Warum die historische Drehleiter beinahe verschwunden wäre

Um den Liebling im Glauchauer Brandschutzkabinett ranken sich zahlreiche Anekdoten. Der Hartnäckigkeit der Feuerwehrleute ist es verdanken, dass das Fahrzeug heute überhaupt noch da ist.

Glauchau.

Sie ist das Prunkstück für die Vereinsmitglieder. Die im Jahr 1938 gebaute und in Dienst gestellte Drehleiter Magirius Deutz wurde im Glauchauer Brandschutzkabinett an der Schlachthofstraße gehegt und gepflegt. Um dieses Fahrzeug ranken sich Geschichten. Und Wolfgang Werner, einer der Enthusiasten im Feuerwehrverein, die sich um die historische Technik kümmern, kommt ins Erzählen.

Bis zum Jahr 1982 war das Gefährt im Dienst. Doch danach wollten Staat und Partei dieses in den Magirius Werken Ulm hergestellte Gefährt loswerden. "Offiziell hieß es, dass es in ein Museum im Norden der Republik überführt werden sollte, doch die Glauchauer Feuerwehrleute haben das damals nicht geglaubt", sagt Wolfgang Werner. Vielmehr hatten sie die Vermutung, dass das gute Stück in den Westen verkauft werden sollte. "Doch das haben die Feuerwehrleute damals verhindern können, die Partei hat die Finger davon gelassen", fügt er hinzu. Und so steht die Drehleiter noch heute in Glauchau, wird von den Vereinsmitgliedern liebevoll gepflegt.

Spannend ist ein weiteres Detail aus der Geschichte des 120 PS starken Fahrzeuges. "Bei der Auslieferung damals gehörte ein Fahrrad zur Ausrüstung, das am Fahrzeug befestigt war und man abnehmen konnte", sagt Wolfgang Werner. Das habe einen ganz besonderen Grund gehabt, der sich erschließt, wenn man die Drehleiter genauer ansieht.

Am Fahrzeug befindet sich eine lange abnehmbare Stange mit aufgebrachten Markierungen. Weil es damals noch keine gültige Übersicht über Durchfahrtshöhen und -breiten gab, musste immer dann, wenn es eng wurde, einer der Feuerwehrleute absitzen, mit dem Fahrrad vorausfahren und mittels Stange überprüfen, ob die Toreinfahrt oder die Zufahrt zum Bauernhof oder auch die Brücke, die zu durchfahren war, genügend Platz für die Drehleiter aufwiesen.

Und so ließen sich noch weit mehr Geschichten über das Fahrzeug erzählen, zum Beispiel dass es einen Schnellgang hat. Damit kommt man auf etwa 120 Stundenkilometer. "Wir haben heute für uns festgelegt, dass wir damit nur höchsten 50 fahren", sagt der Vereinsvorsitzende Rolf Löchel.

Bis zum Kriegsende wurde die damals hoch technisierte Drehleiter auch als Löschfahrzeug genutzt, nach dem Krieg war sie ausschließlich zum Retten und Bergen im Einsatz. Die Drehleiter gehört der Stadt Glauchau.

Am Samstag, wenn der Verein zum ersten Feuerwehr-Historik-Tag auf die Schlachthofstraße einlädt, wird die Drehleiter eine von vielen Attraktionen sein, die man bestaunen kann. "Wir machen eine solche Schau zum ersten Mal und wollen mal sehen, wie das angenommen wird", sagt Löchel. Etwa 35 Fahrzeuge werden zu sehen, nicht nur aus dem Glauchauer Kabinett, sondern auch von Wehren aus der Umgebung. Der etwa 180 Mitglieder zählende Feuerwehrverein ist der Veranstalter, kann aber auf Unterstützung aus dem Seniorenclub am Hugo Preuß-Platz bauen, der sich um die Versorgung der Besucher kümmern wird.

Und damit es auch familiär zugeht, baut die Jugendfeuerwehr unter anderem eine Hüpfburg auf.

Der erste Feuerwehr-Historik-Tag findet am 1. September auf der Schlachthofstraße statt. Beginn ist um 10 Uhr.

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