Werbung/Ads
Menü

Themen:

Ilka Stern vom Stadt- und Bergbaumuseum bewahrt vier Gemälde von Hanns Zethmeyer im Fundus auf, darunter das Ölgemälde "Wintertag am Wallgraben". Das Museum kann sich eine Ausstellung gut vorstellen.

Foto: ECKARDT_MILDNERBild 1 / 4

Das schwarze Loch im Lebenslauf

Ein Heimatforscher aus Franken steht vor einem Rätsel. Er recherchiert zu einem Maler, der nach dem Krieg in Freiberg lebte. Aber was machte er hier? Niemand konnte ihm bisher weiterhelfen. Nun hofft er, dass sich noch ein Zeitzeuge findet.

Von Frank Hommel
erschienen am 12.01.2018

Freiberg. Wenn sich Dietrich Heber in eine Sache verbeißt, dann ähnelt er von seinem Willen her ein bisschen einem Kampfhund, der nicht mehr loslassen kann. Dietrich Heber ist offen, höflich, verbindlich, zuvorkommend. Um seine Augen bilden sich Lachfältchen. Wenn es einer aber schafft, als Heimatforscher über die Region, in der er lebt, weit mehr als ein Dutzend Bücher zu verfassen - und um die hundert Aufsätze - dann kann man ihm Durchhaltevermögen nicht absprechen. Da scheint es bemerkenswert, wenn er sich ausgerechnet an einer Freiberg betreffenden Angelegenheit die Zähne ausbeißt.

Heber stammt aus Neuclausnitz im Erzgebirge. 1954, als er noch ein Kind war, waren seine Eltern mit ihm und der Schwester geflüchtet. Er wurde heimisch nahe Neustadt an der Aisch bei Nürnberg. Wo er irgendwann auf einen Kunstmaler stieß, der ihn zurück in seine alte Heimat führen sollte. Der Name des Mannes: Hanns Zethmeyer. Geboren 1891 in Neustadt/Aisch, wurde er zuerst in Nürnberg und dann in Leipzig ausgebildet.

Erste Werke sind aus den 1920er-Jahren bekannt. Er beteiligte sich an Weltausstellungen 1936 und 1937 in New York und Paris, gestaltete das Goldene Buch der Stadt Leipzig mit. In seiner Werkliste stehen Holzschnitte, Radierungen, Ölgemälde, Aquarelle. Er war, schreibt die örtliche Zeitung, "wohl eher konservativ", Wechsel der Kunstrichtungen hat er ignoriert. Dass all das nicht vergessen wurde, ist auch Dietrich Heber zu verdanken. Er war auf ein Jugendbild des Malers gestoßen. Und biss an. Heber organisierte Ausstellungen. Stöberte sich durch Antiquariate, trug viele Arbeiten Zethmeyers zusammen. Und biografische Daten. So ist heute bekannt, dass Zethmeyer von 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg war. Dass er 1918 heiratete. Dass er 1937 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Leipzig wurde. Dass er auch im Zweiten Weltkrieg als Soldat eingesetzt war. Dass er 1956 erste Briefmarken entwarf. Dass er 1969 in Leipzig starb und in Nürnberg beigesetzt ist. Nur ein schwarzes Loch gibt es in seinem Lebenslauf: Freiberg.

Nach dem Krieg lebte Zethmeyer wohl einige Zeit in Freiberg. Wohl 1946 bis 1948. Er hat von dieser Zeit künstlerisch Zeugnis abgelegt. Es gibt etwa einen Holzschnitt von der Tulpenkanzel im Dom, Aquarelle von Blicken auf Nikolai-, Johannis-, Jakobikirche. Nur: Wie und warum Zethmeyer hierher kam, was er hier machte, das hat Dietrich Heber bislang nicht in Erfahrung bringen können. Besuche im Stadtarchiv und im Stadt- und Bergbaumuseum, in dessen Fundus sich vier Gemälde befinden, brachten ihn nicht weiter. Im Gegenteil: Das Museum versorgte er mit biografischen Angaben zum Maler. "Das Museum kannte bisher nicht viel mehr als den Namen zu den vier hier aufbewahrten Werken", sagt Chef Ulrich Thiel.

Doch Dietrich Heber will nicht aufgeben. Er hofft nun, dass sich noch ein Freiberger findet, der bereits in jenen Jahren in der Stadt lebte und sich an Hanns Zethmeyer erinnert. Und Hinweise geben oder gar Aufklärung leisten könnte, warum der Maler erst in Freiberg gelandet ist und was ihn bewogen hat, die Stadt wieder zu verlassen. Der Dank des Heimatforschers ist allen gewiss, die helfen, das Rätsel zu lüften. Denn: Bei aller Beharrlichkeit ist Dietrich Heber wie gesagt ein sehr umgänglicher Zeitgenosse.

Kontakt Hinweise (bitte mit Telefonnummer) an die Lokalredaktion der Freien Presse, Kirchgässchen 1, 09599 Freiberg, E-Mail red.freiberg@freiepresse.de.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0

Lesen Sie auch

Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Bildergalerien
  • 16.01.2018
Florian Sanktjohanser
Kathmandu ringt um sein Welterbe

Kathmandu (dpa/tmn) - Den Tempel, vor dem die Hippies so gern ihre Hare-Krishna-Lieder sangen, gibt es nicht mehr. Nur der gestufte Sockel des Maju Dega ist geblieben. An anderen Tempeln sind Stützbalken in die Ziegelmauern geklemmt. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 12.01.2018
Badegärten Eibenstock
Saunaerlebnisse von Finnland bis Südtirol

Eibenstock (dpa/tmn) - Handtuch, heiße Steine, rund 80 Grad Hitze, Aufgusseimer: Mehr braucht es eigentlich nicht für Entspannung und Abhärtung in der Sauna. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 11.01.2018
Hiddenseer Hafen- und Kurbetrieb
Einsame Spitze - Hiddensee im Winterschlaf

Vitte/Kloster (dpa/tmn) - Manchmal drehen Großstädter mitten in Vitte plötzlich irritiert den Kopf. Hört man hier die Autobahn? Aber Hiddensee ist autofrei und das Festland weit weg. Was ununterbrochen so rauscht, ist die Ostsee. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 11.01.2018
Deutsches Jugendherbergswerk
Wie Jugendherbergen Gäste locken wollen

Detmold (dpa/tmn) - In einer Gewitternacht im Jahr 1909 hatte Richard Schirrmann eine Idee: Auf mehrtägigen Wanderungen sollten Schüler sichere und günstige Unterkünfte zum Übernachten finden können. zum Artikel ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Freiberg
Di

5 °C
Mi

2 °C
Do

6 °C
Fr

2 °C
Sa

1 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Freiberg und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Freiberg

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Erleben Sie Ihr weißes Wunder - bei MediMax.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09599 Freiberg
Kirchgäßchen 1
Telefon: 03731 3760
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr, Sa. 9.00 - 12.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm