Für Busfahrer wird Gestern aktuell

Zum 50. Mal trafen sich am Samstag ehemalige Busfahrer der Wismut zu einem Plausch. Zu erzählen gab es dabei genug.

Langenhessen.

Wann Karl Sommer das letzte Mal am Lenkrad eines Busses saß, daran kann sich der 81-Jährige nicht mehr exakt erinnern. "Das ist schon ein paar Jahre her. 1994 habe ich aufgehört, Bus zu fahren", sagt der Langenhessener.

Karl Sommer ist nicht irgendein Busfahrer gewesen. Er gehörte zu einem Team von rund 250 Männern, die zu DDR-Zeiten an sieben Tagen in der Woche die Beschäftigten der Wismut aus ganz Westsachsen und Ostthüringen zu ihren Arbeitsplätzen über- und untertage brachten. Angestellt war er beim Transportbetrieb Ronneburg, einem Tochterunternehmen der Wismut. Deren Beschäftigte trafen sich am Samstag zum 50. Mal in der "Holzfällerklause" in Sorge-Settendorf, kurz hinter der Landesgrenze, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Karl Sommer aus Langenhessen und Manfred Müller aus Werdau gehörten dazu. "Wir beide haben damals zusammengearbeitet und uns quasi einen Bus geteilt. Hatte der eine keinen Dienst, war der andere dran", erinnert sich Karl Sommer. Den Bus hatte er damals vor dem eigenen Grundstück an der Crimmitschauer Straße in Langenhessen geparkt. "Das war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich. Aber wir sind auch zu Zeiten losgefahren, da haben andere noch geschlafen. Schließlich mussten die Wismuter pünktlich am Arbeitsplatz sein", sagt der 81-Jährige.

30 Jahre war er bei der Wismut beschäftigt, hat dort als Kipperfahrer angefangen und ist dann auf einen Bus umgestiegen. Erlebt hat Sommer in den 26 Jahren, in denen er unter anderem auf der Linie Reudnitz-Werdau-Crimmitschau-Ronneburg unterwegs war, eine Menge. Dabei ist ihm ein Ereignis besonders in Erinnerung geblieben. An einem kalten Wintertag vor vielen Jahren ist er mit 30 Leuten an Bord in einer Schneewehe auf der Straße zwischen Mannichswalde und Blankenhain stecken geblieben. Bis Hilfe kam, vergingen 19 Stunden. "Die Männer, die von der Schicht kamen, haben nach und nach den Bus verlassen und sind durch den Schnee zu Fuß nach Hause. Ich konnte ja nicht einfach abhauen und den Bus stehen lassen. Also musste ich warten, bis Hilfe kam", blickt der Senior zurück. Ein Telefon war weit und breit nicht vorhanden, Handy gab es noch nicht. "Es war eben eine andere Zeit, die sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen können." Episoden, die die Männer bei ihrem zweimal pro Jahr stattfindenden Treffen in Sorge-Settendorf untereinander zum Besten gaben und über die sie heute lachen können.

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