Sturmlauf gegen Windräder

In Zwönitz könnten in den nächsten Jahren bis zu 21Windräder entstehen. Jetzt ist bei einer Einwohnerversammlung mit Bürgern über das Projekt diskutiert worden - die haben eine klare Meinung.

Zwönitz.

Im Saal im Gasthof "Zur Linde" in Zwönitz ist am Donnerstagabend kein Stuhl freigeblieben. Mehr als 70 Besucher drängten sich dicht an dicht. Sie waren der Einladung der Stadtverwaltung gefolgt, die Bürger aus den Ortsteilen Niederzwönitz und Dorfchemnitz zu einer Einwohnerversammlung gebeten hatte, um über den möglichen Bau mehrerer Windräder in der Stadt zu sprechen.

Entlang des Autobahnzubringers Zwönitz (S 258) ist derzeit ein sogenanntes Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. So steht es im Entwurf des Regionalplans, der zeigt, wo in Sachsen künftig Windräder stehen könnten. Das 58 Hektar große Areal zwischen Affalter-Streitwald und Dorfchemnitz bietet laut Rathaus Stellflächen für 21 Anlagen, die 100 Meter und höher sein könnten. Laut Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) ist aber wahrscheinlicher, dass am Ende sechs große Windräder stehen, die höher als 200 Meter sind.

Bei dem Treffen stießen diese Aussichten vor allem auf eins: viel Kritik. Ein Bürger warnte vor den gesundheitlichen Gefahren durch Infraschall - das sind Luftschwingungen, die unterhalb der Hörschwelle liegen. Ein anderer sprach über das Risiko, dass die Rotorblätter im Winter größere Eisbrocken auf die S 258 abwerfen könnten. Ein Dritter fragte, was an Lärm zu erwarten ist. Bürgermeister Triebert, der den Bau von Windrädern vor Ort selbst ablehnt, vermutete, dass bei ungünstigem Wind auch in weiter Entfernung "etwas zu vernehmen" ist. Das größere Problem sei jedoch der Schlagschatten. "Je nach Sonnenstand ist der kilometerweit zu sehen."

So wie Triebert hatten sich auch Stadtrat und Technischer Ausschuss in der Vergangenheit bereits mehrfach gegen das Windkraftgebiet ausgesprochen - bislang ohne Erfolg. Aus Sicht von Triebert sprechen gegen den Bau vor allem zwei Argumente: dass der Blick ins Zwönitztal durch die Windräder beeinträchtigt würde sowie der Artenschutz. In der Nähe gibt es mehrere Flächennaturdenkmäler und Naturschutzgebiete, in denen bedrohte Zugvögel anzutreffen sind, darunter der Schwarzstorch.

Gegen den Bau von Windrädern spricht sich seit Neuestem auch die Bürgerinitiative "Gegenwind Niederzwönitz-Dorfchemnitz" aus, die sich vor wenigen Wochen gegründet hat. Vertreter kündigten auf der Einwohnerversammlung an, am 29. Januar eine Unterschriftensammlung starten zu wollen.

Offen bleibt jedoch weiter, ob überhaupt jemals Windräder an der Staatsstraße kommen. Laut Triebert will der zuständige Planungsverband im ersten Quartal dieses Jahres eine weitere Umweltprüfung durchführen lassen. Möglich wäre, dass das Vorranggebiet dann gestrichen wird. Ein Entschluss erwartet die Stadt in den nächsten Monaten.

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