Museum zeigt besondere Krippenfiguren

Die Weihnachtsausstellung in Schönheide präsentiert jetzt Volkskunst, die ihren Ursprung im Böhmisch-Mährischen hat. Viele Familien hier bewahren sie als Erinnerung an ihre Vorfahren auf.

Schönheide.

In vielen erzgebirgischen Wohnungen stehen in der Weihnachtszeit Krippenfiguren. Mancher hat dafür eine besondere Sammelleidenschaft entwickelt und ist nur bestimmten Figuren treu. Eine besondere Art hat sich im sogenannten Grulicher Ländchen entwickelt. Der Ort Grulich (Králiky) liegt im Böhmisch-Mährischen. Den Grulicher Krippenfiguren ist die diesjährige Weihnachtsausstellung im Schönheider Bürsten- und Heimatmuseum gewidmet.

Die Herstellung der Grulicher Krippenfiguren entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur Massenproduktion. Die "Grulicher Mannln", von den Männern geschnitzt, von den Frauen bemalt, wurden an Verleger gegeben, Händler brachten sie auch in erzgebirgische Städte und Dörfer. In Grulich gab es sogar eine Fachschule für Holzbearbeitung.

Die Grulicher Krippentradition dauerte bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an. Vertriebene aus dem Sudetenland nahmen die Schnitzkunst teilweise mit nach Deutschland, wo sie sie weiter pflegten.

Was jetzt im Schönheider Museum zu sehen ist, stammt aus dem eigenen Bestand beziehungsweise sind es Leihgaben von Privatleuten und von Oldrich Cech, einem Schnitzer, dessen Vorfahren in Grulich lebten. Aber auch ein Weihnachtsberg des Schwarzenberger Bildhauers Hans Brockhage ist in der Ausstellung zu finden. "Man sagt, dass Professor Brockhage ein Liebhaber dieser Figuren war und sich von ihnen für die eigenen Arbeit inspirieren lassen hat", erzählt Andreas Schubert vom Heimatgeschichtsverein Schönheide, dessen Mitglieder die Sonderschauen im Museum gestalten. Schubert selbst ist ein Sammler von diesen Figuren. Was er bislang davon auftreiben konnte, ist quasi der Bestand des Museums. Er beschreibt die Besonderheiten der Figuren: "Sie sind mit wenigen Schnitten gefertigt, manche erscheinen sogar grob. Typisch sind auch die kräftigen Farben Blau und Rot sowie das Rosarot. Die Figuren stehen auf einfachen viereckigen Sockeln." Für die Grulicher Krippen seien auch die langen Züge der Gabenbringer charakteristisch, jeder von ihnen hat etwas anderes in den Händen: eine geschlachtete Gans, einen Korb, Fische. Essenkehrer, Türke, Soldaten und Dudelsackspieler sind ebenso in den Vitrinen zu entdecken.

Zu den Krippenlandschaften gesellten sich auch Tiere und Gebäude. Die Häuser sind meist aus Pappe gebaut und tragen nur geschnitzte Kuppeln und Türmchen mit barocker Anmutung. Alles ist meist auffällig farbig gestaltet.

Viele Besucher, die bislang die Weihnachtsausstellung gesehen haben, kamen laut Andreas Schubert extra wegen der Grulicher Krippenfiguren. "Ich war überrascht, wie viele sie hier bei uns doch kennen, sie müssen also in den Familien verbreitet sein", sagt er. Berührt haben ihn die Geschichten von Besuchern, wonach jemand von den Vorfahren aus den ehemals deutschen Gebieten vertrieben wurde und die Grulicher Krippenfiguren als Erinnerung an die Heimat bewahrten.

Die Weihnachtsausstellung im Schönheider Museum ist traditionell bis Ende Februar zu sehen. Einen besonderen Höhepunkt gibt es am Wochenende 25./26. Januar. Da ist zum Schauschnitzen Oldrich Cech im Museum, er zeigt die Tradition der Grulicher Krippenfiguren. Das Schnitzen hat er noch von Josef Schwarzer gelernt, der der letzte Schnitzer in Grulich war. Cech verwaltet auch dessen Nachlass, zu dem auch viele Schnitzvorlagen aus der Grulicher Fachschule für Holzverarbeitung gehören. Einige davon sind in der Weihnachtsausstellung zu sehen.

Das Bürsten- und Heimatmuseum in Schönheide hat an den Wochenenden sowie am 25./26. Dezember und am 1. Januar von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppenbesuche sind außerhalb der Öffnungszeiten mit Voranmeldung unter Telefon 037755 66638 möglich.

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