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Streichinstrumentenbauer und jetzt auch Musikpreisträger Steffen Friedel arbeitet in seiner Werkstatt an einer Violine.

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Wohlklang durch Handwerk: Instrumentenbauer erhalten Preis

Bei der Vergabe des Musikinstrumentenpreises hat das Vogtland seine Hände doppelt im Spiel. Mit Steffen Friedel gewinnt ihn einer, dem das Studium in Markneukirchen zu Höchstleistungen inspirierte. Auf der Musikmesse wird am Freitag ebenfalls die Firma Gebrüder Mönnig für eine Oboe geehrt.

Von Ronny Hager und Eckhard Sommer
erschienen am 11.04.2018

Markneukirchen. Nie hätte Preisträger Steffen Friedel gedacht, dass er es mit seiner Wappenbratsche bis in den Olymp seiner Branche schafft. "Ich bin wie immer recht blauäugig gewesen, habe im August die Ausschreibung im Internet gesehen und mich beworben. Es ist doch so: Wenn man etwas nicht versucht, wird man nie erfahren, was daraus geworden wäre." Seine Lebensmaxime hat sich wieder bewahrheitete.

Was sind die Gründe dafür, dass Steffen Friedel jetzt berechtigt stolz ist auf diese Ehre? Vor allem, zu 80 Prozent, gab natürlich der Klang seiner Viola den Ausschlag. Er ist optimal dank eines selten gebräuchlichen, ausgetüftelten Konzepts der Besaitung: "Dabei werden die Saitenlängen hinter dem Steg größer als üblich verwendet. Daraus folgt die Notwendigkeit eines speziellen Saitenhalters geringer Länge, der selbst konstruiert und gefertigt wird, sowie der Einsatz besonders langer Saiten", erklärt Steffen Friedel. Maßgebend für die Qualität ist auch die Verwendung hochwertiger Materialien: Tiroler Fichte für die Decke und Bosnischer Ahorn für Boden, Zargen und Hals, schließlich Lackierung mit Leinöllack auf Grundlage von Dammar- und Kopalharz. Und nicht zuletzt hat Friedels Instrument auch mit einer innovativen Ästhetik überzeugt: Die Schnecke hat er in Form eines stilisierten Wappens gefertigt - ein wirkungsvolles Stilelement, das bei den F-Löchern aufgegriffen wird.

Es ist gewiss nicht übertrieben und vermessen zu sagen: Die Merzvilla in Markneukirchen kann sich zumindest eine kleine Scheibe von Steffen Friedels Erfolg abschneiden. Er ist erst der Vierte seit Eröffnung der Einrichtung 1998, der mit dem Preis geehrt wurde. Friedel absolvierte von 2012 bis 2016 ein Geigenbauer-Studium mit Bachelor-Abschluss an der Fachhochschule und belegte anschließend den Masterstudiengang. "Ich habe die Ausbildung mit großer Euphorie begonnen und sie nie verloren. In Markneukirchen bin ich in einen Rausch der Veränderung geraten. Man kann es als Student fast nicht besser treffen als hier. Die Gemeinschaft mit den Mitstudenten, die Fachlehrer, die Möglichkeiten zum Arbeiten und Lernen, die Nähe zu anderen Instrumentenbauern und die vielen Veranstaltungen - sie haben mich geprägt", schwärmt Steffen Friedel und hat für jüngere, angehende Studenten noch eine Empfehlung aus eigener Erfahrung parat: Mut und ein gewisses Maß an Blauäugigkeit haben, um mitunter auch unkonventionelle Wege zu gehen.

Der Deutsche Musikinstrumentenpreis, der Oskar der Branche, der am Freitag in Frankfurt (Main) verliehen wird, verleitet Steffen Friedel nicht, abzuheben oder sich auf dem Lorbeer auszuruhen: "Er ist für mich eine sehr gute Einschätzung, wo ich stehe als Instrumentenbauer, und ich erhoffe mir von ihm viel für meine berufliche Zukunft." In seiner Dresdener Werkstatt verfolgt er schon ein neues Projekt, auch angeregt durch die Jahre in Markneukirchen: Er möchte eine Geige bauen, deren Umrisse - weil sie ihm gefallen - der äußeren Form der "Record"-Weißgerber-Gitarre von Richard Jacob nachempfunden sind.

