ernstthal.

Zum Tag des traditionellen Handwerks war im Textil- und Rennsportmuseum Fingerfertigkeit gefragt. Denn hier stand das textile Handwerk im Mittelpunkt, welches beim Patchwork aber oftmals auch schon zur Handwerkskunst wird. Doch nicht nur große Wandbilder wie in der aktuellen Sonderausstellung entstehen, wenn geschickte Hände kleine und größere Stoffteile mit Nadel und Faden verbinden.

Heidrun Meyer aus Oberlungwitz und Heike Speck aus Bernsdorf gestalteten unter den wachen Augen von Ingrid Walter-Laue aus Schkeuditz kleine Weihnachtsbäume. "Die kommen mit an die Geschenke", sagt Heidrun Meyer. Gerade das sei das Schöne an den Handarbeiten, die immer wieder für individuelle Geschenkideen sorgen, die sich von der Massenware abheben. Eine halbe Stunde Arbeit steckt in jedem der kleinen Bäumchen aus Stoff, vorausgesetzt die nötige Routine mit Nadel und Faden ist da. Während diesmal neuwertige Stoffe verarbeitet wurden, nutzen die Patchworkerinnen oft auch kleine Reste, mit denen sie ihre Ideen umsetzen. "Da fällt einem eigentlich das ganze Jahr über etwas ein", sagt Heike Speck, die regelmäßig aktiv ist.

Ingrid Walter-Laue hat sogar ein Geschäft, in dem sich Stoffe und allerlei andere Materialien vertreibt. Im Textil- und Rennsportmuseum war die Schkeuditzerin schon mehrfach zu Gast und leitete verschiedene Kreativangebote. Eine Auswahl von größeren Arbeiten hatte sie ebenfalls mitgebracht, in denen nicht nur viel Arbeit, sondern auch Herzblut steckt. "Manches kann ich einfach nicht verkaufen", sagt sie. Arbeitszeiten und Stundenlöhne dürfe man beim Patchwork ohnehin nicht berechnen, betont die kreative Frau und verweist auch gleich auf die riesigen und beeindruckenden Wandbilder, die im Rahmen der Sonderausstellung "Tradition bis Moderne XI - Exzellenzschau für Textilkunst der Patchworkgilde Deutschland" derzeit im Museum zu sehen sind. Mehr als fünf Quadratmeter misst das größte der Textilen Kunstwerke. "Da stecken mehrere Jahre Arbeit drin", ist sich Ingrid Walter-Laue sicher.

Damit es zumindest etwas schneller geht, gibt es spezielle Maschinen für das Quilten. Dabei handelt es sich um das Vernähen der einzelnen Stoffschichten mit besonderen Nähten. Torsten Hamacher stellte eine Maschine vor, mit der Quilten in beachtlichem Tempo und dennoch mit den gewünschten Formen und Mustern möglich ist. "Die Maschinen kommen aus den USA. Der Markt bei uns hier wächst gerade", sagt Hamacher, der für eine Firma aus Röhrsdorf tätig ist, die Spezialnähmaschinen vertreibt und das Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal in Sachen Patchwork unterstützt.

Im Museum fand gestern auch das Regionaltreffen von Mitgliedern das Patchworkgilde aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stand. "Das ist eine Region mit etwa 200 Mitgliedern. Insgesamt sind es in Deutschland rund 6000", sagt Museumschefin Marina Palm und verdeutlicht so, dass es durchaus noch Entwicklungspotenzial gibt.

Die Sonderausstellung "Tradition bis Moderne XI - Exzellenzschau für Textilkunst der Patchworkgilde Deutschland" wird noch bis zum 4. November im Textil- und Rennsportmuseum gezeigt. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

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