Wenn die Familie mitleidet

Mit psychischen Krankheiten sind Partner und Freunde des Erkrankten oft überfordert. Dabei gibt es für sie Hilfe.

Zwickau.

Bereits heute leiden in Deutschland viele Menschen an psychischen Erkrankungen - mit beträchtlichen Folgen für die Betroffenen. Aber auch für deren Familien und Freunde.

Und: Die Zahl der Erkrankten steigt. Das zeigt der Blick in eine Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die Krankschreibungen auswertet. Das Ergebnis: Seit Jahrzehnten ist die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen deutlich angestiegen. Auch die AOK belegte in einer Studie aus dem Jahr 2017: Die Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen sind inden zehn Jahren davor um 79 Prozent gestiegen.

Für Angehörige psychisch kranker Menschen gibt es in der Region Zwickau Rat und Hilfe. Der Landesverband der Angehörigen psychisch kranker Menschen in Sachsen informiert über mögliche Hilfsangebote. Dessen Vorsitzende ist Carmen Könitzer aus Zwickau. Der Verband informiert nicht nur, er bietet aktive Hilfe bei der Suche nach Wegen zur Bewältigung der Krise. "Familienangehörige und Freunde sind mit ihren Sorgen eben nicht allein", sagt Carmen Könitzer.

Gegen die Angst und die Ratlosigkeit helfen oft schon Einzelgespräche, Kontakte zu Angehörigengruppen oder Seminare, in denen Fachleute referieren. "Dabei lernen unsere Mitglieder auch, mit Schuldgefühlen umzugehen", sagt Könitzer, die dem Landesverband seit 2005 angehört und seit einem Jahr dessen Vorsitzende ist. Einen Schuldigen, am Entstehen der Krankheit gibt es nicht. "Es ist keine Schande, einen seelisch kranken Menschen in der Familie zu haben", sagt Carmen Könitzer. Man müsse sich daher auch nicht verstecken.

Die ehemalige Lehrerin berichtet aus eigener Erfahrung. "Ich kann mich noch sehr gut an den Tag vor 15 Jahren erinnern, an dem bei einem mir sehr nahestehenden Menschen eine schwere psychische Erkrankung festgestellt wurde", sagt sie. Damals hatte sie begonnen, sich über die Erkrankungen zu informieren; Ursachen, Verlauf, Prognose. Dabei war sie auf den Landesverband gestoßen. "Von dem vermittelten Wissen habe ich sehr profitiert", sagt sie.

Inzwischen ist sie von einer anfänglich nehmenden Betroffenen zu einer Gebenden geworden, wie sie selbst betont. Jetzt will Carmen Könitzer auch in der Region Zwickau eine offene Gruppe aufbauen, die Angehörigen zur Seite steht und die Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Wo genau diese Gruppe angesiedelt wird, kann sie noch nicht sagen. "Ich würde mir das HBK wünschen", sagt sie. Sie macht den Angehörigen Mut, sich zu melden. Vor allem das Auszeit-Wochenende, bei dem Angehörige in einer Herberge in Sachsen etwas für sich selbst tun können, sei sehr zu empfehlen. "Entspannen, fachsimpeln mit anderen und einfach Abstand vom stressigen Alltag gewinnen", erklärt Könitzer das Prinzip.

Informationen sind auf der Internetseite des Landesverbandes der Angehörigen psychisch kranker Menschen in Sachsen zu finden. Die Geschäftsstelle ist in Leipzig unter der Rufnummer 0341 47839387 erreichbar. www.lvapk-sachsen.de

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