Erste literarische Gehversuche: Kurzgeschichten und Lesungen

Mit 16 Jahren schon auf Lesetour - Larissa Böttcher aus Lauter muss dieser Tage Mut beweisen. Aber sie hat einen erfahrenen Begleiter.

Lauter-Bernsbach.

"Ein Mega-Talent. Eine echte Neuentdeckung. Ihre Texte sind echt ungewöhnlich, vor allem für einen Teenager." Wolfram Christ, Regisseur und Buchautor aus Eibenstock, gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von der 16-jährigen Larissa Carolin Böttcher aus Lauter spricht. Es ist ein zierliches Mädchen mit Brille und braunen, glatten Haaren, das da im elterlichen Haus auf der Terrasse sitzt, von sich und seinen ersten literarischen Gehversuchen erzählt. Larissa schreibt Kurzgeschichten. Erleben konnte man sie zum ersten Mal bei einer Lesung mit Wolfram Christ auf dem Kunsthof in Eibenstock. Diese Woche nun ist sie mit dem Eibenstocker Autor an der Ostsee unterwegs - vier Tage, vier Lesungen.

Die "kleine Lesereise" bezeichnet der 56-Jährige als "Win-win-Situation" für beide. "Larissa wird hoffentlich die Angst verlieren, spontan und locker vor einem Auditorium wildfremder Menschen zu agieren. In Brüel und Ahrenshoop wird sie auf echte Literatur-Fans treffen", sagt er. Christ hofft, dass das Selbstbewusstsein der 16-Jährigen gestärkt wird. Für ihn liege der Gewinn darin, seinen Zuhörern Spaß und Abwechslung in einer gemeinsamen Lesung zu bieten. "Außerdem ist es für mich immer eine Bereicherung, mit jungen Leuten zu arbeiten und deren Sichtweisen kennenzulernen", so Christ.


Kennengelernt haben er und die 16-jährige Gymnasiastin sich im vergangenen Jahr zur Westerzgebirgischen Leistungsschau in Wernesgrün. Dort war Christ mit einem Bücherstand vertreten. "Wir sind ins Gespräch gekommen, ich habe ihm erzählt, dass ich schreibe. Seitdem arbeiten wir an meinen Texten. Er hilft mir vor allem, bessere Formulierungen zu finden", erzählt die Schülerin. Trotz des großen Altersunterschieds würden sich seine und ihre Ansichten über das Leben ähneln. "Und er ist jung geblieben in seinen Ansichten, was sicher an der Arbeit mit jungen Leuten in seiner Theatergruppe liegt", sagt die Gymnasiastin.

Während sie sich überhaupt nicht festlegen lässt, wie es mit ihrer literarischen Karriere weitergehen könnte, weiß sie schon genau, dass sie nach dem Abitur in Meißen ein Diplomstudium der Finanzwirtschaft aufnehmen will. Autorin als Beruf? "Aus heutiger Sicht würde ich nein sagen", meint sie und begründet das damit, dass sie nicht "auf Druck" schreiben mag. Im Arbeitsprozess zu stehen und "nebenbei als Hobby Bücher und Geschichten schreiben", ist derzeit für sie das anstrebenswerte Ziel.

In ihren Geschichten will Larissa nach eigenen Worten "Ängste der Menschen thematisieren". Jede habe auch etwas mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun. Liebe? Nein, das meine sie damit nicht, sondern Beziehungen zwischen Freunden oder Kindern und Eltern. Vielleicht sind es auch eigene Ängste, gegen die ihr die Texte Trost spenden. "Nostalgia" heißt eine ihrer Kurzgeschichten. Darin geht es um alte Männer, die sich jeden Freitag in einem Restaurant treffen, dessen beste Zeiten schon lange vorüber sind. Sie schwelgen in alten Erinnerungen, bis schließlich nur noch einer übrig ist, der sich erinnert. Die Idee zur Geschichte kam der 16-Jährigen, als sie mit ihren Eltern in einem Restaurant war und sie sich vorstellte, wie es aussehen würde, wenn es nicht mehr angesagt, nicht mehr mondän wäre. "Bei der Geschichte habe ich einfach drauflos geschrieben", sagt sie. Andere liegen angefangen ein halbes Jahr in ihrer Mappe. Die erste Fassung schreibt sie immer mit der Hand, beim Übertragen in den Rechner nimmt sie eine erste Überarbeitung vor.

Die 16-Jährige erzählt von sich, dass sie schreibe, seitdem sie einen Stift halten kann. Die Eltern hätten ihre Fantasie angeregt mit abendlichen Geschichten. Larissa selbst hat sich eine Brieffreundin ausgedacht, eine Fee mit dem Namen Luela. Ihre Mutter hat auf die Briefe der Tochter als Fee geantwortet. "Ja, da habe ich wirklich an Feen geglaubt", sagt die Schülerin heute. Oft denke sie über das Thema Vergänglichkeit nach und darüber, dass jeder Mensch angesichts der Milliarden Jahre langen Geschichte der Erde "irgendwie unbedeutend" sei.

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