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Auf Seismografen-Ausdrucken werden die Erdbebenausschläge sichtbar gemacht. Im Vogtland gab es am Wochenende die stärksten Beben der aktuellen Schwarmbebenserie mit einer Stärke von fast 3,5.

Foto: Fredrik Von Erichsen

Erste Schadensmeldungen nach Beben in Teilen des Vogtlandes

Fotos aus Zwota und Rempesgrün zeigen Risse in Wänden. Sind es Erdbebenschäden? Das Rütteln sorgt an vielen Stellen für Verunsicherung.

Von Nicole Jähn
erschienen am 17.05.2018

Zwota/Plauen. Nach den bislang stärksten Beben der aktuellen Schwarmbebenserie im Vogtland am Wochenende mit einer Stärke von fast 3,5 laufen über die sozialen Netzwerke Meldungen über erste Schäden. Fotos sollen kleine Risse an einer Zimmerdecke in einer Wohnung in Zwota dokumentieren. "Bin nur froh, dass es scheinbar vorbei ist mit dem Geschüttel", schreibt eine Frau zu den von ihr im Netz verbreiteten Fotos.

Offiziell bestätigt sind die Schäden jedoch nicht. "Bislang hat uns die Mieterin keine etwaigen Schäden mitgeteilt, deshalb können wir auch nicht reagieren", heißt es auf Nachfrage von der Stadtverwaltung in Klingenthal, die die Wohnungen im Haus vermietet. Auch "Freie Presse" konnte die junge Frau gestern nicht vor Ort erreichen. Ronny Herkner vom Bauhof, der mit der Mieterin anstehende Reparaturen gern über Facebook abklärt, erfuhr von den angeblichen Rissen im Barcelona-Urlaub. "Da weiß ich gleich, was mich an Arbeit erwartet, wenn ich wieder da bin", sagte er auf Nachfrage. "Ich kann es gar nicht recht glauben, es ist doch ein solides Backsteinhaus." Hausarzt Dirk Hendel unterhält seine Praxis ebenfalls im Gebäude. "Letzte Nacht war es wieder relativ heftig", sagt er. Schäden habe er in seinen Räumen aber nicht bemerkt.

In der Nacht zum Mittwoch registrierten die Messstellen im vogtländisch-böhmischen Grenzgebiet eine Stärke der Beben bis 2,7 - deutlich spürbar auf sächsischer Seite. Als dunkles Grollen, Rumpeln eines 40-Tonners oder Anrollen einer Bowlingkugel - so beschreiben Klingenthaler das regelmäßig auftretende Naturphänomen. Ulrich Wegler, Professor für Angewandte Geophysik am Institut für Geowissenschaften der Universität Jena, hält Schäden durch die Beben im Vogtland im Bereich des Möglichen. "Ich denke, man muss keine Angst haben, dass Häuser einstürzen, aber leichte Putzrisse sind durchaus möglich", sagt der Wissenschaftler. Bis Stärke 5 könnten sich Beben in der Region auswachsen.

Jens Skapski sammelt seit Jahren Meldungen zu Erdbeben aus aller Welt. Der Bochumer Student der Geowissenschaften mit dem Schwerpunkt auf Seismologie verfolgt den Erdbebenschwarm im Vogtland in einem Live-Blog. Drei Angaben über Schäden aus der Region sind ihm inzwischen bekannt. Zwei Meldungen stammen aus Zwota, eine erreichte den jungen Seismologen aus Rempesgrün. Das Foto, das der "Freien Presse" vorliegt, zeigt zwei größere Risse an einer Häuserfassade. Die Geschädigten reagierten jedoch nicht auf eine Anfrage.

Bei Heike Teubner von der Verbraucherschutzzentrale Auerbach gingen bereits erste Anfragen zum Thema Versicherungsschutz gegen Erdbebenschäden ein, nachdem Holzhäuser knirschten oder die Gläser in den Vitrinen klirrten. "Mancher hat aber auch richtig Angst, weil er nachts aus dem Schlaf gerissen wird", berichtet Teubner, die selbst aus Klingenthal stammt. Das Vogtland ist als Erdbebenzone 1 eingestuft - die niedrigste Stufe. Die "Alteingesessenen" hätten das Thema dennoch auf dem Schirm. "Ich schätze, dass die Quote bei 65 Prozent liegt, die über eine Elementarschadenversicherung etwaige Erdbeben-Schäden abdecken lassen", sagt Teubner. "Wir machen auf jeden Fall darauf aufmerksam, dass man das Thema bedenken sollte."

 
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