Deutliche Gewinne und geplatzte Träume

Zwar verfügt die CDU auch im neuen Kreistag über die meisten Kreisräte, doch mehr denn je ist sie für Mehrheiten auf viele Partner angewiesen. Zwar haben Freie Wähler und Grüne zugelegt. Doch zweitstärkste Kraft ist die AfD geworden. Linke und FDP mussten Federn lassen.

Annaberg-Buchholz.

Klare Sieger hier, deutliche Verlierer da - die Kreistagswahl hat einiges an Überraschungen geliefert - und auch manchen Traum platzen lassen. AfD: Die Partei ist die klare Wahlsiegerin. Sie konnte die Anzahl ihrer Kreisräte auf 21 verdreifachen und ist nun zweitstärkste Kraft. "Und das ohne bekannte Gesichter, ohne einen Bürgermeister am Start", so Kreis-Vizechef Thomas Dietz. Man wolle weiter konstruktiv mitarbeiten, auch Anträge einbringen. "Bislang wurde ja alles abgelehnt, da haben wir es eben sein gelassen."

CDU: Gut elf Prozent weniger Stimmen, künftig 32 satt 44 Sitze - für Kreischef Frank Vogel ist das Wahlergebnis "ernüchternd". Trotzdem sei es nicht die ganz große Überraschung. Nicht nachvollziehen könne er, dass ausgerechnet die AfD, die weder fachlich noch inhaltlich etwas einbringe, mit soviel Zustimmung belohnt werde.


FWE: "Lohn guter Arbeit", umschreibt hingegen der bisherige Fraktionschef Thomas Kunzmann das Ergebnis. Das 6,5 Prozent große Plus gegenüber 2014 macht die Freien Wähler zur drittstärksten Kraft. Das größere Gewicht wolle man umso mehr für Bürgerinteressen in die Waagschale werfen. Auch er wundert sich über den AfD-Erfolg. Grüne: Fünf statt drei Kreisräte - damit hat die Partei Fraktionsstatus - und will nun richtig loslegen. "Viele Parteien haben ja grüne Positionen in ihren Programmen. Das können wir jetzt alles umsetzen", so Ulrike Kahl augenzwinkernd ernst.

Die Linke: Die Verluste - fünf von ehemals 16 Sitzen - erklärt sich Kreischef Holger Zimmer mit der allgemeinen Unzufriedenheit im Land. Zudem seien alle Wahlprogramme ziemlich gleich. "Wir haben offensichtlich nicht genug gezeigt, dass es auch links Alternativen gibt", so Zimmer selbstkritisch.

SPD: Trotz des Abrutschens von acht auf fünf Mandate ist Kreischefin Simone Lang nicht ganz unzufrieden: "Immerhin behalten wir Fraktionsstatus."

FDP: Ziel waren acht Kreistagssitze, geschafft wurden lediglich vier. Damit ist auch der bisherige Fraktionsstatus futsch. Unerklärlich für Kreischef Heiko Schmuck. So sei man zwar mit dezimierter Kandidatenschar angetreten, dennoch mit Bürgerprojekten, etwa zum schnellen Internet, viel im Gespräch gewesen. NPD: Bislang mit vier Sitzen vertreten, dampfte der Wähler die Anzahl der Mandate auf zwei zusammen.


Kommentar: Kein Platz für Solo-Partien

Und wieder einmal hat der Wähler die Karten neu gemischt. Mit Solo-Partien wird keine Fraktion weit kommen. Niemand hat genug Trümpfe in der Hand, um die vom Kreistag zu bewältigenden Aufgaben allein zu stemmen. Die Wahlprogramme listen eh alle dieselben Probleme auf: Infrastrukturdefizite wie etwa schlechte Straßen, zu langsames Internet, zu wenig vernetzter Nahverkehr oder aber auch Ärzte-Unterversorgung, wenig attraktive Einkaufsmöglichkeiten und Billigjobs.

Die neue Kräftekonstellation im Kreistag muss nichts Nachteiliges sein: weder für die Lösung der Probleme, noch für die Demokratie. Schließlich könnten nun auch solche Ideen in den Fokus rücken, die zwar gut sind, aber von der "falschen Partei" eingebracht werden. Mal sehen, was da die AfD liefert ...


Die 98 Kreisräte des neuen Kreistages auf einen Blick

AfD: Thomas Prantl, Petra Koch, Bernd Meyer, Joachim Hadlich, Gerd Burkhardt, Hans-Jürgen Bochmann, Andre Hempel, Theo Süß, Harald Scholz, Thomas Müller, Johannes Wolf, Grit Andersson, Christian Wendler, Jens Wolfgang Mehlhorn, Manfred Körner, Thomas Dietz, Thomas Matthes, Ute Müller, Carsten Kinas, Sylvia Vodel, Konstantin Rühl.

CDU: Thomas Siegel, Ronny Wähner, Michael Rosenthal, Knut Schreiter, Markus Wiesehütter, Thomas Colditz, Heinrich Kohl, Wolfgang Leonhardt, Frieder Stimpel, Volkmar Viehweg, Alexander Troll, Joachim Rudler, Heidrun Hiemer, Manfred Meyer, Uwe Staab, Ralf Fischer, Jörg Stephan, Andreas Haustein, Uwe Schneider, Ingolf Wappler, Jens Walther, Sylvio Krause, Thomas Rolle, Nico Wollnitzke, Rico Anton, Matthias Kurt Groschwitz, Carsten Michaelis, Gunter Weißbach, Wolfgang Triebert, Nico Dittmann, Tim Schneider, Uta Windisch.

Die Linke: Frank Dahms, Harald Wendler, Andreas Rössel, Herbert Kragl, Holger Zimmer, Barbara Drechsel, Kathleen Noack, Thomas Weikert, Lothar Mathias Brunner, Siegfried Opitz, Karoline Loth.

FDP: Michael Brändel, Heinz Peter Haustein, Michael Rudolph, Matthias Polster.

FWE: Rolf Schmidt, Michael Staib, Conny Göckeritz, Sebastian Martin, Andreas Schmiedel, Silke Franzl, Sebastian Dittrich, Uwe Haas, Ingo Seifert, Oliver Titzmann, Thomas Kunzmann, Katrin Paul, Frank Tröger, Wolfgang Jasper, Volker Weber, Sascha Thamm, Marcel Schmidt, Johannes Schädlich.

Grüne: Ulrike Kahl, Kay Meister, Niels Sigmund, Heiko Reinhold, Mechthild Pöhler.

SPD: Jörg Neubert, Adelbert Gründig, Undine Fritzsche, Holger Haase, Sören Wittig.

NPD: Sebastian Karl Lindner, Stefan Hartung.

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