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Seltenes Jubiläum: Das Fest der eisernen Hochzeit feierten gestern Erika und Werner Mey mit Gästen in ihrem Haus in Clausnitz. Zwar gehe heute alles ein bisschen langsamer als früher, sagen beide. Eines aber ist ihnen wichtig: Es geht noch immer gemeinsam und stets auf Augenhöhe mit dem Partner.

Foto: Eckardt MildnerBild 1 / 2

Beim langsamen Walzer fing alles an ...

Gestern vor 65 Jahren haben Erika und Werner Mey geheiratet. Ihre Erinnerungen reichen zurück in schwierige Zeiten.

Von Astrid Ring
erschienen am 14.06.2018

Clausnitz. Also, mit dem Walzertanzen zum Hochzeitstag ist es jetzt vielleicht etwas schwierig - das gibt Werner Mey unumwunden zu. "Aber wir können das schon noch", fügt der 89-Jährige an. Und seine Frau Erika lacht: "Klar, das haben wir ja gelernt - und schließlich haben wir uns auch beim Tanz kennengelernt", erinnern sich beide an ihre Tanzstunden in der Jugendzeit.

Beim Tanzen muss es 1949 dann auch gefunkt haben: Vier Jahre später, am 13. Juni 1953, haben Erika und Werner Mey in Sayda geheiratet. Gestern feierten sie ihre eiserne Hochzeit - im Kreise von Freunden, Bekannten und ihrer Familie. Doch das große Fest zu diesem seltenen Ehejubiläum kommt erst noch: am 24. Juni. Dann wird das Paar mit seinen Verwandten sicher erneut in Erinnerungen schwelgen, so wie es gestern zurückdachte. Und in den 65 gemeinsamen Jahren gab es manche Höhepunkte wie auch schwierige Zeiten.

Erika Mey wuchs in Friedebach auf, Werner Mey, er stammt aus Clausnitz, musste mit 16 Jahren als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Als er in Schlesien am 8. Mai 1945 vom Ende des Krieges erfuhr, machte er sich mit zwei anderen Soldaten - es waren Sudetendeutsche - auf den Weg zurück nach Hause. "Wir sind gelaufen", sagte er gestern, seine Stimme zitterte dabei leicht. Durch die Löbauer Region ins Böhmische seien sie zu Fuß unterwegs gewesen, von da aus ging Werner Mey allein. "Insgesamt habe ich mehrere Tage bis nach Clausnitz gebraucht", erzählt er. Er nahm die Arbeit in einer Clausnitzer Tischlerei auf, dort hatte er auch gelernt. Später arbeitete er in Bienenmühle in einer Möbelfirma als Tischler. Seine Frau Erika war als Verkaufsstellenprüferin des Konsums zu DDR-Zeiten im ehemaligen Kreis Brand-Erbisdorf unterwegs. "Wir waren der Inventurtrupp", erzählt sie. Schon deshalb kenne sie noch heute viele Leute in der Heimatregion.

Weil der Tag der Hochzeit vor 65 Jahren eben noch in jener Zeit lag, als große Feiern selbst ausstaffiert wurden, musste fürs Festmahl angespart werden. "Es gab ja damals wenig", sagt Erika Mey. An den Stallhasen, der zum Brautmahl der Meys in Friedebach auf den Tisch kam, erinnert sie sich noch genau. Und auch an jene Zeit, als sie und ihr Mann in den 1960er-Jahren ihr Eigenheim in Clausnitz bauten. Sie haben die Ärmel hochgekrempelt und gearbeitet. "Baumaterial war nicht leicht zu bekommen, aber wir haben es geschafft", berichtet Werner Mey. Jede freie Minute verbrachten die Eltern auf dem Bau, erzählte gestern auch Tochter Brigitte Weigold. Neben ihr und dem Schwiegersohn gehören heute zwei Enkel und ein Urenkel zur Familie.

Noch immer wohnt das Jubelpaar in seinem eigenen Haus in Clausnitz, bewirtschaftet es ebenso selbst wie den Garten. "Und die jungen Leute, die jetzt neben uns wohnen, geben uns neuen Schwung", sagt Erika Mey lachend. Tochter Brigitte Weigold nickt und ergänzt: "Auch am Geschehen im Ort sind meine Eltern noch sehr interessiert."

Weite Reisen, so wie in der Vergangenheit, unternehmen die beiden Senioren jedoch nicht mehr. "Auch das gehört zu unseren schönen Erinnerungen. Denn wir waren zu DDR-Zeiten überall dort, wo wir hinfahren durften. Das weiteste war unsere Reise in den Kaukasus", sagt Erika Mey. Wandern gehörte fest zum Urlaubsprogramm dazu. Und in den 1990er-Jahren erkundete das Paar dann auch Österreich und die Schweiz.

Für die kommende Zeit wünschen sich Erika und Werner Mey nur eines: "Gesundheit - und noch eine schöne Zeit mit der Familie."

 
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