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Das Sonderkommando Herold greift durch.

Foto: Julia M. MüllerBild 1 / 4

Vom Schornsteinfeger zum Massenmörder

Im Kino ist der Film "Der Hauptmann" zu sehen. Der in Schwarz-weiß gedrehte Streifen erzählt von den Gräueltaten des Lunzenauers Willi Herold - die Geschichte eines Mannes, der zum Kriegsverbrecher wurde.

Von Babette Philipp
erschienen am 16.05.2018

Lunzenau. "Er war mir persönlich bekannt", schreibt der ehemalige Lunzenauer Wolfgang Bönitz in einer Abhandlung über den Lunzenauer Willi Herold, die im Archiv der Stadt aufbewahrt wird und die die "Freie Presse" eingesehen hat. Dessen Gewalttaten und Morde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sind Inhalt des derzeit im Kino laufenden Films "Der Hauptmann".

"Wolfgang Bönitz ist ein ehemaliger Bürger unserer Stadt. Er war sehr geschichtsinteressiert und hat uns 2002 die von ihm recherchierte Abhandlung über Willi Herold zukommen lassen", sagt Lunzenaus Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU). In der Chronik der Stadt ist allerdings nichts über den jungen Mann zu finden, der im Krieg zum Verbrecher wurde.

Bönitz wurde seinen Aufzeichnungen zufolge in einem Katalogbuch zu einer Ausstellung über die Lebensbedingungen im Zweiten Weltkrieg im Ruhrlandmuseum in Essen fündig. Dort sei von einem jungen Soldaten die Rede gewesen, der, ausgestattet mit einer gefundenen Hauptmannsuniform, im Emsland 1945 Massenerschießungen befahl und sich an ihnen beteiligte. Genannt worden sei er auch der "Henker vom Emsland". Bönitz recherchierte weiter, erfuhr so, dass eben jener Mann aus Lunzenau stammte und er ihn sogar kannte, schreibt er.

Bönitz hat zur Biografie Herolds recherchiert: 1925 in der Stadt an der Mulde geboren, besuchte Herold die örtliche Schule und absolvierte bis zu seiner Einberufung 1943 eine Lehre zum Schornsteinfeger. Herold habe sich zunächst dem Jungvolk, später der Hitlerjugend angeschlossen. "Er entsprach in vielem den nazistischen Bildungsidealen", beschreibt Bönitz in dem Papier, wie er Herold erlebte. Er sei sehr ehrgeizig gewesen und habe schnell gelernt, den Kommandoton anzuwenden. "Er wollte, um selbst zu befehlen, nicht auf eine Beförderung warten, sondern setzte sich an die Spitze von beliebig gebildeten Gruppen in seiner Wohnumgebung und begann Streitigkeiten mit Jungs aus anderen Straßen. Da war er der unbestrittene Anführer", berichtet Bönitz in seiner Abhandlung aus eigenem Erleben. Bei seinem ersten Heimaturlaub als Soldat habe er ausschließlich Uniform getragen, mit einer Reihe von Orden, die er als 19-Jähriger nur äußerst schwer hätte erkämpfen können. "Da war es recht verständlich, wenn das in Lunzenau überraschtes Gemurmel erzeugte", heißt es in Bönitz' Recherchen.

Der Film "Der Hauptmann" zeichnet nun den Lebensweg des Lunzenauers nach. Gedreht wurde er von dem in den USA lebenden Regisseur Robert Schwentke 2017 in Polen und Deutschland. "Mich interessierten die Täter aus den hinteren Reihen. Sie waren nicht die Architekten des Systems, sondern die Menschen von nebenan, die ,kleinen Leute', die das Nazi-System am Leben hielten", sagte Schwentke in einem Interview, das auf der offiziellen Homepage zum Film durch den Filmverleiher "Weltkino" veröffentlicht wurde. Die Idee, einen Film über dieses Phänomen zu machen, sei zuerst dagewesen. Erst dann sei er auf Herold gestoßen.

In Lunzenau hat man davon nichts mitbekommen. "Es war niemand hier und hat sich erkundigt oder im Geburtsort der Filmfigur recherchiert", sagt Bürgermeister Hofmann. Die Person des Willi Herold sei auch keine stadtbekannte Größe gewesen. "Man muss bedenken, dass er mit 18 Jahren eingezogen wurde und nicht nach Lunzenau zurückkehrte, weil er 1946 hingerichtet wurde", so Hofmann. Erst nachdem der Film ins Kino kam, habe es einige wenige Hinweise gegeben. "Daraufhin haben wir uns mit der Person befasst", so Hofmann. Er habe bislang noch nicht die Möglichkeit gehabt, den Film zu sehen, "aber selbstverständlich Interesse daran". Den nächsten Termin, ihn anzuschauen, wolle er wahrnehmen.

Der Film "Der Hauptmann" läuft am 17., 18., 19. und 20. Mai, jeweils 20 Uhr im Clubkino Siegmar in Chemnitz, Zwickauer Straße 425.

 
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