W-Lan soll junge Menschen in die Schrebergärten locken

Der Verein Freifunk Vogtland plant eine kostenlose Internetverbindung für jede Laube. Doch noch klemmt das Projekt.

Plauen.

Wenn Hanna-Victoria Schott im Schrebergarten ihrer Eltern das iPhone zückt, rattert jedes Mal der Gebührenzähler. Und das Datenvolumen wird wieder ein bisschen kleiner. "Das ist einer der Gründe, warum ich dort relativ selten surfe", sagt die 20-jährige Plauenerin. "Gäbe es dort W-Lan, würde ich das Mobiltelefon bestimmt öfters mal benutzen - oder mein Tablet." Und ergänzt grinsend: "Meine jüngere Schwester und meine Mutter unter Garantie auch."

W-Lan in der Gartensparte: Bei Gerd Steffen rennen die Schotts damit offene Türen ein. "So etwas macht eine Anlage allemal attraktiver", sagt der Geschäftsführer des Regionalverbands Vogtländischer Kleingärtner. Da viele Sparten Probleme hätten, verwaiste Gärten an den Mann oder die Frau zu bringen, sei W-Lan allemal eine Überlegung wert. "Wir bemühen uns ja vor allem, junge Interessenten anzusprechen", so Steffen. "Und für diese ist das Benutzen moderner Medien ja mittlerweile sehr wichtig geworden." Ohne Smartphone gehe kaum mehr einer aus dem Haus. Da würden Router mit einem kostenlosen Zugang ins weltweite Netz für viele allemal ein attraktives Angebot darstellen. "Es wäre Blödsinn, sich dem zu verschließen", ist der Geschäftsführer überzeugt. "Man müsste halt nur mit den entsprechenden Experten ins Gespräch kommen."

Diese haben das offenbar auch schon versucht. Doch so richtig übersprungen ist der Funke bislang noch nicht. Diese Erfahrung hat zumindest Alexander Heidenreich vom Verein "Freifunk Vogtland" gemacht. Seine Organisation hat in einigen Städten des Landkreises ein dichtes Netz an Routern aufgestellt. Seither kann man beispielsweise in der Plauener Innenstadt um Alt- und Klostermarkt herum sowie in der Bahnhofstraße kostenloses W-Lan nutzen. Ansässige Händler stellen die Router zur Verfügung und zahlen, was diese an Strom verbrauchen. Die Freifunker kümmern sich ehrenamtlich um den ganzen Rest.

Auch die Skiwelt in Schöneck haben sie für die Besucher auf diese Weise übrigens schon mit dem Internet verknüpft.

In den Schrebergärten klappt das bislang noch nicht so recht. "Dort hat man sich zwar interessiert gezeigt, auch weil das ihre Kleingartenanlagen aufwerten und vielleicht jüngere Mitglieder anziehen würde", so Heidenreich. "Zu einer Kooperation ist es dann aber nicht gekommen." Der Freifunker geht davon aus, dass Vielen das Konzept seines Vereins nicht auf Anhieb einleuchtet. "Man hält uns mitunter für einen kommerziellen Internetprovider", so Heidenreich. Ein solches Unternehmen würde dann seine Dienste den Kleingärtnern zur Verfügung stellen und für ihre Router Miete an die Gartensparte bezahlen. Freifunk sei aber als Bürgernetzwerk ein Verein, der keinen Gewinn erwirtschaftet. "Einige glauben auch, dass wir eine Einrichtung der Stadtverwaltung sind", ergänzt Heidenreich. "Ein Zitat, welches wir letztens bekommen haben, zeigt das Problem ganz deutlich: ,Wenn die Stadt so was bei uns aufstellen will, dann soll sie auch dafür bezahlen'."

Aufgeben wollen die vogtländischen Freifunker aber nicht so schnell. W-Lan in der Gartensparte - das bleibt weiterhin ihr Ziel. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen.


Kommentar: Vorteil nutzen

Im Schrebergarten soll man mit seinen Händen arbeiten, Erde spüren, Abstand vom Alltag suchen. Braucht man dort wirklich W-Lan, um im Internet unterwegs zu sein? "Nein", möchte man spontan rufen. Aber das wäre zu kurz gesprungen. Vor allem für Jüngere sind Smartphone und Tablet längst nicht mehr wegzudenken. Der Schrebergarten wird langfristig keine internetfreie Zone bleiben. Das fängt bei einem Youtube-Filmchen zur Belohnung nach dem Unkrautjäten an, reicht über den Start eines Bewässerungssystems per E-Mail von Zuhause aus und geht bis hin zum Hochladen größerer Datenpakete eines selbstständigen Unternehmers, der sein Büro bei Sonnenschein in den Garten verlagert. Langfristig ist W-Lan für eine Gartensparte im Ringen um Nachwuchs einfach ein Standortvorteil.

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