Wenn alte Häuser zur Gefahr werden

In 16 Fällen musste die Kreisbehörde in diesem Jahr bisher eingreifen. Auch in Königshain droht ein Haus einzustürzen.

Königshain.

Das Dach ist von Löchern übersät und das Gebälk an gleich mehreren Stellen eingesackt. Ohne Zweifel: Das Gebäude am Baumschulenweg 12 in Königshain droht einzustürzen. Aufgrund dessen musste das Landratsamt dort eine Notsicherung vornehmen. Und nicht nur das: Im Laufe des Jahres soll das marode Haus sogar abgerissen werden. "Wir sind froh, dass der Landkreis handelt. Denn es kommt ein Schandfleck weg", sagt Bürgermeister Johannes Voigt, der zudem auf die Gefahr, die von der Immobilie unmittelbar an der Gemeindestraße ausgeht, hinweist. "Nicht auszudenken, wenn das Dach in sich zusammenfällt und das Mauerwerk nach außen drückt", fährt der CDU-Politiker fort.

Vor einiger Zeit hatte die Kommune Putz abschlagen lassen, um für Sicherheit zu sorgen. Doch das Gelände zusätzlich abzusperren, war laut Voigt aufgrund der Nähe zur Straße nicht möglich. Und so kümmerte sich der Landkreis, der nun noch 40.000 Euro für den Abriss in die Hand nehmen muss, um das Ganze. Auch in der Claußnitzer Straße war Eile geboten. Hier ist die einstürzgefährdete Immobilie bereits aus dem Dorfbild verschwunden.

Insgesamt gibt die Behörde dieses Jahr sogar 300.000 Euro für die Notsicherung von Gebäuden in Burgstädt, Kriebstein, Königshain, Hartha, Mittweida und Brand-Erbisdorf aus. Außerdem hat der Kreisausschuss für Umwelt und Technik in seiner jüngsten Sitzung für 2017 zusätzliche 355.000 Euro für die Gefahrenabwehr bei baufälligen Gebäuden bereitgestellt.

Wenn von Gebäuden eine Gefahr für Leib und Leben ausgeht und die Eigentümer nichts dagegen unternehmen, muss das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde einschreiten. Das nennt man Ersatzvornahme - und dahinter verbirgt sich ein aufwendiger Verwaltungsakt. Laut Petra Wein, zuständige Abteilungsleiterin, werden die Eigentümer zuvor mehrfach angemahnt. "Wir müssen auch ein Zwangsgeld androhen", sagt Wein. Wenn das nichts bringe, handelt die Behörde.

Sie holt Angebote von mehreren Firmen ein und löst den Auftrag aus. 2017 erfolgten bisher 16 Ersatzvornahmen, sechs sind beendet (siehe nebenstehenden Artikel). "Die notwendigen Arbeiten reichen von der Sicherung des Daches über das Abtragen eines Schornsteins bis zum kompletten Abriss", erklärt Wein. Die Kosten stelle die Behörde den Eigentümern in Rechnung. "Nur etwa zehn Prozent bezahlen diese auch", sagt Kreiskämmerer Andreas Müller. Damit der Landkreis wieder an sein Geld komme, erfolgten auch Vollstreckungen.

In Mittelsachsen überwacht und prüft die Bauaufsicht des Landkreises rund 230 marode Bauwerke regelmäßig. Die Städte Freiberg und Döbeln haben eine eigene Bauaufsicht. Doch nicht bei jedem maroden Haus erfolgt zwangsläufig ein Abriss. "Bei einem Gehöft, das von Feldern und Wiesen umgeben ist, ist das Schutzbedürfnis des neugierigen Spaziergängers geringer als bei einer Ruine, deren Teile auf Straßen, Gehwege oder Nachbargrundstücke fallen könnten", so Wein. (mit acr)


Wo die Abrissbirne kommt

Die Kreis-Bauaufsicht nahm 2017 bisher diese Abrisse vor: in Brand-Erbisdorf (Brander Straße 10), Burgstädt (Neugasse 18), Hartha (Goethestraße 6), Königshain-Wiederau (Claußnitzer Straße10), Kriebstein (Lochmühlenstraße 6) und Mittweida (Hainichener Straße 43). Maßnahmen laufen in Königshain-Wiederau (Baumschulenweg 12), Schloss Neusorge (Zschöppichen), Waldheim (einstige Stuhlfabrik an Breitscheidstraße 11 und Talstraße 1) und Leisnig (Schlossberg 7). Noch 2017 sollen

die Ruinen Brauereiweg 2 in Sayda und Auerswalder Hauptstraße 183

in Lichtenau abgerissen werden. (hh)

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