Wüterich kommt bei Gericht mit Geldstrafe davon

Ein Niederlungwitzer hat sich unter Alkoholeinfluss mit der Polizei angelegt. Die Beamten zeigten zunächst viel Geduld.

Hohenstein-Ernstthal.

Mit einer Geldstrafe ist ein Mann aus Niederlungwitz vor Gericht davongekommen. Weil der 50-Jährige bisher nicht vorbestraft war, drückten Staatsanwalt und Gericht ein Auge zu. 1250 Euro muss der Wüterich löhnen. Staatsanwalt Martin Bierlein hatte dem Angeklagten Nötigung, Missbrauch von Notrufen und Trunkenheit im Verkehr vorgeworfen.

Am 13. Oktober 2018 ging bei der Zwickauer Rettungsleitstelle ein Handyanruf ein. Ein Niederlungwitzer beklagte sich darüber, dass ein Nachbar ein Feuer entfacht hat und dort Abfälle verbrennt, die starken Rauch verursachen. Als die Streife eintraf, kam ihnen der Angeklagte entgegen, in der Hand eine Bierflasche. Nach Aussagen der Beamten legte er sofort mit Beschimpfungen los. Wo sie denn so lange geblieben seien? Die junge Polizistin musste sich von dem sichtlich Angetrunkenen eine lallende Schimpfkanonade mit Begriffen wie "Dilettantin" und "dumme Kuh" gefallen lassen. Weil die Beamten weder ein weiteres Feuer noch andere Personen irgendwo in der Nachbarschaft fanden, wollten sie den Einsatz abbrechen.

Ohnehin bekamen sie in dieser Minute den Einsatzbefehl wegen eines Alarmeinlaufs an einer Schule in Meerane. Doch der Angeklagte wollte sich damit nicht abfinden, postierte sich vor dem Streifenwagen und verhinderte das Wegfahren. Nachdem ihn der Polizeibeamte zur Seite befördert hatte, versuchte er noch, die Beifahrertür zu öffnen. Damit war das Schauspiel noch lange nicht zu Ende. Erbost wählte er gegen 20.50 Uhr erneut die Notrufnummer, um sich über die Tatenlosigkeit der Polizisten zu beschweren. Obwohl man ihn in der Notrufzentrale darauf hinwies, dass diese Nummer für echte Notrufe gedacht ist und er eine Anzeige riskiert, wählte er 20.55 Uhr und 21.04 Uhr wieder an. Weil das nichts nützte, schwang sich der Betrunkene auf sein Fahrrad und radelte zum Glauchauer Polizeirevier.

Dort tobte er weiter und versuchte, die Eingangstür von innen aufzureißen, als der Dienstgruppenleiter einen Atemalkoholtest bei dem Wüterich anwies. Weil die Flucht missglückte, warf er sich auf den Boden, täuschte akute Herzprobleme vor. Die Polizei holte daraufhin den Notarzt, der per EKG feststellte: Alles in Ordnung. Weil der Angeklagte nach wie vor den Atemalkoholtest ablehnte, wurde er schließlich per Handfessel fixiert und mit Gewalt eine Blutentnahme durchgeführt. "Es war von Anfang bis Ende Theater. Sie haben damit viele Leute beschäftigt und Kosten verursacht", warf ihm nun vor Gericht Staatsanwalt Bierlein vor.

Dem Angeklagten sei das heute alles peinlich. Weil er fürchtete, dass er wegen der Alkoholisierung von 1,61 Promille zum "Idiotentest" muss, hatte er gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt. Das Gericht zeigte sich gnädig, ließ die Angelegenheit mit dem Rad fallen.

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