Bio-Mühle investiert in neues Mehllager 1,5 Millionen Euro

Als Vogt Heinrich sie verschenkte, mahlte sie Mehl fürs Dorf. Heute liefert die Straßberger Mühle europaweit. Dafür braucht sie Platz. Gerade wird die neue Lagerhalle fertig.

Plauen.

Petra Gerber kann viel über die Zahlen erzählen, die auf Mehltüten stehen. 405 ist das Allzweck-Weizenmehl aus dem Discounter. Das hellste und ungesündeste, sagt sie. Man brauche es eigentlich nicht: "Die Bäcker nehmen 550er. Das mahlen wir am häufigsten." Typ 812 und Typ 1050 gehöre in die Brötchen.

Seit 144 Jahren ist ihre Familie im Mehl-Geschäft in Straßberg. Geschäftsführerin Petra Gerber hat die Mühle vor elf Jahren auf Bio umgestellt und den Betrieb Vogtland Bio-Mühlen genannt. Damals stiegen zwei Großmühlen ein, die Saalemühle Alsleben und Roland Mills United. Sie sind drei gleichberechtigte Partner, sagt Petra Gerber.

Die Bio-Szene wachse, Mehl aus Straßberg habe sich etabliert. Nächsten Mittwoch will Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt die Mühle besuchen. Petra Gerber feiert nachträglich das Zehnjährige als Bio-Mühle und die neue Lagerhalle. Früher verkaufte sie nur Weizenmehl. Aufgrund der verschieden Mehltypen heute wurde der Lagerplatz knapp, sagt Gerber, die das Richtfest und das Jubiläum vergessen hatte: "Wir haben gearbeitet und gearbeitet."

Rund 1,5 Millionen Euro habe das 15-Mitarbeiter-Unternehmen investiert. Die Halle ist 800 Quadratmeter groß und mit Robotern eingerichtet, die das Mehl in 25-Kilo-Säcke und in Ein-Kilo-Tüten füllen und auf Paletten setzen. Die vollautomatische Verpackungsanlage soll verhindern, dass die Mitarbeiter schwer heben müssen. Das meiste Mehl wird aber in Tankwagen gegossen und zu den Kunden gefahren. Oft sind das Industriebetriebe.

Investiert hat die Mühle schon in den vergangenen Jahren. 2014 entstanden vier Getreidesilos und eine neue Getreideannahme, ein Jahr später neue Mehlsilos. Die Entwicklung sorgte im Dorf für Unruhe, denn die Mühle steht mitten im Ort. Mehr als 50 Leute kamen, als Gerber neulich im Ortschaftsrat ihre Pläne erklärte - sonst kommt kaum einer. Die Garagen und das ehemalige Wohnhaus an der Straße lässt sie abreißen. Die Büros darin sollen in die alte Lagerhalle ziehen, die durch den Neubau frei wird. Der Umbau läuft, ebenso der Bau besserer Sanitärräume. Kurzfristig hat sie sich entschieden, nach dem Festakt am Mittwoch die Mühle für die Dorfbewohner zu öffnen. Zwischen 16 und 17 Uhr können sie sich umschauen.

Seit 742 Jahren steht die Mühle dort. Im Laufe der Jahrhunderte hatte jeder aus dem Ort jemanden in der Familie, der in der Mühle gearbeitet hat. Heinrich, Vogt von Plauen, soll sie seiner Gemahlin Kunigunde geschenkt haben. Kunigunde habe sie wiederum 1298 einem Nonnenkloster vermacht. Das sind Daten, die Petra Gerber in alten Unterlagen fand, als sie für ihre Festrede recherchierte. Blumen und Geschenke möchte sie keine nächsten Mittwoch, auch nicht vom Landwirtschaftsminister. Auf ihrer Einladung bittet sie ihre Gäste, lieber für ein Kinder-Sommercamp des Plauener Hilfsvereins Karo zu spenden.

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