Rasantes Spiel trotz Handicap

Mit Behinderung Sport treiben - beim Rollstuhlbasketball ist das möglich. Das Zschorlauer Team wünscht sich noch mehr junge Mitstreiter.

Zschorlau.

Mit kräftigen Schüben bringt Marcus Tanz seinen Rollstuhl in Bewegung Richtung gegnerischen Korb. Sein Wurf landet im Ring - darüber freut er sich, auch über das Lob der Mitspieler. Und gleich geht es wieder zurück, um den eigenen Korb zu verteidigen. Da passiert es: Maximilian Schneider beugt sich seitlich zu weit aus dem Rollstuhl heraus, um den Ball zu fangen und kippt um. Jetzt braucht es einen Helfer, um ihn aus der misslichen Lage zu befreien. Das ist Patrick Tanz, der aus dem Rollstuhl aufsteht und Max aufhilft.

"Das gehört dazu, ich hatte auch schon mal Rippenprellungen", sagt Patrick. Der 36-Jährige ist Läufer, das heißt, er ist nicht gehbehindert, und darf dennoch bei diesem Sport genauso mitmachen wie sein jüngerer Bruder Marcus. Allerdings, so ist die Regel beim Rollstuhlbasketball, gibt es 4,5 Punkte, wenn er auf dem Spielfeld ist. Und maximal 14 Punkte darf ein Team mitbringen, um spielen zu dürfen.

Marcus, Maximilian und Patrick gehören zu den jüngeren der insgesamt 14 Spieler der Zschorlauer Rollstuhlbasketballer. Die meisten sind aber schon jenseits der 50, viele von ihnen waren mal aktiv bei den BSC Rollers in Zwickau. Die Zschorlauer sind eine reine Freizeitmannschaft. Patrick, Marcus und ihre Schwester Jessica sind in Zschorlau zu Hause. Die anderen kommen aus der weiteren Umgebung bis nach Chemnitz und ins Vogtland. Die Gruppe besteht seit 15 Jahren, zunächst unter dem Dach des VdK, wo man noch in der Turnhalle der Auer Heidelsbergschule trainiert hat. Heute sind die Rollstuhlbasketballer eine Abteilung des ESV Zschorlau. Trainiert wird jeden Donnerstag von 16.30 bis 18 Uhr in der Turnhalle Zschorlau. Dort findet am kommenden Samstag auch das Jubiläumsturnier aus Anlass des 15-jährigen Bestehens statt. "Erstmals sind fünf Mannschaften dabei", erzählt Patrick Tanz, der vor fünf Jahren die Funktion des Abteilungsleiters bei den Rollstuhlbasketballern von Werner Bochmann übernommen hat. Teilnehmen werden neben den Zschorlauern die RSG Hof, TUS Schmölln, Fit for Rollis aus Hassfurth und die Niners Chemnitz.

Die Zschorlauer hoffen auf möglichst viele Zuschauer, denn sie wollen Werbung für ihren Sport machen. "Es wäre schön, wenn auch mal ein paar Jüngere zu uns stoßen würden, ich kenne so viele Rollstuhlfahrer, aber das Interesse ist gering", sagt Marcus Tanz. Der 32-Jährige sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl. Die Sportart verlange ein hohes Maß an Koordination, "du musst fahren und mit dem Ball umgehen können", sagt er. "Es ist eine Alternative, trotz Handicap Sport treiben zu können." Die Regeln sind wie beim normalen Basketball, und auch der Korb hängt in der gleichen Höhe.

Mit Aufprallschutz, Stützrädern hinten und schräg gestellten Rädern sind die Sportrollstühle ausgestattet. Einer kostet zwischen 3000 und 4000 Euro. Die meisten Rollstühle sind in privatem Eigentum, aber auch der Verein hat einige. Die sind aber fast alle schon ältere Modelle, einige auch ganz schön ramponiert. Gern würde sich der Verein neue anschaffen wollen. Deshalb hoffen die Rollstuhlbasketballer auf einen guten Erlös aus dem Konzert am Samstagabend, das unter dem Motto steht "Feiern für einen guten Zweck".

Das Jubiläumsturnier in der Turnhalle Zschorlau beginnt Samstag 12 Uhr, Eröffnung ist 11.30 Uhr. Der Eintritt zum Turnier ist frei. Am Abend gibt es ein Konzert mit der Peter-Maffay-Showband, Beginn 19 Uhr, Eintritt kostet 12 Euro im Vorverkauf (über Telefon 0179 7617133) und an der Abendkasse 14 Euro.

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