Rosenmüller-Projekt schlägt ein

Fast 350 Besucher, gut 100 Mitwirkende: Das Festkonzert zum Jubiläum des Oelsnitzer Komponisten am Donnerstagabend sahen nicht wenige Gäste als Sternstunde und wünschten sich gern mehr davon.

Oelsnitz.

Sage noch einer, Oelsnitz sei ein schwieriges Pflaster, erst recht für Klassik unter der Woche: Das Festkonzert zum 400. Geburtstag des aus Oelsnitz stammenden frühbarocken Komponisten Johann Rosenmüller zog fast 350 Besucher in die Stadtkirche St. Jakobi, die Taufkirche des geschätzten Musikus. Die Gäste durften erleben, dass Rosenmüller durchaus nicht sperrig für heutige Hörgewohnheiten ist: Anderthalb Stunden ging es sehr abwechslungsreich durch sein Werk, so dass nicht nur OB Mario Horn anschließend hoffte: Mehr davon! Markus Berger, der Ideengeber des Konzerts, kann sich das gut vorstellen: Warum nicht mehr Rosenmüller in Oelsnitz? Dass in den zurückliegenden Jahren andere in der Region damit ihre liebe Mühe hatten, schreckt ihn nicht ab - ganz im Gegenteil.

Denn hätte Berger sein Weg vor fast genau zwei Jahren nicht in die Oelsnitzer Buchhandlung geführt, wer weiß, ob es das Musikprojekt überhaupt gegeben hätte. Für Berger, Gründer des Ensembles 1684 zur Pflege frühbarocker Musik, war natürlich Rosenmüller bekannt und ein Stopp in Oelsnitz kein Zufall, als er sich 2015 auf eine persönliche Pilgerreise von Leipzig elsteraufwärts Richtung seiner Heimat, dem Bodensee, begab. Aber er lief in Oelsnitz genau den Richtigen in die Hände: Der "sehr netten und charmanten Buchhändlerin Kathrin Jakob" (O-Ton Berger) und Gabriela Daßler vom Kirchenvorstand, die Berger mit den Worten "das ist die Frau, die brauchst du unbedingt" empfohlen wurde. Was es noch brauchte, waren Hartnäckigkeit, Überzeugungskraft, Optimismus - so wurde aus der ins Blaue gesponnenen Idee eines Rosenmüller-Konzerts ein Gemeinschaftswerk - mit Kantorei St. Jakobi, Bläsern und Chor des Julius-Mosen-Gymnasiums sowie Musikschülern aus Oelsnitz und Reichenbach.

"Eine wunderbare Idee, ein wunderbares pädagogisches Konzept", schwärmte Kirchenmusikdirektor Ronald Gruschwitz und traf damit den Nagel auf den Kopf. Wer hätte geglaubt, welche Talente in den jungen oder schon arrivierten Oelsnitzer Musikern stecken - und wo haben diese schon die Gelegenheit, barocke Musik öffentlich aufzuführen? Diese Verankerung des Projekts vor Ort goutierte das Publikum sichtlich, Worte wie "eine Sternstunde" fielen. Auch Blumen für den Jubilar Rosenmüller gab es - mitgebracht von Dagmar Schlegel aus Rackwitz, Regionalbeauftragte der Deutschen Jakobus-Gesellschaft, die fürs Pilgern in Mitteldeutschland warb. Die Blumen für die Ohren, das Motto des Ensembles 1684, gab es am Donnerstag mit Zusatz-Bouquet: Den Choral "Welt ade, ich bin dein müde"- den Bach Note für Note von Rosenmüller in sein Werk übernahm. Was Bach sonst nicht tat - und was wiederum für Rosenmüller spricht.

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