Schüler wollen jetzt Taten sehen

Sprecher des Landesschülerrates: Wir haben viel diskutiert, aber geändert hat sich so gut wie gar nichts

Dresden.

Der Landesschülerrat hat für morgen zu einem Aktionstag unter dem Motto: "Bildet die Rettung - rettet die Bildung" aufgerufen. Renate Färber hat mit seinem Sprecher, Leonard Kühlewind, darüber gesprochen.

Freie Presse: Der Landesschülerrat will auf Lehrermangel, überfüllte Lehrpläne und einen nicht ausgereiften Gesetzentwurf aufmerksam machen. Darüber wird doch schon längst diskutiert.

Leonard Kühlewind: Ja, wir haben viel darüber diskutiert. Auch mit der Kultusministerin und anderen Politikern. Zugehört haben sie. Doch geändert hat sich so gut wie nichts. Heute sind wir vom größten Lehrermangel der jüngsten Vergangenheit betroffen. Reden allein hilft nicht, wir wollen Taten sehen. Deshalb machen wir morgen richtig Druck.

Auf der Kundgebung, 15. 30 Uhr in Dresden, soll ein Forderungskatalog vorgelesen werden. Was steht da zum Problem Lehrermangel drin?

Wir fordern ein Sofortprogramm, das kurzfristige Lösungen und langfristige Pläne aufzeigt. Der Mangel entsteht nicht allein durch zu wenig Personal. Krankheiten, Elternzeit und Ähnliches betreffen auch Sachsens Lehrer. In der Bedarfsplanung spielt das kaum eine Rolle, es wird zu eng kalkuliert. Bei kurzfristigen Ausfällen gibt es keine Vertretungslehrer. Wir wollen eine realistische Planung. Jetzt! Schon heute steht fest, dass bis 2020 jeder zweite Lehrer in Rente geht. Da muss jetzt reagiert werden, nicht erst 2020.

Sie machen sich auch für angehende Lehrer stark?

Ja. Wir fordern mehr Zeit für den Vorbereitungsdienst, also das Referendariat, in dem sie erstmals ihre Fähigkeiten in der Praxis testen können. Es scheint, als wäre sich die Regierung der Bedeutung des Dienstes nicht bewusst. Sonst würde er nicht gekürzt. Außerdem liegen im Extremfall Monate bis Jahre zwischen Studium und Dienst. Eine Katastrophe, denn ehe sie warten, wandern Lehramtsstudenten lieber in andere Bundesländer ab.

Rund die Hälfte der Lehrerneueinstellungen an Oberschulen sind Seiteneinsteiger. Akzeptieren Sie das?

Gegen Seiteneinsteiger haben wir nichts. Sie sind sehr engagiert. Aber sie werden kaum auf die Aufgabe vorbereitet. Nach viel zu kurzen Schulungen stellt man sie vor die Klassen. Zugesagte Mentoren erhalten zu wenig Zeit, um sie zu unterstützen. Wir fordern, sie nur als Überbrückungsmaßnahme gegen den Lehrermangel zu sehen.

Und was ist mit den Lehrplänen?

Die sind seit Jahren überfüllt und zu fachspezifisch. Es geht mehr um die reine Vermittlung von Fakten, auswendig lernen. Die Vorgaben lassen den Lehrern kaum Raum für Gestaltungsfreiheit wie Gruppenarbeit. Bedingungen, die den Druck auf Lehrer und Schüler erhöhen.

Wie sieht es in dem Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Medien in der Schule aus?

Sie werden kaum eingesetzt, es gibt sie oft gar nicht. Unterricht zum Thema hält sich in Grenzen. Und ehrlich, ein Handyverbot - das ist doch lebensfremd. Wir fordern einen Masterplan digitale Medien sowie eine Finanzierungszusage von Finanzminister und Landtag.

Sie werfen der Regierung vor, dass auch der zweite Novellierungsentwurf des Schulgesetzes, an dem der Schülerrat mitgearbeitet hat, in Teilen eher Rückschritt als Fortschritt bringt.

Das ist so. Beispielsweise wird dort für berufliche Schulen eine Mindestschülerzahl von 750 festgelegt. Die werden viele, besonders auf dem Land nicht erreichen. Das heißt, Schulen müssten schließen.

Leonard Kühlewind

Der Leipziger Gymnasiast Leonard Kühlewind ist 17 Jahre alt. Seit November 2015 ist er Mitglied des Landesschülerrates, der 73 Mitglieder zählt. Kühlewind hat bereits seit dem fünften Schuljahr Erfahrungen als Klassensprecher gesammelt. (rf)

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