Fest bringt Licht ins Herz

Cornelia Seidel ist blind. Die Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse" sammelt Spenden, um das kleine Badezimmer im Haus der Milkauerin erweitern und blindengerecht gestalten zu können.

Milkau.

"Sind die Lichter angezündet, Freude zieht in jeden Raum" und später "Leuchte, Licht, mit hellem Schein, überall, überall soll Freude sein" heißt es in einem bekannten Weihnachtslied. Kerzenschein, Funkeln, helles Strahlen prägen die Weihnachtszeit. Was es hingegen bedeutet, wenn anstelle des Lichts die völlige Dunkelheit getreten ist, hat Cornelia Seidel aus Milkau erfahren müssen. Die 37-Jährige hat ihr Augenlicht verloren. Ein Tumor um den Sehnerv hat sie erblinden lassen.

"Ich vermisse diesen Weihnachtsglitzer, wenn es draußen dunkel ist und alles leuchtet", sagt Cornelia Seidel. Im Haus mit ihr wohnen ihr 47 Jahre alter Mann Dandy Seidel sowie die 13-jährige Lydia, der elfjährige Simon und die fast zwei Jahre alte Lisa. Mit Cornelia Seidels Erblindung änderte sich einiges - für die ganze Familie.

"Es konnten früher für mich nie genug Kerzen sein", berichtet sie. Heute brennen bei ihr kaum noch welche, denn dabei kann es im wahrsten Sinne brenzlig werden. "Einmal habe ich aus Versehen ein Blatt auf eine Kerze gelegt", sagt die Milkauerin. Auch die übrige Weihnachtsdekoration habe sie eingeschränkt. Im Küchenfenster steht ein kleiner elektrischer Weihnachtsbaum, auch einen Schwibbogen gibt es im Haus. Ein echter Weihnachtsbaum hingegen fehlt. Zu groß ist die Angst, dass Lisa, die Jüngste, etwas herunterzieht und sich dabei verletzt oder etwas in den Mund steckt. Der Verzicht mache Cornelia Seidel traurig. Auch ihr Sohn Simon sagt: "Ich hätte gern einen Weihnachtsbaum, so wie jeder einen hat."

Noch mehr ist anders als früher. Wie die Sonne auf Schnee glitzert, weiß Cornelia Seidel nur noch aus ihrer Erinnerung. Fehlt die Sonne, spürt sie im Freien nur Kälte. Durch den Schnee sei alles gedämpft, den Untergrund könne sie nicht mehr fühlen, die Straßenränder sind oft mit Schnee zugeschoben. Spazieren gehe sie dann gar nicht mehr. Auch Schlittschuhlaufen würde sie gern einmal wieder mit ihren Kindern. Bisher blieb es bei der Idee.

Dennoch ist das Weihnachtsfest noch immer ein Fest - für die anderen Sinne, das Riechen und Schmecken. "Ich kann mich an Düften erfreuen, zum Beispiel von Räucherkerzen, Duftkerzen und Tannenzweigen, und an Leckereien." Acht Bleche Plätzchen habe die Familie gebacken. Außerdem ist da die Musik: Vor wenigen Tagen hat Cornelia Seidel ein Weihnachtskonzert in der Milkauer Kirche besucht. Auch Lydia und Simon haben mitgesungen, beide gehören zum Chor der Evangelischen Werkschule. Und auf dem Weihnachtsmarkt war die Familie, die Kinder haben beschrieben, was sie sehen. "Sie sind meine Augen."

Helligkeit erlebt Cornelia Seidel dieser Tage noch auf eine andere Weise. Begleitend zur Aktion "Leser helfen" erfahre sie große Offenherzigkeit. "Viele Leute gehen auf uns zu", so die Milkauerin. Überrascht wurde sie etwa mit einem Räuchermännchen in Gestalt eines Bauhelfers - für das behindertengerechte Bad, das über die "Freie Presse"-Aktion finanziert werden soll. "Dieses Weihnachten ist ein ganz besonderes. Ich bin so voller Glück und Freude. Das ist auch eine Art Licht, ein Licht für die Seele."

Hat Cornelia Seidel einen Weihnachtswunsch? "Dieses Jahr wurden schon so viele Wünsche erfüllt", sagt sie. Und ergänzt doch lächelnd: "Vielleicht gibt es jemanden, der mir Klavierspielen beibringen kann."

Leser helfen

Wenn auch Sie für die Aktion "Leser helfen" spenden möchten, können Sie auf folgendes Konto überweisen - Kontoinhaber: Verein Leser helfen e. V.; IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40; BIC: GENODEF1CH1. Bitte als Stichwort "Hilfe für Cornelia Seidel" angeben.

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