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Der im NSU-Prozess Angeklagte Ralf Wohlleben betritt den Verhandlungssaal im Oberlandesgericht München.

Foto: Tobias Hase

NSU-Prozess: Wohlleben-Verteidiger attackiert Staatsanwalt

erschienen am 17.05.2018

München (dpa) - Im NSU-Prozess hat ein Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten attackiert und ihn in einem Atemzug mit der einstigen Nazi-Größe Hermann Göring genannt. Weingarten nehme frei nach einem Zitat Görings über Juden für sich in Anspruch: «Wer Nazi ist, bestimme ich», sagte Anwalt Olaf Klemke am Donnerstag vor dem Münchner Oberlandesgericht. Weingarten wolle bestimmen, «wie ein Nazi zu denken hat und wie schön menschenverachtend er zu sein hat». Das sei aber ungeeignet, konkrete Feststellungen zu früheren «weltanschaulichen Einstellungen» von Wohlleben zu treffen. Klemke sprach zudem von einer «infantilen Argumentation». Den Anwalt eines Mitangeklagten beschimpfte er als «weichgeklopft und gehirngewaschen durch die veröffentlichte Meinung».

Klemke argumentierte zudem, die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten nicht aus politisch-ideologischen Gründen gemordet, sondern aus höchstpersönlichen: Die beiden hätten an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gelitten - was Wohlleben nicht gewusst habe: Er habe nicht erkennen können, dass es sich bei den beiden «um gemeingefährliche Psychopathen handelt».

Die Anklage wirft Wohlleben vor, gemeinsam mit dem Mitangeklagten Carsten S. die Mordwaffe «Ceska» für den «Nationalsozialistischen Untergrund» beschafft zu haben. Damit sollen Mundlos und Böhnhardt neun Menschen ausländischer Herkunft ermordet haben. Für Wohlleben forderten die Ankläger deshalb zwölf Jahre Haft. Dessen Anwälte nannten Wohlleben dagegen «unschuldig» und fordern eine Freispruch.

Nach den Pfingstferien stehen im NSU-Prozess noch die Plädoyers der drei ursprünglichen Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe aus - das sind Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an allen Morden und Anschlägen des NSU angeklagt und soll nach dem Willen der Bundesanwaltschaft lebenslang in Haft. Wann das Gericht nach mehr als fünf Jahren Prozessdauer sein Urteil gegen die insgesamt fünf Angeklagten sprechen will, steht noch nicht fest.

 
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