Taugt die Töpferstadt auch als Kurort?

Der Verein, der auch den Luisenhof in Langenchursdorf betreibt, will viel Geld in die Hand nehmen und in der Waldenburger Mittelstadt das Therapie- und Kurhaus "Sophiengrund" errichten. Im Unterschied zum Marstall zeigen ich die Stadträte angetan.

Waldenburg.

Die alte Mühle ist längst abgerissen, die einstmals außen sanierten Fachwerkhäuser in der Waldenburger Mittelstadt stehen seit Langem leer. Doch jetzt keimt Hoffnung auf. Denn der Verein Kunsttherapeutisches Kur- und Seminarhaus Sophiengrund interessiert sich für dieses Areal zwischen Mulde und Hangkante zur Innenstadt. Den Stadträten legte der Verein, zu dem auch der Luisenhof in Langenchursdorf gehört, erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor. Fazit: Der Verein hält es durchaus für möglich, eine Kureinrichtung zur Prävention von Burn-out und anderer psychosomatischer Erkrankungen auf dem Gelände zu etablieren - schrittweise und am Bedarf orientiert. Geplant sind verschiedene Bereiche wie Kurhaus, Seminarhaus und verschiedene Angebote von Kunst, Natur und Gastronomie.

Zunächst mal soll die vorhandene Bausubstanz genutzt werden, um einen kleinen Kurbetrieb aufnehmen zu können. Dabei handelt es sich um die Gebäude Mittelstadt 2, 15, 17 und 19. Ein zweiter Schritt sieht dann die bedarfsabhängige Neubebauung des Mühlengeländes vor. Doch taugt die Töpferstadt Waldenburg als Kurort überhaupt? Uta Passerra vom Vorstand des Vereins sagt, dass der Bedarf an psychosomatischen Kuren in Sachsen gestiegen sei. Das hätte eine Befragung von Praxen ergeben. Auch die Lage der Stadt Waldenburg und ihr Umfeld würden sich für eine Kureinrichtung eignen. Darüber sehe sie auch einen Effekt für die Stadt selbst, für den Kurtourismus. Die Einrichtung soll eine Kapazität von 36 Kurplätzen haben, das ist nach den Worten von Uta Passerra am Bedarf orientiert. Auch über die Finanzierung gibt es in der Machbarkeitsstudie erste Aussage. Der Verein geht davon aus, dass bei der Sanierung der vorhandenen Gebäude etwa 3,5 Millionen Euro verbaut werden. Die Neubauten würden dann noch mal etwa 10 Millionen Euro kosten.


Finanziert werden soll das über sozial engagierte Banken. "Wir haben keinen Investor aus dem Ausland", sagte der Chef des Luisenhofes, Robby Hammer, in Anspielung auf das Vorhaben im Waldenburger Marstall, wo der Verein Schlossanlagen ein Kunst- und Bildungszentrum plant. Zur Machbarkeitsstudie gehören auch erste Vorstellungen vom Marketing und eine Wirtschafts- und Finanzanalyse.

Die Stadträte zeigten sich von den ersten Gedanken des mit "Sophiengrund" titulierten Vorhabens angetan. Zumindest gab es keinen spontanen Widerspruch. "Das ist eine Chance für die Stadt", sagte zum Beispiel Stadtrat Ingo Heinig (Freie Wähler). Marko Günther (CDU) meinte, die Stadt müsse sich überlegen, was sie mit ihrer Bausubstanz in der Mittelstadt machen will. Eines der vier Gebäude gehört der Stadt die anderen drei der städtischen Wohnungsgesellschaft. Waldenburgs Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler) sieht in dem Vorhaben ebenfalls eine Chance für die Stadt. "Gut ist, dass das Projekt schrittweise umgesetzt werden soll", sagte er. Um die vorhandenen Gebäude sanieren zu können, müsse der Verein einen Bau- und Umnutzungsantrag stellen. Für die geplanten Neubauten auf dem Mühlengelände sei jedoch ein aufwendiger Bebauungsplan notwendig, wofür man zwei Jahre Zeit einrechnen müsse.


Therapie seit zehn Jahren

Der Luisenhof in Langenchursdorf ist ein Therapiezentrum mit einer Vielfalt an pädagogischen, heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Angeboten. Ihr gibt es seit zehn Jahren Wohnen, Leben, Therapie, Wirtschaften und Kultur spielen nicht nur eine große Rolle, sondern greifen ineinander. Der Luisenhof arbeitet auf Grundlage der Waldorfpädagogik beziehungsweise der anthroposophischen Sozialtherapie. Aus Initiative entstand 2007 im Umfeld der Waldorfschule Chemnitz der Impuls, eine alternative Betreuungseinrichtung für seelenpflegebedürftige Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schaffen. (sto)

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