Reparieren statt wegwerfen

Die Stiftung Warentest hat untersucht, unter welchen Umständen es sinnvoll ist, defekte Haushaltsgeräte instand zu setzen. Fazit: Es kommt aufs Gerät und dessen Nutzer an.

Ein klassischer Defekt: Bei dem schwarzen Siemens-Staubsauger ist der Aufrollmechanismus für das Stromkabel kaputt gegangen. Garantie? Längst abgelaufen. Lohnt sich die Reparatur noch? Erik Schanze öffnet das Gehäuse und setzt den Schraubendreher an. Der 42-Jährige und sein Kollege Bernd Meischner arbeiten ehrenamtlich für das Repair Café Dresden - ein Projekt, das Laien hilft, ihre Elektrogeräte selbst instand zu setzen. Bezahlen müssen Interessenten dafür nichts. Werkzeug und Material werden gestellt, "Was noch repariert werden kann, sollte auch repariert werden", sagt Schanze.

So selbstverständlich ist diese Einstellung heute nicht mehr. Denn eine Staubsauger-Reparatur vom Profi lohnt sich oft weder finanziell noch ökologisch, hat eine groß angelegte Stiftung-Warentest-Analyse ergeben. Das liegt zum einen daran, dass es in vielen Fällen keinen großen Unterschied macht, ob man einen defekten Motor reparieren lässt oder gleich ein neues Gerät kauft. Andererseits werden für die Herstellung eines Staubsaugers vergleichsweise wenige Ressourcen verbraucht. Eher spiele der Stromverbrauch eine Rolle, sagen die Experten. "Kaputte 2000-Watt-Stromfresser sollten deshalb ausgetauscht werden."

Für Kaffeevollautomaten geht die Rechnung schon eher auf. In diesen Geräten steckt viel Elektronik. Die belastet die Umwelt, da für ihre Herstellung wertvolle Rohstoffe abgebaut werden müssen. Zudem sind die Maschinen in der Anschaffung teuer, die Reparaturkosten im Vergleich dazu gering. Laut herstellerunabhängigen Werkstätten sind defekte Heizungen der am häufigsten auftretende Schwachpunkt. Das zu beheben, kostet im Schnitt 145 Euro, haben die Warentester ermittelt.

Zwiespältig fällt die Bilanz bei Waschmaschinen aus. Wer hier ein defektes Gerät reparieren lässt, spart zwar auf lange Sicht nicht viel, verringert aber seinen ökologischen Fußabdruck. Wichtig ist dabei aber, sich ein Limit zu setzen: In den ersten fünf Jahren darf eine Reparatur maximal halb so viel kosten wie der Neupreis der Maschine. Bei über zehn Jahre alten Geräten sollte man dagegen nicht mehr als ein knappes Drittel der ursprünglichen Anschaffungskosten investieren.

Entscheidend ist auch, wie lange der Hersteller Ersatzteile vorhält. Miele ist hier laut Stiftung Warentest mit 15 Jahren vorbildlich, Samsung und Panasonic mit nur fünf beziehungsweise sieben Jahren eher nicht. Eine Liste mit den Ersatzteilkosten aller befragten Anbieter von Waschmaschinen, Staubsaugern, und Kaffeeautomaten unter test.de/reparieren-zusatz abrufbar.

Ob teure Reparaturen noch sinnvoll sind, wenn die Geräte schon einige Jahre alt sind, hängt oft auch von der Frage ab, ob eine Zusatzversicherung Instandsetzungen außerhalb der gängigen Fristen abdeckt. Solche Garantieverlängerungen für Waschmaschinen kosten bei Händlern oft zwischen 60 und 150 Euro - bei einer Geltungsdauer von bis zu fünf Jahren.

Finanztest hat solche Angebote zuletzt im Dezember 2015 überprüft. Resümee: Manchmal haben erweiterte Garantieverlängerungen einen Haken, etwa einen Selbstbehalt im Schadensfall. Der kann für Smartphones bei zehn Prozent des Kaufpreises liegen, wenn das Gerät nach einem Sturz repariert werden muss. Für ein 700 Euro teures Topmodell sind das immerhin 70 Euro.

Auch bei einfachen Garantieverlängerungen droht unter Umständen Ärger: So stellen laut Finanztest einzelne Versicherer nach einem Totalschaden nur einen Gutschein über den Zeitwert des Geräts aus.

Geht es um Haushaltsgroßgeräte, sind Schutzbriefe mit inkludiertem Reparaturservice eine weitere Möglichkeit. Doch auch hier sei ein Blick ins Kleingedruckte des Vertrags Pflicht, mahnt Sabine Breidel von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Man sollte unbedingt prüfen, ob direkt die Reparaturleistungen oder nur deren Vermittlung mitversichert sind. Hier liegt der Teufel oft im Detail."

Die Allianz beispielsweise bewirbt seit Kurzem einen Schutzbrief, bei dem Kunden nur Ersatzteile zahlen, die teurer als 25Euro sind. Kosten für die Anfahrt des Technikers, die Fehlerdiagnose und die Arbeitszeit für die Instandsetzung werden übernommen. Ist also das kaputte Gerät nicht mehr zu retten, bleibt man zumindest nicht auf den Kosten für den vergeblichen Handwerker-Einsatz sitzen.

Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen Betroffene den Kostenfaktor bewusst nicht berücksichtigen. "Wir haben schon Reparaturen ausgeführt, bei denen das Ersatzteil mehr kostete als ein komplettes Neugerät", sagt Repair-Café-Organisator Erik Schanze. Entscheidend sei, was der Nutzer möchte: Wer ein Haushaltsgerät und seine Funktionen gut kenne und es deshalb weiter verwenden wolle, für den könne auch eine solche Investition sinnvoll sein, sagt Schanze.

Link zum Themenspezial im Netz: www.freiepresse.de/reparatur; Repair Cafés in Sachsen und anderswo finden: www.reparatur-initiativen.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...