Der Mann auf dem Plakat steht am Morgen auf der Startrampe

Die Motorradstadt hat wieder einen Leckerbissen parat. Zum 60. Jubiläum des Motorsportclubs MZ Zschopau ist die Tafel reich gedeckt. 230 Fahrer aus neun Nationen sind am Samstag beim Classic-Enduro am Start.

Zschopau.

Es sei für ihn eine große Ehre, sagt Manfred Jäger. Jäger ist auf dem offiziellen Plakat der 18. Classic-Gelände-Zuverlässigkeitsfahrt "Rund um die MZ-Stadt Zschopau" abgebildet. In Aktion, versteht sich. So, wie ihn die Motorsportfans kennen und in Erinnerung behalten haben: Den "Jäger-Manne", der als Fahrer in den 1970er-Jahren die 500er-MZ wie kein anderer durchs Gelände pilotierte und der als Versuchsschlosser in der MZ-Sportabteilung maßgeblichen Anteil daran hatte, eine solch hubraumstarke Maschine überhaupt fahrbar zu machen. Vor 40 Jahren feierte der gebürtige Grießbacher seinen größten Erfolg. 1978 war er nach Siegen bei den Läufen in Frankreich, Polen und Österreich Europameister geworden.

"Manfred war ein ruhiger und besonnener Typ, auf den man sich verlassen konnte - einfach ein richtig guter Freund", sagt Dietrich Clauß. Clauß, beim Motorsportclub MZ Zschopau zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, seit Jahren die Stimme des Classic-Enduros und absoluter Kenner der Szene, hat Jäger einen Extra-Artikel im Programmheft gewidmet. "Seine beruflichen Qualitäten waren geschätzt und unbestritten - ein guter Fachmann. Fahrerisches Talent, gepaart mit Trainingsfleiß prägten ihn als zuverlässiges Mitglied im Ensemble der MZ-Sportabteilung. Gemeinsam mit Frank Schubert verkörperte er seit Anfang der 1970er-Jahre die neue Generation der erfolgreichen MZ-Tradition", schreibt der Krumhermersdorfer darin.

Ein weiteres Jubiläum: Der Veranstalter der Gelände-Zuverlässigkeitsfahrt, der MSC MZ Zschopau im ADAC, feiert 2018 sein 60-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt des Engagements der Mitglieder stehen Erhalt und Pflege historischer Renn- und Geländesporttechnik. 230 Fahrer aus neun Nationen geben sich im Jubiläumsjahr die Ehre. Maschinen 38 verschiedener Hersteller werden am Freitag nach der technischen Abnahme in den Parc fermé auf dem Schlosshof geschoben. Am Samstag ab 8.30 Uhr rollen die Fahrer vor dem Rathaus von der Rampe. Zu den Teilnehmern gehören auch wieder Publikumslieblinge und Helden des Endurosports wie Harald Sturm, Uwe Weber und Andreas Cyffka.

Manfred Jäger wird ebenfalls auf der Startrampe stehen - allerdings ohne Motorrad, sondern als Interviewpartner von Moderator Dietrich Clauß. Der ehemalige MZ-Pilot hat seine Karriere schon 1982, nachdem er in die BRD übergesiedelt war, beendet. "Ich bin seitdem auch nicht wirklich wieder gefahren", sagt der 68-Jährige, der mit seiner Frau in Putzbrunnen vor den Toren Münchens lebt. In den bairischen Dialekt des dreifachen Großvaters mischen sich aber nach wie vor erzgebirgische Selbstlaute. Kein Wunder, schließlich kommen die Jägers regelmäßig in die alte Heimat. Auch fürs Wochenende sei ein Besuch der Schwiegermutter in Thum geplant. "Sie ist 96", sagt Jäger. Zudem freue er sich auch auf das Wiedersehen mit seinen alten Kampf- und Weggefährten - und mit Steffen Ottinger. Der Motorsportjournalist aus Frankenberg hatte das Foto auf dem Plakat 1980 bei einem EM-Lauf in Tschechien geschossen.


Zuschauermagnete sind die Prüfungen in Weißbach, am Truschbach und auf dem Skihang

Die Strecke: Die Runde ist etwa 50 Kilometer lang. Vom Start auf dem Zschopauer Altmarkt führt die Strecke über Schlösschen zur ersten Sonderprüfung in Weißbach. Über Dittersdorf und Gornau geht es weiter nach Kleinolbersdorf-Altenhain und Dittmannsdorf zum Trainingsgelände des MSC Witzschdorf. Nach Zeitkontrolle und Trialprüfung (Truschbach) führt der Kurs über Waldkirchen, Börnichen und Krumhermersdorf zurück nach Zschopau. Vor der Crossprüfung auf dem Skihang findet auf der Wasserstraße (nach dem Abzweig von der Zschopauer Straße) eine 150 Meter lange Beschleunigungsprüfung statt.

Der Start: Nach der technischen Abnahme am Freitag von 15.30 bis 21.30 Uhr auf dem Schlosshof starten am Samstag ab 8.30 Uhr jeweils drei Fahrer im Minutenabstand vor dem Rathaus in Zschopau. Die Rundenzeiten betragen je nach Witterung etwa zwei Stunden. Die zweite und dritte Runde beginnen die Fahrer vom Fahrerlager am ehemaligen MZ-Altwerk. Ab 13.30 Uhr werden die ersten Fahrer im Ziel am Altwerk erwartet.

Die Fahrer und Motorräder: 230 Fahrer aus neun Nationen sind mit Motorrädern von 38 Herstellern am Start: unter anderem MZ, Simson, Hercules, DKW, Sachs, Zündapp, Kramer, NSU, BMW (alle Deutschland), SWM, Laverda, AIM, Beta, Fantic (alle Italien), Jawa, CZ (Tschechien), Puch, KTM (Österreich), BSA (England), Ossa, Bultaco (Spanien), Husqvarna, Husaberg (Schweden), Honda, Suzuki, Yamaha, Kawasaki (Japan).

Prominente Fahrer: Harald Sturm (Startnummer 900) Trophysieger 1987, vierfacher Europameister; Uwe Weber (901) Trophysieger 1987; Andreas Cyffka (178) zweifacher Juniorenweltmeister; Udo Grellmann (311) zweifacher Juniorenweltmeister; Rolf Witthöft (790) zweifacher Trophy- und Silbervasensieger, achtfacher Europameister auf Puch, Zündapp und BMW; Eduard Hau (662) zweifacher Trophysieger und Europameister.

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