Zwei Plauener wollen das Kunstschul-Erbe retten

Steffen Zenner und Klaus Helbig legen sich ins Zeug, dass der Nachlass der Künstlerschmiede wieder in die Spitzenstadt kommt. Es bleibt problematisch.

Plauen.

Es geht um etwa 700 Bände und Bildmappen, textile Musterbücher, Tafelwerke - alles Dinge, mit denen angehende Künstler zu Zeiten der berühmten Plauener Kunstschule gearbeitet haben. Vor über 40 Jahren wurde dieser ideelle Schatz von der damaligen Stadtbibliothek kostenlos abgegeben und ist seither in alle Winde verstreut. Nun soll er in der geplanten Spitzenerlebniswelt im Weisbachschen Haus einen würdevollen Platz bekommen. Doch dazu muss der Nachlass, eventuell als Leihgabe, erst einmal wieder an seinen Ursprungsort gelangen.

Zwei Plauener, die sich für den Transfer ins Zeug legen, sind Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) und der Künstler Klaus Helbig. Jetzt trafen sie sich in Zwickau mit Reingard Al-Hassan, Bibliotheksdirektorin der Westsächsische Hochschule. "Wir hatten den Eindruck, dass die Arbeiten auf höchstem konservatorischem Niveau gepflegt werden", zeigte sich Zenner auf Nachfrage der "Freien Presse" begeistert. Über ein Programm des Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sei es Frau Al-Hassan zudem bereits 2015 gelungen, am Landesdigitalisierungsprogramm teilzunehmen. Verfügbare Werke der Schule von vor 1901 wurden laut Zenner gescannt und gespeichert und sind seitens der Sächsischen Landesbibliothek online verfügbar. Stellt das aber die Kunstschul-Fans zufrieden?

Es sei ohnehin nicht möglich, den kompletten Bestand zu zeigen, sagt Zenner. Eine Lagerung in Archiven wäre also unumgänglich. "Warum nicht in Zwickau", fragt der Bürgermeister? Er weiß, dass enorme Kosten für geeignete Räumlichkeiten entstehen würden.

Die Stadt Plauen ist längst nicht mehr Eigentümer der Arbeiten. Sie gehören dem Freistaat. Eine Rückführung der Werke sei also auch rechtlich problematisch. Reingard Al-Hassan will indes prüfen, ob und in welchem Umfang Dubletten der Werke vorhanden sind. "Diese könnten nach Plauen als Dauerleihgabe überführt werden", so Zenner. Ansonsten kämen temporäre Ausleihen infrage. Wie Zenner hofft, gehe dies schnell und relativ unbürokratisch. "So haben wir die Möglichkeit, bei geringsten Kosten, thematische Veranstaltungen und Workshops, die auch gut in die Konzeption unserer Ideen in der Elsteraue integriert werden können, durchzuführen", sagt der Rathausmann.

Klaus Helbig will sich derweil um noch vorhandene Werke in der Vogtlandbibliothek kümmern, das Material sichten und bewerten. Als die Materialien verschenkt worden waren, lehrte Klaus Helbig selbst an der Reichenbacher Ingenieurschule für Textiles. Er hatte die Übergabe angestoßen. "Die Vorlagen wurden gebraucht", erinnert er sich. Heute müsse man ihm dankbar sein für die unkonventionelle Tat, glaubt auch Zenner. Er sagt, es sei eigentlich ein Glücksfall gewesen. Sonst wäre die Qualität wohl nicht mehr so gut.

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