Der Mähdrescher-Erlkönig

Ganz ohne Tarnfolie, aber mit kleinen Tricks wird derzeit auf den Feldern im Landkreis Zwickau von Landwirten eine Erntemaschine in Fast-Vollausstattung getestet.

Callenberg/Neukirchen.

Rein äußerlich sah der Mähdrescher, der da auf Flächen der Agrargenossenschaft Langenchursdorf unterwegs war, fast genauso aus wie andere moderne Mähdrescher. Das 10,80 Meter breite Schneidwerk ist zwar größer, doch das ist nicht die Besonderheit der Erntemaschine, die zu Testzwecken eingesetzt wurde. Dafür wurden auch Typenaufkleber angebracht, die ein wenig in die Irre führen sollten. "Ich hatte gedacht, der wird so getarnt wie die geheimen Autos, die manchmal als Erlkönige auf den Straßen getestet werden. Aber es waren dann nur ein paar Kleinigkeiten verändert", sagt Rainer Stauch, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft.

Der Mähdrescher aus der neuen 7000er-Reihe der Firma Claas, eines deutschen Landmaschinenherstellers mit knapp vier Milliarden Euro Jahresumsatz, ist noch eine Rarität auf den Feldern. Derzeit werden weltweit etwa 20 Stück getestet, zwei davon fahren laut Rainer Stauch in Deutschland.


Wesentlich größer als andere Mähdrescher ist das neue Modell nicht, denn mit vier Metern Höhe und drei Metern Breite sind die möglichen Maximalmaße für hiesige Straßen erreicht. Die Besonderheiten stecken eher im Inneren. Denn wenn die Feldfrüchte mit dem Schneidwerk geschnitten wurden, sind noch etliche Arbeitsschritte nötig, bis Getreidekörner im riesigen Tank des Mähdreschers und anschließend auf Anhängern landen, um in die Lagerhäuser transportiert zu werden.

Der sogenannte Durchsatz des Mähdreschers ist höher, dadurch kann er auf den Feldern etwas schneller fahren sowie breitere Streifen schneiden. "Damit ist bis zu einem Viertel mehr Leistung möglich", sagt Falko Günther, leitender Mitarbeiter im Agrarbetrieb "Unteres Erzgebirge" in Neukirchen, der zur Agrargenossenschaft Langenchursdorf gehört.

Auf großen Feldern können bis zu 40 Hektar täglich abgeerntet werden. Pro Hektar landen je nach Sorte und Ertrag zwischen fünf und zehn Tonnen Getreide im bis zu 18.000 Liter fassenden Kornspeicher des Mähdreschers, der etwa 600 bis 700Liter Diesel am Tag verbraucht. Die Kosten eines modernen Mähdreschers liegen laut Rainer Stauch inklusive Schneidwerk schnell bei mehr als einer halben Million Euro.

Das neue Modell werden die Langenchursdorfer aber so schnell nicht kaufen. Anders verhält es sich beim Schneidwerk. "Das ist revolutionär. Es kann sich flexibel anpassen", sagt Sophia Weinhold, die in der mittleren Leitungsebene und als Ausbilderin im Bereich Pflanzenbau tätig ist. Gerade bei der Grassamenvermehrung und anderen Sonderkulturen kann die Ernte damit viel effektiver erfolgen.

Die Agrargenossenschaft Langenchursdorf baut laut Rainer Stauch verschiedene Sonderkulturen wie Klee und Soja an, was sie als Tester für die Firma Claas offenbar interessant gemacht hat. Das moderne Schneidwerk, das je nach Größe einen Betrag im hohen fünfstelligen Bereich kostet, passt auch an die Mähdrescher, die jetzt schon bei der Agrargenossenschaft im Ein- satz sind. Bisher liegt die Breite der Schneidwerke meist bei 9,30 Meter. Viel mehr geht nicht, denn sie müssen ja auch transportiert werden. Dabei werden sie auf der Straße von den Mähdreschern gezogen.

Die Kolonnen müssen als Sondernutzung beantragt werden und kosten so manchen Autofahrer Nerven. "Da wünschen wir uns mehr Verständnis bei anderen Verkehrsteilnehmern, vor allem in der Erntezeit", sagt Falko Günther.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...