Plauen geht neue Wege beim Gedenken

Zum 80. Jahrestag der Pogromnacht gibt es auch ungewöhnliche Aktionen

Plauen.

Kein Blick zurück im Zorn. Statt dessen lebensbejahender Tanz im Angesicht des 80. Jahrestags der Pogromnacht in Plauen? Darf man das? Das Theater Plauen-Zwickau tut es. Und schlägt beim Gedenken an eines der unrühmlichsten Kapitel deutscher und Plauener Geschichte einen neuen Weg ein. Das Theaterprojekt wird nur eine von zahlreichen Veranstaltungen sein, mit dem in der Stadt Plauen der Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger in der Nacht zum 10. November 1938 gedacht wird.

In Plauen wurde damals die Synagoge an der Engelstraße/Ecke Senefelderstraße zerstört. "Wir setzen uns mit unserer Vergangenheit auseinander", sagt Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU). Und ergänzt in Anspielung auf ein Zitat des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland: "Denn dabei handelte es sich um keinen Fliegenschiss."

Rund 20 Veranstaltungen sind anlässlich des 80. Jahrestages der Pogromnacht geplant. Der aus dem Russischen stammende Begriff steht für gewaltsame Ausschreitungen gegen Menschen. Das Stadtarchiv beispielsweise wird das Leben von Elsa Hermann beleuchten, einer streitbaren jüdischen Frauenrechtlerin, die 1929 ihr Buch "So ist die neue Frau" veröffentlichte. Die Alte Kaffeerösterei plant ein gemeinsames Konzert einer israelischen und einer Plauener Band in der "Röste" an der Hans-Sachs-Straße. Ein Termin für dieses Konzert steht allerdings noch nicht fest.

Am Theater wird der israelische Tänzer Oded Ronen im kommenden Juni einen Ballettabend choreografieren, kündigt Pressesprecherin Carolin Eschenbrenner an. Ronens Vorfahren stammten aus Plauen, bevor sie vor dem Terror der Nazis fliehen mussten. Der Mann aus Tel Aviv will sich tänzerisch mit der Geschichte seiner Familie auseinandersetzen. Außerdem wird das Theater im kommenden Jahr ein Stück präsentieren, in dem ein Schauspieler Aufzeichnungen seines Großvaters findet, in dem dieser seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg beschreibt. Der Enkel hat seinen Opa immer als herzensguten Menschen kennen gelernt. Nun muss er zur Kenntnis nehmen, dass auch dieser schuldig geworden ist.

Darüber hinaus wird es unter anderem auch Vorträge über die Geschichte der einst architektonisch bedeutsamen Plauener Synagoge sowie eine Stadtführung auf Spuren jüdischer Bürger geben, kündigte Bürgermeister Steffen Zenner an. Die Synagoge war 1929/30 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet und eingeweiht worden.

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