Friedrichs Quell in neuem Glanz

Uthmann, Silbermann und Ries kennt jeder. Das historische Archiv der Erzgebirgssparkasse birgt aber Geschichten vieler Persönlichkeiten. Horst Möckel holt sie für Leser der "Freien Presse" hervor. Heute: Richard Friedrich

Schlema.

Rührige Leute erneuern seit Jahren den verloren gegangenen Glanz des ehemals weltbekannten Radiumbades Oberschlema. Der einstige Ruf als "Tal des Todes" hat ohnehin nie gestimmt. Im Gegenteil, durch sein Heilwasser hilft der Ort, ein gesünderes Leben zu spenden. Maßgeblich zu verdanken ist dies Richard Friedrich.

Versetzen wir uns einmal in die Entdeckerjahre - so etwa gegen 1909. Nachdem in St. Joachimsthal (jetzt Jachymov) bereits 1906 radioaktive Grubenwässer für Radonkuren genutzt wurden, erfolgten in Sachsen unter der Leitung der Freiberger Wissenschaftler Schiffner und Weidig Sucharbeiten. Sie beauftragten den im Oberschlemaer Blaufarbenwerk tätigen Werkbaumeister Richard Friedrich, diese Aufgabe für den Schlemaer Raum zu übernehmen. Und der wurde fündig.


Richard Friedrich wurde als Kaufmannssohn am 14. April 1848 in Neustädtel geboren. Nach neunjährigem Besuch der Schule in seiner Heimatstadt erlernte er das Bauhandwerk und studierte dann an der Bauschule in Chemnitz. Das Abschlussdiplom, ausgestellt von der Sächsisch-Königlichen Prüfungskommission am 11. März 1876, bestätigt sein hohes fachliches Wissen als Architekt und Baumeister. 1899 verlieh ihm das Sächsische Finanzministerium den Titel "Werkbaumeister". Die Wahl Friedrichs war ein Glücksgriff - wie die nahe Zukunft zeigen sollte. Das für die Wassersuche erforderliche Wissen erarbeitete er sich autodidaktisch mit großem Fleiß, studierte die auf diesem Gebiet vorhandene Literatur, besorgte und baute die dafür erforderlichen Apparaturen.

Gemeinsam mit Freunden und Helfern machte er sich auf die Suche nach den heilsamen Radonquellen. Ausgangspunkt seines mit Akribie betriebenen Forschens war der sogenannte "Marx-Semmler-Stolln". Ein Stollen, dessen Auffahrung bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts zur Lösung der Wasserprobleme des Schlemaer und Schneeberger Bergbaus begann und sich über Jahrhunderte hinzog. Speziell im Bereich des Blaufarbenwerkes und seines Umfeldes machte Friedrich in den Jahren 1909 bis 1911 eine Reihe interessanter Tests über die Radioaktivität der Stollenwässer und der Stollenluft. In einem der vielen Seitengänge des "Marx-Semmler-Stollns" - er wurde später "Radiumort" benannt - entdeckte er die stärksten Radium-Emanations-Quellen der Welt. Folgerichtig erkannte Friedrich, dass sich Oberschlema im Vergleich zu den damals bekanntesten Radon-Heilbädern Bad Gastein, Bad Kreuznach, St. Joachimsthal und Bad Brambach auf Grund seiner hydrologischen und geologischen Bedingungen zu einem weltbekannten Kurbad entwickeln könnte. Glückverkündend rief er: "Hier liegt der Schatz, den es zu heben gilt!" Über Perspektiven eines künftigen Kurbades prophezeite er: "Wenn je die reichen Schätze der Natur an Emanation berufen sein sollten, innerhalb des jüngsten Zweiges der physikalischen Therapie in ausgedehntestem Maße Verwendung zu finden, so würde jetzt Oberschlema die erste Anwartschaft haben. Hier könnte in großzügigster Weise von einer Zentralstelle aus den einzelnen Kurhotels neben vorzüglichem Trinkwasser auch Emanation in das Haus geliefert werden."

Zäh und zielbewusst wurden nun von Friedrich und seinen Mitstreitern die Aufgaben angepackt, die für die Entwicklung Oberschlemas zum Kur- und Heilbad notwendig waren. Die radioaktiven Quellen lagen in der Nähe der Kirche innerhalb des Grubenfeldes des "Semmler-Stollns" in einer Tiefe von etwa 37 Metern. Zugangsmöglichkeiten boten die Lichtlöcher 13 und 15. In Form von einfachen Bretterbuden waren sie Hauptzugänge zum angelegten Radiumort. Das mit Pumpen zu Tage geförderte reine Radonwasser floss nun reichlich. Erstmals wurde am 16. Juni 1913 das Heilwasser ausgegeben. Euphorisch berichteten darüber die Zeitungen. Es wurde aber auch klar, dass die nützliche Anwendung der Heilwässer in vielfältigen therapeutischen Formen erfolgen müsse. Zunächst gab es das Radonwasser für Trinkkuren an Ort und Stelle - Friedrich entwickelte dafür die "Oberschlemaer Radiumwasserflasche" mit doppeltem Stöpsel. Dann folgte der Radonwasserversand für Haustrinkkuren. Für andere Therapieformen wie Bäder, Inhalationen, Trinkkuren war ein Kurhaus vonnöten. Am 23. September 1915 gründeten 172 Einzelpersonen und Körperschaften deshalb die Radiumbad Oberschlema-Schneeberg GmbH, Sitz Oberschlema.

Die Krönung seines Wirkens, die Eröffnung des ersten Kurhauses in Oberschlema im Frühjahr 1918, erlebte Richard Friedrich leider nicht mehr. Er starb am 16. November 1916. (mit mas)


Neues Bad mit Friedrich-Park

1946 wurde wegen des Uranbergbaus der Wismut der Kurbetrieb eingestellt. Eine Folge war die Absenkung des Schlematals, das Kurhaus mit allen Nebenanlagen wurde abgerissen.

1991 Wiederbelebung Kurlandschaft.

1998 war das neue Kurhaus fertig. Seither nutzen bis zu 1000 Gäste täglich das Gesundheitsbad Actinon.

2005 verlieh die Sächsische Staatsregierung dem Ort den Titel Bad. Der nahe dem Kurhaus angelegte Park erhielt den Namen Richard-Friedrich-Park. (möck)

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