Pumpaks Tage sind gezählt

Ein Drittel der 500 bis 600 Wölfe in Deutschland jagt in Sachsen. Ein Tier soll jetzt erschossen werden. Der Rüde ist den Bewohnern von Teicha seit Wochen unheimlich.

Rietschen.

Der Wolf von Teicha ist das Sorgenkind unter den Tieren in Sachsen. Nachdem er ab Mitte November in dem Rietschener Ortsteil mehrfach auf Grundstücken von Bewohnern gesichtet und fotografiert worden war, gingen Anfang Dezember zunächst nur noch sporadische Meldungen zu ihm ein. Seit der zweiten Dezemberhälfte drehte er wieder vermehrt seine Runden durchs Dorf, nun aber überwiegend im Schutz der Dunkelheit. Wie das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" mitteilte, gebe es die meisten Hinweise durch Aufnahmen von Fotofallen. Mehrmals wurde "Pumpak", wie das Raubtier im Dorf genannt wird, auch von Anwohnern wieder gesehen. Bei einer direkten Begegnung mit ihnen habe er sich bislang - so die Berichte - aber wieder zurückgezogen.

Mit dem Namen Pumpak lagen die Bewohner schon mal richtig. Pumpak kommt aus dem Polnischen und heißt übersetzt der Fette. Und der Fette stammt tatsächlich aus Polen, hat das Kontaktbüro jetzt bestätigt. Es hat sich mit der Identität des Tieres beschäftigt, dazu auch Genproben sichergestellt und zusätzliche Fotofallen installiert.

Dabei kam heraus, dass es sich um einen zweijährigen Rüden aus dem Ruszow-Rudel handelt, dessen Territorium sich überwiegend auf polnischer Seite erstreckt - etwa auf Höhe von Rothenburg im Landkreis Görlitz. Nach Angaben polnischer Wissenschaftler ist dieses Tier ganz klar als Welpe von Menschen gefüttert worden.

Durch den genetischen Abgleich konnten Wolfsexperten nachträglich klären, dass es sich um den Wolf handelt, der Anfang Juni 2016 dabei beobachtet wurde, wie er von einem Hof im Rothenburger Ortsteil Lodenau das abgezogene Fell eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in ein angrenzendes Waldstück schleppte. Die Bilder sorgten für Aufsehen und schnell kursierte die Frage, was der Wolf wohl als Nächstes wegschleppen werde.

Beiderseits der Grenze sind sich Fachleute einig, dass dieser Wolf in der Vergangenheit mehrmals Nahrung in der Nähe von Menschen erhalten oder gefunden haben muss. Wegen "dieser positiven Erfahrung" sei er immer wieder gezielt in Siedlungen auf der Suche nach Fressbarem unterwegs. Das Verhalten des Tieres sei für einen wilden Wolf ungewöhnlich und nur durch diese Vorgeschichte zu erklären, sind sich Experten einig. Bisher hatte Pumpak keinen direkten Kontakt zu Menschen gesucht.

Sein Verhalten sei den Anwohnern aber nicht dauerhaft zumutbar, räumte auch das Umweltministerium in Dresden ein. Das Landratsamt Görlitz hatte deshalb entschieden, "dass der Wolf aus der Natur entnommen wird", was heißt, dass er erschossen werden soll. Das Umweltministerium habe den Antrag geprüft und eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt, sagte Ministeriumssprecher Frank Meyer am Donnerstag. Maßnahmen dieser Art sind im "Managementplan für Wölfe in Sachsen" festgeschrieben. Dieser beinhaltet auch, dass ein Problemwolf erlegt werden kann, wie Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) bereits im Dezember bestätigt hatte.

Anlass für seine Wortmeldung waren damals die Aktivitäten eines Rudels von zehn bis zwölf Wölfen, die in Cunnewitz im Landkreis Bautzen einen Tierhalter im Herbst mehrmals hintereinander geschädigt hatten: mit Übergriffen auf rund 150 Tiere. Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts hätte in diesem Fall einen Antrag auf Abschuss stellen können, den das Ministerium nur hätte prüfen müssen. Einen solchen Antrag gab es aber nicht. "Die Sicherheit der Menschen hat in jedem Fall Vorrang vor dem Artenschutz", stellte der Sprecher des Umweltministeriums in Dresden klar.

Seit dieser Woche liegt die Wolfsbilanz für 2016 vor. Danach sind nur noch 17 der 19 Wolfsterritorien von 2015 bestätigt. In zehn Gebieten gibt es Welpen. Das Territorium Gohrischheide ist ein grenzübergreifendes mit Brandenburg. Eventuell sind auch die Territorien Raschütz und im Raum Bernsdorf grenzübergreifend. Zudem gibt es drei Wolfsterritorien, die ihr Gebiet nur zum kleinen Teil in Sachsen haben.

Nachweise einzelner Wölfe außerhalb etablierter Territorien gab es 2016 im Bereich des Wermsdorfer Forstes (Landkreis Nordsachsen), bei Hohnstein in der Sächsischen Schweiz sowie in Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis bei Königswalde im Juli 2016. Dabei handle es sich jeweils um Einzelnachweise, heißt es im Wolfsbericht.

2016 gab es 71 Übergriffe auf Nutztiere. Davon konnte in 44 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden. Zwei weitere Fälle sind noch in Prüfung. 219 Nutztiere wurden getötet, 15 sind vermisst und 19 weitere wurden verletzt. Das Kontaktbüro ruft die Viehhalter zu mehr Herdenschutz auf. Im Vorjahr wurden 489 Anträge mit Fördermitteln in Höhe von 340.000 Euro bewilligt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...