Nach langer Reife kommt am Freitag auch für die Mitarbeiter der Markneukirchner Holzblasinstrumentenmanufaktur Gebrüder Mönnig die Ernte: Viele Jahre haben die Vogtländer an ihrer Solisten-Oboe getüftelt. Jetzt erhalten auch sie mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis den Ritterschlag. Dass es für die Oboe 155 AM für ganz vorn reicht - er habe das schon gehofft, sagt Mönnig-Geschäftsführer Veit Schindler. "Ein unglaublicher Fortschritt" sei nämlich bei der Oboe gerade voriges Jahr gelungen. Was meint der Firmenchef damit?

Ebenfalls prämiert: Veit Schindler, Geschäftsführer der Holzblasinstrumentenbaufirma Mönnig, zeigt die Oboe nicht ohne Stolz.

Foto: Christian Schubert

"Wir haben die Innenbohrung und Details verändert, zum Beispiel eine neue Art der Bepolsterung", erklärt Schindler. Maßgeblich durch eine Mitarbeiterin der Firma sind die Korkplatten des Instruments jetzt mit silikonbeschichteten Polstern versehen. "Es schwingt ganz anders", sagt der Firmenchef - und er erzählt das nicht einfach so dahin. Als Oboist im Sinfonieorchester Markneukirchen weiß er, auf was es beim gemeinhin als besonders heikel gefürchteten Spiel der Oboe ankommt. "Es braucht sehr konstant hohen Druck durch ein sehr dünnes Röhrchen, um ihr schöne Töne zu entlocken." Das ist nicht ohne, sorgt beim Spieler nicht immer für Spitzen-Haltungsnoten und auch mal für einen roten Kopf.

Als Grundmodell kam die preisgekrönte Oboe 2009 auf den Markt. Gut zwei Jahre hat ihre Entwicklung gedauert, zusammen mit dem preisgekrönten Oboisten Albrecht Mayer. Eine Oboe allein für Herrn Mayer, genau das soll das Instrument nicht sein. Deshalb ist sie seither weiterentwickelt worden, verändert, verbessert. Nicht allein die Auszeichnung bestätigt die Erbauer von Mönnig dabei. "Von unseren Oboen hat sie mit Abstand den größten Anteil, mehr als 100 im Jahr 2017 bei insgesamt 250 Oboen Jahresproduktion", erklärt Schindler. Der Preis ist kein Geheimnis: 8000 bis 11.000 Euro, in dem Segment bewegen sich alle Solisteninstrumente verschiedener Hersteller. Für Mönnig ist das Instrument zugleich ganz entscheidend für die Firmenphilosophie: Bis in die 1950er-Jahre war die Firma Weltmarktführer bei Oboen, in der DDR-Zeit ging das völlig verloren, erzählt Schindler. Nach der Firmen-Übernahme 2000 konzentrierte sich der Hersteller auf Adler-Oboen im Anfänger- und semiprofessionellen Bereich, später auf die Spitzenfabrikate. "Wir haben das mit Ruhe und sehr viel Überlegung getan. Wichtig ist, dass wir wieder wahrgenommen werden", sagt der Geschäftsführer.

Um Aufmerksamkeit zu erreichen, stecken in jeder Oboe bis zu 200 Arbeitsstunden und jahrelange Vorbereitung. Das verarbeitete Grenadill-Holz, sehr dicht und tendenziell rissgefährdet, ist zehn Jahre abgelagert. Die Silikonbepolsterung, ein eigens konstruierter Daumenhalter, die Ausführung in Massiv-Sterling-Silber sowie mit 24 Karat vergoldete Elemente, die edle Präsentation - dem Zufall ist nichts überlassen.

 
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