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Foto: Eckardt Mildner Bild 1 / 4

Die Orgelwelt des Gottfried Silbermann

Außer seinen Instrumenten gibt es von Silbermann nicht mehr viel. Doch die Ausstellungsmacher ließen sich davon nicht beirren.

Von Heike Hubricht
erschienen am 19.08.2017

Freiberg. Wie bringt man Besuchern einen bekannten Orgelbauer nahe, von dem es weder Werkzeuge noch Kleidungsstücke, geschweige denn Porträtbilder gibt? Vor dieser Frage standen die Mitglieder der Freiberger Gottfried-Silbermann-Gesellschaft. Denn nach der Renovierung des Silbermannhauses am Schlossplatz sollte eine dauerhafte Ausstellung zu Gottfried Silbermann (1683-1753) eröffnet werden. Dessen Werkstatt befand sich einst im ersten Stock des Gebäudes. 45 seiner weltberühmten Orgeln schuf er dort. Für Albrecht Koch, Domkantor und Präsident der Silbermanngesellschaft, und sein Team stand fest: In der Schau soll es nicht nur um Gottfried Silbermann, sondern auch um seine Schüler und die Orgelwelt in der Region gehen. Heute wird das Silbermannhaus, in das auch Tourist-Information und Theaterkasse eingezogen sind, eröffnet.

In der Orgelwerkstatt wird der Besucher von Gottfried Silbermann "höchstpersönlich" begrüßt. Eine lebensgroße Puppe trägt Perücke und Kleidungsstücke, wie sie in seiner Zeit üblich waren. "Wir wissen ja nicht, wie er ausgesehen hat", sagt Koch. Auch die historischen Werkbänke und Werkzeuge in der mit Liebe zum Detail eingerichteten Schauwerkstatt stammen nicht von Silbermann. Trotzdem vermitteln sie einen Eindruck von der enormen Leistung, die der Orgelbauer vollbrachte. Wer Kopfhörer aufsetzt, kann beispielsweise hören, wie die Pfeifen gebaut werden. Albrecht Koch verrät vorab soviel: "Gegossen werden sie nicht, was viele denken."

Die Werkzeuge können schnell weggeräumt werden - und Kinder haben dann eine Arbeitsfläche, um Holzpfeifen und andere Instrumente zu basteln. Zum Ausprobieren lädt auch ein Orgel-Modell ein. Was bewegt sich im Inneren, wenn man eine Taste drückt? Um zu zeigen, was die Königin der Instrumente alles kann, hat Koch auf der Großen Silbermannorgel im Dom siebenmal das "Steigerlied" eingespielt: Mal klingt sie wie eine Flöte, mal wie eine Trompete.

Eine Augenweide ist das Silbermann-Zimmer. Mit seiner originalen Wandbeschriftung aus dem Jahr 1601 mit Psalmen soll es für Vorträge, Symposien und kleine Konzerte genutzt werden. Der Raum hieß übrigens schon so, als hier noch die Commerzbank saß - obwohl Silbermanns Werkstatt einst darüber lag.

Fast zwei Jahrzehnte hatte die Silbermanngesellschaft darum gerungen, den Orgelbauer an seinem Wirkungsort zu präsentieren. "Dass dieser Wunsch nun in Erfüllung geht, verdanken wir auch unzähligen Spendern", sagt Präsident Koch. Seit März kamen in einer Crowdfunding-Aktion (Schwarmfinanzierung) fast 20.000 Euro für die Schau zusammen. Viele ehrenamtliche Mitstreiter halfen beim Aufbau mit.

Und wie war Gottfried Silbermann nun? Für Albrecht Koch steht fest: "Er war ein knallharter Geschäftsmann, und er konnte in vielen Dingen stur sein. Aber die Tagebuchaufzeichnungen von Johann Andreas Silbermann über den Besuch bei seinem Onkel 1741 zeigen auch einen offenen, gerührten Menschen, der sich freut, den Neffen aus Straßburg zum ersten Mal zu sehen." Koch betrachtet das große Foto mit der Silbermannorgel aus dem Dom. Dann sagt er: "Und wer solche Meisterwerke schafft, muss ein ganz besonderer Mensch sein."

Ausstellung heute, 11 bis 17 Uhr geöffnet. Heute freier Eintritt, sonst Erwachsene 3 Euro, Gäste unter 18 Jahren frei. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 11bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

 
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