Der Friedhof zeigt sich von seiner schönsten Seite

Die Anlage im Werdauer Osten ist ein Ort voller Geheimnisse und verborgener Schätze. Wer mehr darüber erfahren möchte, hat dazu am Tag des offenen Denkmals Gelegenheit. Geboten werden weitere Extras.

Werdau.

Restaurator Wolfram Voigt hat in den zurückliegenden Jahren schon zahlreichen Kirchen und Baudenkmälern in der Region zu altem Glanz verholfen. Doch ein Objekt liegt dem Zwickauer ganz besonders am Herzen: der Werdauer Friedhof mit seiner Kapelle. Für Voigt eines der schönsten Bauwerke seiner Art in Sachsen, das auch 112 Jahre nach seiner Fertigstellung nichts an Reiz verloren hat.

"Die Bauherren holten sich bei der Verwirklichung des Vorhabens Anregungen auf dem Südfriedhof in Leipzig. Der wurde 1901 eingeweiht und damit fünf Jahre vor dem in Werdau", sagt Voigt. Mehrfach wurde das Gebäude im Laufe der Jahre umgebaut oder ergänzt, ohne dass es dabei sein ursprüngliches Aussehen verlor. "Der erste große Umbau erfolgte zwischen 1938 und 1940. In jener Zeit wurden im Keller ein Krematorium eingebaut und der große Saal umgebaut. Das Krematorium war bis 1973 in Betrieb und ist auch heute noch teilweise vorhanden", erzählt Wolfram Voigt. Er hat unter anderem bei der ersten Etappe der Restaurierung des markanten Gebäudes 2016 und 2017 mitgewirkt und die Rotunde restauriert, sodass diese wieder im Originalzustand erstrahlt. "Die im romanischen Stil errichtete Kapelle ist als Gesamtbauwerk ein Zeugnis vom Reichtum der Stadt als eine der ehemaligen Industriehochburgen Sachsens. Das trifft auf den gesamten Friedhof zu", sagt Voigt. Dazu gehören für den Restaurator unter anderem auch der Erhaltungszustand der Grabanlagen. "Das sucht seinesgleichen in Sachsen und darüber hinaus", sagt der Experte und gerät dabei ins Schwärmen.

"Der Friedhof spiegelt die Entwicklung vom Jugendstil über das Artdeco bis in die Zeit um 1940 wieder." Die Besonderheit sind für den Experten die 17 Grabskulpturen, die einst der Berliner Bildhauer und Künstler Hans Dammann schuf und die noch heute entlang der Friedhofsmauer im Eingangsbereich zu finden sind. "Das ist in der Form in Deutschland einmalig und vielen Werdauern oder Besuchern des Friedhofes gar nicht bekannt oder bewusst." Dammann galt zu seinen Lebzeiten (1867 bis 1942) zu den bedeutendsten Bildhauern in Deutschland. "Nur wer es sich leisten konnte, gab bei dem Künstler eine Grabskulptur in Auftrag. Das waren meistens wohlhabende Industrielle beziehungsweise ihre Nachfahren."

Und noch eine Besonderheit weist der Werdauer Friedhof auf. "Über 1500 Bäume und Sträucher sind auf dem rund neun Hektar großem Areal vorhanden und machen das Gelände zur größten Parkanlage in der Stadt", berichtet Friedhofsverwalterin Rita Grieshammer. Der älteste Baum, eine Roteiche, wurde auf dem Gelände 1850 gepflanzt. Das war 56 Jahre bevor auf dem Gelände der Friedhof eröffnet wurde. Zum Baumbestand gehören zahlreiche seltene Gehölze, wie zum Beispiel der Kuchenbaum, der amerikanische Amberbaum oder die Hainbuche. "Der Baumbestand ist einer der bedeutendsten in Sachsen und kann auch im internationalen Vergleich mithalten", sagt Rita Grieshammer.

"All das ist für die Stadtverwaltung Anlass, sich mit dem Waldfriedhof am Tag des offenen Denkmals zu beteiligen. Dazu warten wir am Sonntag von 10 bis gegen 16 Uhr mit verschiedenen Angeboten auf dem Waldfriedhof auf", sagt Rathaussprecher André Kleber. Geplant sind 10.30, 13.30 und 15.30 Uhr auf dem Gelände Führungen und Vorträge zu verschiedenen Themen, die jeweils parallel stattfinden. "Im Fokus stehen dabei die architektonische Besonderheiten der Kapelle, die historischen Grabanlagen und deren Geschichte sowie die ökologische Vielfalt", sagt André Kleber. Experten, darunter auch der Restaurator, stehen Rede und Antwort.

Mit im Boot sind am 9. September ebenfalls das Bestattungsinstitut Naundorf, das mit einem Informationsstand präsent sein wird. "Das Team vom Werdauer Hospiz lädt zu Kaffee und Kuchen im Kommunikationscafé ein", sagt Kleber.

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