Erneute Debatte um Doppel-Unfall

Innerhalb von 24 Stunden sind zwei Motorräder in Eibenstock auf Rollsplitt ausgerutscht. Polizei und Verkehrsbehörde geben den Fahrern die Schuld. Daran gibt es nun Kritik.

Eibenstock.

Wer ist schuld an den zwei Motorradunfällen, die sich Mitte Juli in Eibenstock kurz hintereinander ereignet haben? Über diese Frage wird bereits seit einigen Tagen diskutiert. Drei Personen waren bei den Karambolagen verletzt worden.

Der Polizei und der zuständigen Verkehrsbehörde des Landratsamtes fällt die Antwort leicht: die Fahrer waren schuld. Sie seien auf der Bundesstraße 283 in einem Baustellenbereich mit Rollsplitt zu schnell unterwegs gewesen, heißt es. Doch zu dieser Aussage, über die die "Freie Presse" vor kurzem berichtete, haben mehrere Autofahrer nun Zweifel angemeldet. Tenor: Nicht allein die Motorradfahrer sind schuld, sondern auch die Beschilderung. Diese sei zumindest verwirrend gewesen.

"Freie Presse"-Leser Frank Markert sagt beispielsweise, dass an der Straße in Richtung Wolfsgrün zunächst ein Tempo-50-Schild stand, dann Rollsplitt auf der Fahrbahn lag und erst kurz vor der Rechtskurve - in der sich die Unfälle ereigneten - ein Rollsplitt-Warnschild kam. Markert war am 13. Juli mit seinem Auto vor der ersten Karambolage auf der Bundesstraße unterwegs gewesen. "Ich war ziemlich verwundert und verärgert, da ich selbst Motorradfahrer bin und weiß, wie gefährlich das ist", sagt er.

Im sozialen Netzwerk Facebook schildert eine Nutzerin ähnliche Beobachtungen: Das Rollsplitt-Schild habe gut 200 Metern nach dem Tempolimit-Hinweis am Straßenrand gestanden. Weiter fragt sie: Warum hat man kein Tempo-30-Schild aufgestellt? Ein anderer Nutzer kritisiert wiederum, dass "sinnlos viel Rollsplitt" auf der Straße lag. "Selbst wenn die Motorradfahrer 20km/h gefahren wären, wären sie gestürzt. Mit dem Auto waren schon 40 km/h zu viel." Was ist dran an der Kritik?

"Freie Presse" wandte sich mit einer erneuten Anfrage an das Landratsamt des Erzgebirgskreises. Dort reagiert man zunehmend dünnhäutig auf das Thema. Wie Mitarbeiter Peter Ludwig von der Verkehrsabteilung erklärt, seien alle Fragen der Öffentlichkeit bei einem Vor-Ort-Termin im Juli bereits beantwortet worden. "Die Bauausführung erfolgte durch eine Fachfirma mit langjähriger Erfahrung auf diesem Gebiet." Dass auf einem Teilstück Rollsplitt lag, bevor ein Warnschild stand, könne nicht sein. Und er sagt: "Es ist nicht davon auszugehen, dass zu viel Splitt aufgetragen wurde." Auch Kritik am Tempo-50-Schild kontert er: Dies sei die maximal erlaubte Höchstgeschwindigkeit - nicht die Richtgeschwindigkeit.

Die Polizei hatte sich zuletzt ähnlich geäußert. Fahrer müssten bei Rollsplitt ein Tempo wählen, das es ihnen erlaubt, die Straße gefahrlos zu passieren, erklärte Polizeihauptkommissar Michael Fugmann. "Auf zwei Rädern kann da schon Tempo 30 zu schnell sein." Und da vor der Unfallstelle ein "Achtung, Rollsplitt"-Schild stand, seien die Fahrer in der Verantwortung.

Über die Frage, ob dieses rechtzeitig kam oder nicht, gibt es nun aber unterschiedliche Darstellungen. Autofahrer Markert bleibt bei seiner Schilderung. "Ich habe auch einen Zeugen", sagt er. "Meine Frau saß mit im Auto."

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