Politiker-Liebe wird zur Affäre: Abgeordnete Pfeil unter Druck

Nach der Kündigung ihres Büroleiters hagelt es für die Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil-Zabel Kritik aus der eigenen Partei. Auch ihr Ehemann gerät in Erklärungsnot.

Plauen.

Eric Holtschke, der für die SPD in den Bundestag will, liebt CDU-Stadträtin Xenia Börner. Diese Liebesbeziehung zieht überregional Kreise. Wenige Tage nach dem ersten gemeinsamen Auftritt hatte Holtschke seine Stelle als Büroleiter bei der SPD-Landtagsabgeordneten Juliane Pfeil-Zabel verloren.

Berthold Richter, SPD-Mitglied aus Leipzig, bezeichnet Pfeil-Zabel auf seiner Facebook-Seite zynisch als "SPD-Arbeitgeberin des Jahres". Richter ist Speditionsunternehmer und war 1990 erster Juso-Landesvorsitzender. "Das hätte ich eher in Teheran erwartet, wo man als Moslem nicht unbedingt mit einem Christen liiert sein sollte." Die SPD-Fraktion müsste ihr "umgehend den Stuhl vor die Tür setzen", sagt Richter. Kritik kommt auch aus der Plauener SPD. Urgestein Bernd Stubenrauch: "Wenn das stimmt, ist das eine desaströse Angelegenheit", sagt er und erinnert an die Ehe für alle, für die die SPD-Bundestagsfraktion gestimmt habe.

Juliane Pfeil-Zabel lehnte ein persönliches Gespräch gestern ab. Über eine Pressemitteilung bestätigte sie erstmals die Kündigung ihres Büroleiters: "Die Kündigung erfolgte ausschließlich aus sachlichen Gründen." Ende Oktober werde das Arbeitsverhältnis enden. Grund seien "arbeitsvertragliche Verfehlungen", die vor Bekanntwerden der Liebesbeziehung entstanden seien. Die private Beziehung habe keine Rolle gespielt. Eric Holtschke und Juliane Zabel-Pfeil kennen sich bereits seit ihrer Jugend. Nach seinem Studium 2014 machte sie ihn zu ihrer rechten Hand. Damals zog die junge Plauenerin über die Landesliste in das Plenum ein. Das Direktmandat gewann die CDU.

SPD-Landeschef Martin Dulig erklärte den Konflikt auf Anfrage zur persönlichen Angelegenheit zwischen Pfeil und Holtschke. Er werde sich deshalb nicht dazu äußern.

Unter Druck gerät auch Benjamin Zabel, Ehemann der Landtagsabgeordneten. Er ist Gewerkschaftssekretär der IG Metall und Chef der Stadtratsfraktion SPD/Grüne. Zeitgleich mit Holtschkes Kündigung als Büroleiter beurlaubte Zabel ihn von der Stelle als Fraktionsgeschäftsführer. "Es hieß, ich wäre in meiner Fraktion nicht mehr tragbar. Ich könnte Geheimnisse an die Konkurrenz weitertragen", so Holtschke gegenüber "Freie Presse". Ex-Juso Berthold Richter dazu: "Herr Zabel ist als Gewerkschaftsfunktionär Vertreter der Arbeitnehmer. Wenn ein Gewerkschafter wegen seiner Liebe gefeuert würde, wäre das für ihn ein gefundenes Fressen."

Holtschkes Aussage sei aus der Luft gegriffen, sagte Zabel gestern. "Dass es über Gespräche unterschiedliche Interpretationen gibt, ist im Zweifel so." Als Fraktionschef verschickte Zabel gestern ebenfalls eine Mitteilung. Die erreichte die Redaktion sechs Minuten nach der Erklärung seiner Ehefrau. Darin betont er, die Fraktion habe Holtschke zu keinem Zeitpunkt Konsequenzen wegen der Beziehung zu Xenia Börner angedroht. "Jeder liebe den, den er mag", schreibt Zabel.

Das tut auch der Zwickauer SPD-Landtagsabgeordnete Mario Pecher, verheiratet mit Kerstin Nicolaus, die für die CDU im Landtag sitzt. Dort habe man sich kennengelernt. "Klar hat der eine oder andere die Nase gerümpft", sagt Pecher. Zum Zoff in Plauen sagt er nur: "Wenn das stimmt, bin ich fassungslos."

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3Kommentare
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  • 14
    0
    BuboBubo
    16.09.2017

    Zwei Wochen vor der Bundestagswahl demontiert die SPD ihren Direktkandidaten.
    Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank???

  • 10
    1
    osgar
    16.09.2017

    Die SPD ist als Partei die Heimat der Opportunisten.
    Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

  • 14
    1
    andreloeffler
    16.09.2017

    SPDler und dann noch Gewerkschafter...mehr braucht man nicht zu wissen. Anderen Leuten Recht und Gerechtigkeit erklären wollen, aber selbst nicht wissen was hinten und was vorn ist...



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