Suche nach neuen Kollegen: Weberin wird zum Model

Mit einer ungewöhnlichen Werbeaktion kämpft das Textilunternehmen Spandauer Velours gegen den Fachkräftemangel. Das Werbegesicht ist ein echtes Eigengewächs.

Lichtenstein.

Das Lächeln zieht den Blick der Autofahrer an. Von jeweils vier Plakaten in Glauchau und Meerane lacht Jasmin Mrosko den Vorbeifahrenden überlebensgroß entgegen. Die junge Frau ist das Werbegesicht der Lichtensteiner Textilunternehmens Spandauer Velours.

Das Foto zeigt eine fröhliche Frau - und bildet Jasmin Mrosko damit ganz gut ab. Im Gespräch ist sie offen, witzig und sympathisch. Dabei ist das Plakatmodell kein eingekauftes Supermodel. Jasmin Mrosko ist Maschinen- und Anlagenführerin - früher hieß das Weberin - und steht fünfmal in der Woche an ihrer Webmaschine. Dort produziert sie technische Textilien für Farbroller und für die Reinigungs- und Fahrzeugindustrie. "Ich liebe diesen Beruf, kann mir keinen anderen vorstellen", sagt sie. Ihre liebste Arbeitszeit: Nachtschicht. "Das liegt mir einfach." Die 23-Jährige ist in Guben in Brandenburg aufgewachsen, fand dort keine Lehrstelle, zog nach Sachsen und stieg als Azubi in der Textilindustrie ein. Die Lehre schloss sie ab, durfte sich aber nicht qualifizieren. "Also wechselte ich zu Spandauer Velours, bekam sofort die Chance und hängte eine zweite Lehre an", erklärt sie den Umweg zum Wunschberuf. Weil sie auch auf der Internetseite des Unternehmens für verschiedene Werbeaktionen ihr Gesicht hergibt, wird sie schon scherzhaft "Miss Spandauer Velours" genannt.

Die Idee zur Plakataktion hatte die Geschäftsleitung. "Wir wollten einfach mal etwas anderes ausprobieren", sagt Geschäftsführer Steffen Martin. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel machen auch um den Lichtensteiner Textilbetrieb keinen Bogen. Das Unternehmen hat derzeit 110 Mitarbeiter und bildet jährlich um die sieben Azubis aus. Bei der Personalplanung werde alles berücksichtigt. "Wir wissen genau, wer wann in den Ruhestand geht und kalkulieren die normale Fluktuation mit ein", sagt Martin.

Mit der Werbung um Fachkräfte ist Spandauer Velours auf verschiedenen Plattformen vertreten, wirbt auf der eigenen Internetseite. "Wir bekommen dadurch neue Mitarbeiter, Fachkräfte, manchmal Quereinsteiger. Aber derzeit reicht das einfach nicht", sagt Martin. Fünf Mitarbeiter in der Weberei und einen kaufmännischen Angestellten könnte er noch einstellen. Im Moment ist jedoch weit und breit nichts zu finden. "Die Plakataktion mit Jasmin ist quasi eine schöne Ergänzung unserer Werbung um Fachpersonal", sagt Yvonne Böhm, die kaufmännische Leiterin und Prokuristin des Unternehmens.

Dass die Fachkräfte gebraucht werden, steht außer Zweifel. Das Unternehmen hat volle Auftragsbücher. Die Erzeugnisse von Spandauer Velours gehen in viele Länder. "Wir haben 75 Prozent Exportanteil und sind wirtschaftlich auf einem guten Weg", sagt Martin. Dass ihre Produkte in England, Frankreich, Spanien, Italien, Tschechien, den USA und anderen Ländern gefragt sind, darauf ist Jasmin Mrosko natürlich stolz.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...