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Foto: Peter Steffen/dpa

Triebtäter verurteilt: Er kletterte über den Balkon in Wohnungen

Der 43-Jährige hat vergangenen Sommer Frauen im Schlaf überfallen. Schon früher fiel er als Exhibitionist auf. Jetzt soll er für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Von Manuela Müller
erschienen am 13.06.2018

Zwickau/Plauen.  Der hagere Mann, der gestern als Angeklagter im Landgericht Zwickau saß, hat letzten Sommer in Plauen Angst verbreitet. Nachts kletterte er Balkone hinauf, stieg durch Türen, die zum Lüften offenstanden, und verging sich an Frauen. Drei Fälle bekam die Polizei binnen sechs Wochen gemeldet. Der schwerste trifft eine 65-Jährige. Ob er sie vergewaltigt hat, bleibt unklar.

Der Täter ist 43 Jahre alt und stammt aus Libyen. Im November überführte ihn die Polizei anhand seiner Spermaspuren, die er in den Wohnungen der Frauen hinterlassen hatte. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Im Prozess gab er zu, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf. Dreimal kletterte er über Balkone zu seinen Opfern, einmal ließ er auf offener Straße die Hose runter. Dieser erste von insgesamt vier Fällen passierte bereits im Januar vergangenen Jahres. Eine junge Frau saß an diesem Abend in der Nähe des Lessing-Gymnasiums in ihrem Auto und wartete auf den Pannendienst, denn ihr Wagen sprang nicht an. Der 43-Jährige sah das. Er stellte sich vor sie an die Fahrertür, öffnete seinen Trenchcoat und befriedigte sich selbst. Kurz danach sicherten Kriminaltechniker seine Spermaspuren an der Autotür. 

Ein halbes Jahr später suchte er seine Opfer in ihren Wohnungen heim. Damals war es heiß, sodass viele bei offener Balkontür schliefen. Sein Revier war etwa einen Kilometer lang und 200 Meter breit, beschreibt ein Ermittler. Es bestand aus der August-Bebel-Straße und der Jößnitzer Straße. 

Die erste Wohnung, in die er kletterte, gehört einer 65-Jährigen. Sie wachte auf und wollte ihn hinausdrängen auf den Balkon. Laut Staatsanwaltschaft warf er die Rentnerin zu Boden und verging sich an ihr. Dabei habe sie das Bewusstsein verloren. Aus Scham habe sie in der ersten Polizeivernehmung nicht gesagt, was der Mann mit ihr gemacht habe, so ihre Anwältin. Einen Monat später sagte die Frau ein zweites Mal aus. Als Beweis brachte sie ein Taschentuch, mit dem sie sich damals im Intimbereich gesäubert habe. Es enthielt Spermaspuren des 43-Jährigen. 

Wochen später das nächste Opfer, diesmal eine junge Frau. Sie schlief auf dem Sofa, als er sich in die Wohnung schlich und sie anfasste. Die Frau wachte auf, schrie, weckte ihren Partner im Schlafzimmer. Als der kam, war der Triebtäter schon auf und davon. Sein letztes schlafendes Opfer beobachtete er vom Balkon aus. Auch dort fanden Kriminaltechniker sein Ejakulat an der Scheibe. Ein Nachbar hatte ihn beobachtet und die Polizei gerufen. 

Mit seinem Urteil von drei Jahren und drei Monaten Haft bleibt Richter Gerolf Müller drei Monate unter dem, was Staatsanwalt und Anwältin der Rentnerin gefordert haben. Verurteilt wurde er wegen sexueller Nötigung, Hausfriedensbruchs und sexueller Übergriffe. Der 43-jährige Libyer lebte in einer Schneeberger Asylunterkunft, bevor er nach Plauen kam. Schon in Schneeberg sei er dreimal wegen Exhibitionismus angezeigt worden, hieß es in der Verhandlung gestern. Im Plauener Kaufland soll er zudem mehreren Frauen an den Po gefasst haben. 

Der Mann war illegal über Italien nach Deutschland eingereist und will zurück nach Libyen. "Über seine Abschiebung entscheidet die Ausländerbehörde. Das hängt vor allem davon ab, ob sein Heimatland ihn zurücknimmt", so der Richter.

 
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