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Foto: Daniel Reinhardt/dpa-Archiv

Gastronomen im Vogtland suchen händeringend Köche und Kellner

Gute Mitarbeiter sind kaum noch zu finden, die Situation hat sich erneut verschärft. Doch es gibt auch Gegenstrategien.

Von Bernd Appel
erschienen am 11.01.2018

Auerbach/Falkenstein. Gerade bei Köchen sei es eine absolute Katastrophe: "Man findet überhaupt niemanden", sagt Steffen Manthey. Der vogtländische Gastronom betreibt Gaststätten in Grünbach und Schönbrunn. "Wir haben jetzt unseren alten Koch reaktiviert, der schon drei Jahre in Rente ist." Manthey sucht händeringend Köche, Beiköche und Helfer - obwohl man stets ausgebildet habe. Und mit ihm suchen viele Gastronomen in der Region vergeblich nach Personal. Seit drei Jahren sei die Lage extrem, sagt Manthey: "Die Industrie zieht uns die Leute weg, weil sie mehr zahlen kann." Dies liege an der Preissituation: Man habe jahrelang unter Preis verkauft, "das fällt uns nun auf die Füße." Mantheys Prognose ist düster: "In zehn Jahren ist die Hälfte aller Gaststätten im ländlichen Raum zu." Und er zählt eine lange Reihe von Häusern in der Region auf, die kürzlich schließen mussten oder wohl bald schließen werden.

Die Zahlen der Agentur für Arbeit in Plauen sprechen eine klare Sprache: Vogtlandweit waren im Gastgewerbe im Dezember 109 Stellen offen. Ein Vergleich zum Vorjahr zeigt eine dramatische Verschärfung: Im Dezember 2016 waren nur 34 Stellen unbesetzt, das Problem hat sich also verdreifacht.

Franziska Luthardt, Geschäftsführerin des Dehoga-Regionalverbands Chemnitz, bestätigt: Die Personalsituation sei generell schlecht, im ländlich geprägten Raum, also auch im Vogtland, aber "immer noch schlimmer, streckenweise prekär". Es sei schwierig, Azubis zu finden, und noch schwieriger, sie zu behalten. Dabei habe die Branche gerade jungen Leuten viel zu bieten, meint die Geschäftsführerin: Man könne mal ein paar Jahre zur See fahren, "in der Weltgeschichte herumkommen", und finde auch im Ausland überall eine Anstellung. Das Problem sei, die Leute wieder in die Heimat zurückzuholen. Dazu müssten sich die Unternehmen als attraktive Arbeitgeber präsentieren, möglichst in Zusammenarbeit mit Fachverbänden und der Industrie- und Handelskammer. Da gebe es einige gute Ansätze, etwa mit dem Welcome-Center im Erzgebirgskreis, das als Lotse für Neuankömmlinge aus dem In- und Ausland dient.

Die qualifizierte Zuwanderung, besonders aus dem nahen europäischen Ausland, spiele inzwischen eine wichtige Rolle. Neben Tschechen würden auch junge Italiener, Griechen, Spanier und selbst Vietnamesen inzwischen zur Ausbildung ins Verbandsgebiet geholt. Bei jungen Flüchtlingen sei die Ausbildung wegen der vielen bürokratischen Hürden, etwa zum Aufenthalts-Status, dagegen schwierig.

Verschärft werde die Ausbildungs-Misere speziell im Vogtland durch Einschränkungen am Standort Falkenstein: Hotel- und Restaurantfachleute sollen künftig nicht mehr dort, sondern in Schneeberg ausgebildet werden. Für oft wenig mobile 16- und 17-Jährige aus dem Vogtland werde so eine Gastronomie-Ausbildung zusätzlich komplizierter. Wichtig sei, trotz der Misere Strategien zu entwickeln: "Jammern nützt nichts." Als positives Beispiel nennt Franziska Luthard das Hotel Goldner Anker in Bad Elster.

Dieses Haus wird von Nicole Schneider (33) gemanagt. "Das Geld muss stimmen", sagt sie. Fast noch wichtiger sei aber der Freizeitausgleich. "Zu 99 Prozent" hätten die 13 Angestellten immer an bestimmten Tagen frei, jeden Monat gebe es mindestens ein freies Wochenende. "Eine ungeregelte Arbeitszeit ist Gift." Es würden auch keine Überstunden aufgebaut, Ehepaare hätten immer zusammen frei. "Die Familie ist das Wichtigste, das muss passen", so Nicole Schneider. Immerhin gehörten zu den 13 Mitarbeitern auch 15 Kinder.

Ein gutes Arbeitsklima sei das A und O, und mit dieser Devise fahre man sehr gut: "Zehn von den 13 Leuten sind Stammpersonal. Dadurch kann unser Unternehmen sein Niveau halten." Die Belegschaft sei selbst wie eine Familie, und wenn man gerne auf Arbeit gehe, spürten das auch die Gäste. (mit nij)

 
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