Welche Schule ist die richtige?

Viertklässler müssen jetzt wählen, welche Lerneinrichtung sie künftig besuchen wollen. Die wiederum legen sich mächtig ins Zeug, um den Neuanwärtern mehr als trockene Theorie zu bieten.

Hohenstein-Ernstthal/Lichtenstein.

Gymnasien und Oberschulen informieren derzeit bei ihren Tagen der offenen Tür über die unterschiedlichen Bildungswege. Diese Woche könnte der Lehrbetrieb gestört werden, denn der öffentliche Dienst hat auch Streiks der Lehrer angekündigt. Ein junger Lehrer, der definitiv nicht streiken wird, ist Lars Naumann. Er unterrichtet am Lessinggymnasium in Hohenstein-Ernstthal Chemie und Biologie und "vergoldete" am Samstag im Chemiekabinett zusammen mit kleinen Besuchern Münzen. Der 39-Jährige ist einer der ersten Lehrer, die in Sachsen verbeamtet worden sind. Somit darf er gar nicht streiken, sieht aber auch keinen Grund dazu. "Lehrer war schon immer mein Traumberuf, und durch die Verbeamtung stimmen jetzt auch die Bedingungen", sagt Naumann. Er arbeitet nicht nur als Lehrer am Gymnasium, sondern ist auch in der Ausbildung von neuen Lehrern tätig. Sachsen und Berlin seien lange die einzigen gewesen, die Lehrer nicht verbeamtet haben und zeitweise keine wirklichen Perspektiven boten. Dadurch zogen viele weg und werden vermutlich auch nicht wiederkommen. "Ich selbst hatte auch darüber nachgedacht, aber Familie und Freunde waren ein Grund, hier zu bleiben", sagt der Hohenstein-Ernstthaler. Er weiß aber auch, dass das Thema Verbeamtung für Diskussionen sorgt, weil ältere Kollegen außen vor bleiben.

Geschichtslehrerin Gabriele Dreyer (56) bedauert, dass die Arbeit der Lehrer unterschiedlich bewertet wird. Gerade jetzt lastet durch Vertretungen wieder viel Last auf den Schultern der älteren Lehrer. "Wir halten das System seit Jahren am Laufen, sind aber jetzt irgendwie die Verlierer", sagt die Lehrerin, die für die CDU im Hohenstein-Ernstthaler Stadtrat sitzt. Sie kann sich vorstellen, diese Woche an einem Streik teilzunehmen, wobei es aber nicht nur ums Geld, sondern um die gesamten Bedingungen gehen soll. Karen Rietz, derzeit kommissarische Schulleiterin des Lessinggymnasiums, konnte am Samstag noch nicht sagen, wie viele Lehrkräfte ihrer Schule sich an den Streiks beteiligen. Derzeit sind am Lessinggymnasium 67 Lehrerinnen und Lehrer tätig, die 797 Schüler unterrichten. In den letzten Jahren war die Schule relativ stabil vierzügig. "Das streben wir auch in diesem Jahr wieder an", sagt Karen Rietz mit Blick auf die Anmeldungen der Fünftklässler, die am Lessinggymnasium am 15. Februar und in der ersten Woche nach den Winterferien möglich sind. Am Schneidergymnasium in Lichtenstein war am Samstag beim Tag der offenen Tür ebenfalls viel los. Die möglichen Lehrerstreiks spielten in den Gesprächen kaum eine Rolle, denn auch hier war noch nicht sicher, ob es eine Beteiligung in größerem Umfang gibt. "Wichtig ist uns, dass es bei den Streiks nicht vorrangig ums Geld geht. Es gibt etliche andere Probleme", sagt Lehrer Bernd Schwalbe und verweist beispielsweise auf Pläne, den Biologieunterricht in den siebenten Klassen um eine Stunde zu kürzen.

"Dieses Schuljahr ist Lehrermangel kein Thema", sagt Schulleiter Michael Hausmann, der für 58 Lehrer und drei Referendare sowie rund 700 Schüler verantwortlich ist. Davon sind sieben Pädagogen verbeamtet, fünf weitere könnten folgen. Ein großer Generationswechsel in der Lehrerschaft wird vor allem in den Jahren 2023, 2024 und 2025 erwartet, dann könnte es kompliziert werden, die Stellen neu zu besetzen, so Hausmann.

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