Am Anfang des Weges vom Dorf zur Stadt stand der Geigenbau

Die Festveranstaltung im Rathaus bildet den Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zur Gründung der Innung vor 300 Jahren.

Klingenthal.

Die Gründung der Geigenmacherinnung 1716 habe den Impuls gegeben für die spätere industrielle Entwicklung Klingenthals. Das sagte der Markneukirchner Musikwissenschaftler Dr. Enrico Weller. Vor 300 Jahren war Klingenthal noch ein Dorf mit feudalen Strukturen, während Markneukirchen, Schöneck und Graslitz damals schon das Stadtrecht besaßen, das Klingenthal 1919 erhielt. Weller hielt am Samstag zur Festveranstaltung im Rathaus den Festvortrag.

Die erste Geigenmacherinnung gründete sich 1669 im böhmischen Graslitz. 1677 folgte Markneukirchen, Schöneck machte 14 Jahre nach Klingenthal den Abschluss. Der Motor für die Ansiedlung des Geigenbaus im Vogtland, so Weller, seien Religionsflüchtlinge aus Böhmen gewesen. "Daraus sollte man aber keine Parallelen zu heute ziehen", machte er deutlich.

Für das Gründungsjubiläum der Geigenmacherinnung, dessen Höhepunkte im April eine internationale Fachtagung und eine Sonderausstellung den Höhepunkt bilden sollen, hat Sachsens Ministerpräsident Stanislav Tillich (CDU) die Schirmherrschaft übernommen.

Im Ratssaal, in dem sich am Samstag Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und dem Bildungsbereich zur Festveranstaltung trafen, wurde wiederholt Musikgeschichte geschrieben. 1929 fanden dort die Verhandlungen zur Gründung der Aktiengesellschaft Rauner-Seydel-Böhm statt, mit dem Klingenthal in der Harmonikabranche ein Gegenstück zum Marktführer Hohner in Trossingen schaffen wollte. Gut 100 Jahre vorher hatte mit dem Siegeszug der Mund- und später der Handharmonika der Niedergang des Klingenthaler Geigenbaus begonnen.

Geigenbaumeister sind derzeit in Klingenthal nicht ansässig. "Vielleicht gelingt es uns ja, dass sich einer der Absolventen unserer Berufs- und Berufsfachschule bei uns niederlässt", schaute Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) in die Zukunft.

Klingenthal besitzt seit 1997 neben Ludwigsburg und Mittenwald die einzige deutsche Ausbildungsstätte für angehende Geigenmacher, und pflegt auch internationale Kontakte. Erst im Dezember war eine kleine Delegation bei der Wiedereröffnung der rekonstruierten Geigenbauschule in Eger/Cheb. In diesem Jahr ist ein Besuch bei der Geigenbauschule Newark am Lincoln College in England geplant, mit der ein Schüleraustausch aufgebaut werden soll. Träger der Klingenthaler Ausbildungsstätte ist der Vogtlandkreis. "Diese Einrichtung müssen wir hegen und pflegen", sagte in seinem Grußwort Landrat Rolf Keil (CDU), der als passendes Geschenk eine von Klingenthaler Schülern gefertigte Geige erhielt.

Dem Gründungsjubiläum der Klingenthaler Geigenmacherinnung ist auch die neue Ausgabe des Klingenthaler Stadtmagazins "Aschberger Land" gewidmet - mit Bei- trägen von Dr. Enrico Weller, Xenia Brunner und Manfred Gäbler.

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