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Abwasserchef: Ohne Solarworld drohen höhere Gebühren

Fiele der Großkunde aus, müsste der Zweckverband "Muldental" neu kalkulieren, sagt Geschäftsleiter Christian Rüdiger. Auch andere Versorger beginnen zu rechnen.

Von Steffen Jankowski und Kai Kollenberg
erschienen am 21.07.2017

Freiberg/Halsbrücke. Die Krise des Photovoltaik-Riesen Solarworld in Freiberg ist nicht nur für das Unternehmen und seine Mitarbeiter ein herber Schlag. Auch die Versorgungsunternehmen in den Bereichen Strom, Abwasser oder Wasser müssen sich auf die neue Situation einstellen. Solarworld ist einer der Großabnehmer in der Region. Aktuell gibt es die Befürchtung, dass ein Ausfall der Einnahmen sich auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen könnte: Immerhin haben die Verbände den Versorgungshunger des Solarzellenherstellers in ihre Kalkulationen einbezogen.

Droht also in den kommenden Monaten oder Jahren ein Anstieg von Abwassergebühren und Stromentgelten? Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) hatte in einem Brief an die Freiberger Stadträte wenige Tage nach dem Insolvenzantrag des Mutterunternehmens vor möglichen Risiken gewarnt: Die Auswirkungen auf Konditionen des Wasserzweckverbandes Freiberg sowie auf die Stadtwerke Freiberg seien nicht einschätzbar.

Beim Abwasserzweckverband "Muldental" (AZV) wird Christian Rüdiger "in den nächsten acht bis zwölf Wochen sehen, wohin die Reise geht". Bereits jetzt steht für den Geschäftsleiter fest: "Ohne Solarworld müsste im Herbst neu kalkuliert werden. Und die Abwasserpreise würden auf keinen Fall billiger."

Die Tarife seien zwar ursprünglich bis 2019 berechnet worden, erläutert Rüdiger. Aber mit der Waferproduktion im Gewerbe- und Industriegebiet Freiberg-Ost fielen etwa 15 Prozent der rund 1,3 Millionen Kubikmeter Abwasser weg, die derzeit pro Jahr vom Zweckverband behandelt werden. "Da können wir nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an", sagt der Geschäftsleiter.

Bereits jetzt werde der Investitionsplan des Verbandes auf Einsparpotenziale und zeitliche Verschiebungen einzelner Vorhaben durchforstet. Er hoffe auch auf Neuansiedlungen von Firmen und Betriebserweiterungen im Verbandsgebiet, so der Abwasserchef weiter: "Das würde kostendämpfend wirken."

Diesen Zusammenhang bestätigt auch Uwe Graner von der Freiberger Abwasserbeseitigung: "Je mehr Abwasser eingeleitet wird, desto geringer wird der spezifische Preis pro Kubikmeter." Das liege daran, dass die Fixkosten wie etwa Abschreibungen, breiter verteilt werden könnten, so der Betriebsleiter. Jedoch gilt auch bei dem Eigenbetrieb der Stadt Freiberg der Umkehrschluss: Je weniger Abwasser kommt, desto teurer wird der Kubikmeter.

"Auf lange Sicht würde sich ein Wegfall der Solarworld auch bei uns auf die Gebühren auswirken", bestätigt Graner. Allerdings machten die 200.000 Kubikmeter des Photovoltaik-Riesens nur etwa sieben Prozent der jährlichen Gesamtmenge von knapp 2,9 Millionen Kubikmetern Abwasser bei der FAB aus. Zudem sei in der aktuellen Kalkulationsperiode noch ein Polster vorhanden, sodass den Bürgern in den nächsten zwei Jahren keine Preiserhöhung drohe. Aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag sei bei Solarworld nur eine Monatsrate - rein rechnerisch dürften das rund 30.000 Euro sein - offen, so der Betriebsleiter: "Wir arbeiten jetzt nur noch mit Vorkasse."

Aktuell gibt zumindest Stadtwerke-Chef, Axel Schneegans, Entwarnung. "Wir haben sehr sorgfältig reagiert." Die Stadtwerke belieferten die Freiberger Solarworld-Töchter nicht mit Strom. Sie stellten aber ihr Netz für die Versorgung zur Verfügung. Das Entgelt dafür werde aber durch Vorkasse gezahlt, sagt Schneegans. Die Übereinkunft mit wichtigen Zulieferern war eine der ersten Aufgaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Horst Piepenburg gewesen. Die Produktion in Freiberg stand wenige Tage still, konnte aber mittlerweile wieder aufgenommen werden.

Überhaupt weisen die Freiberger Stadtwerke Befürchtungen zurück, dass durch die Solarworld-Krise die Strompreise für alle Kunden steigen könnten. "Wir befinden uns in einem Wettbewerbsmarkt", sagt Schneegans. Soll heißen: Sind die Preise zu hoch, sind die Kunden weg. Welche Auswirkungen ein Ausfall der Solarworld auf die Netzentgelte habe, sei zudem noch nicht abzuschätzen.

 
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