Das Wunder von Schneeberg

Sie gilt als Wahrzeichen einer ganzen Region: die St. Wolfgangskirche. 70 Jahre nachdem das Gotteshaus ausbrannte, soll der Wiederaufbau in wenigen Tagen enden - zumindest symbolisch.

Schneeberg.

Am 19. April 1945, kurz vor Kriegsende, geriet St. Wolfgang plötzlich unter Beschuss. US-Jagdbomber beharkten die imposante Kirche im Herzen Schneebergs. Leuchtspurgeschosse setzten das Dach in Flammen. Das Feuer fraß sich durch den spätgotischen Bau und ließ ein Gerippe aus Sandstein zurück. Nur der berühmte Flügel-Altar aus der Werkstatt Lucas Cranachs, gefertigt in den 1530er-Jahren, überlebte, weil Helfer ihn aus der brennenden Kirche trugen.

Heute, 70 Jahre später, ist von der Zerstörung nur noch wenig zu sehen. Naturschiefer aus Spanien, ein neuer Glockenstuhl, die Fassade generalüberholt - das Gotteshaus erstrahlt in altem Glanz. Seit 2011 wurde das Wahrzeichen der Stadt für rund 4,1 Millionen Euro umfassend saniert. In wenigen Tagen ist ein Ende der Arbeiten in Sicht. Zum Bergstreittag am Freitag will Pfarrer Frank Meinel den Wiederaufbau und damit eine Jahrzehnte dauernde Phase symbolisch abschließen. "Dass wir heute hier stehen, haben wir den Leuten zu verdanken, die nach 1945 voller Leidenschaft begannen", sagt er.

Ein Gotteshaus, auferstanden aus Trümmern - es ist wie Wunder. "Die Baustelle mitbegleiten zu dürfen, war ein Stück Lebensglück", so Meinel. Bereits kurz nach dem Krieg hatte man die Ruine beräumt, 1958 das Dach geschlossen, 1988 das Gewölbe; acht Jahre später war der Innenausbau fertig. Die letzten Kriegsschäden - wie an der Fassade - wurden in den vergangenen Jahren geheilt. Rund die Hälfte der Sandsteine und mehr als 90 Prozent der Fugen erneuerten Bauarbeiter. "Wir haben am höchsten Punkt mit der Turmkugel begonnen, und hören jetzt ganz unten auf mit den Klos und dem Abfluss", sagt er und lacht.

Rings um die Kirche finden derzeit noch letzte Pflasterarbeiten statt. Am Nordportal werden zudem eine neue Sitzgruppe und eine Banner-Anlage montiert. "Zugegeben, es sieht etwas chaotisch aus", sagt Meinel. "Das wird in den nächsten Tagen aber alles fertig." Einzige Wermutstropfen: Die Arbeiten im Sanitärbereich werden sich wohl noch etwas länger ziehen; der Kirchturm als beliebter Aussichtspunkt bleibt deshalb weiter gesperrt.

Bauen und beten - für Pfarrer Meinel gehört das zusammen, seit er vor 23 Jahren seine Stelle in der Stadt antrat. "Dass das nun endet, treibt mich irgendwie um", sagt er und ergänzt: "Ein paar Kleinigkeiten werden sich aber wohl noch finden." Auf seinem Wunschzettel ganz oben: neue Stühle.

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