Deutschneudorf zwischen Blockaden und Zielen

Das Grenzdorf hat seinen Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht. Für die kommenden Jahre stehen der Breitbandausbau und die Sanierung des Huthauses am Fortunastollen an. Doch wegen Unstimmigkeiten in der Verwaltungsgemeinschaft ist der Haushalt noch blockiert.

Deutschneudorf.

Deutschneudorf hat drei Grenzübergänge zur Nachbarrepublik Tschechien. "Wir sind deshalb der Zugang zu Deutschland und liegen somit auch ein bisschen im Mittelpunkt von Europa", scherzt Bürgermeisterin Claudia Kluge (FDP) im Hinblick auf die anstehenden EU-Wahlen. Diese finden am 26. Mai gleichzeitig mit den Kommunalwahlen statt. Danach wird die Deutschneudorfer Bürgermeisterin mit einigen neuen Gesichtern im Gemeinderat rechnen müssen.

Kluge ist seit drei Jahren im Amt, die Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten habe über weite Strecken sehr gut funktioniert, sagt sie. Natürlich habe es auch hitzige Debatten gegeben, am Ende habe aber meist ein konstruktives Ergebnis gestanden. Als bisherigen Meilenstein nennt die Deutschneudorfer Bürgermeisterin das Engagement für den Brandschutz. Sieben Jahre musste die Wehr in Deutschneudorf auf ihr neues Löschfahrzeug warten. Im zurückliegenden Jahr war es dann so weit. Auch die Funkgeräte der Rettungskräfte wurden von Analog- auf Digitalfunk umgerüstet. In der jüngsten Ratssitzung konnte die Gemeinde nun die noch ausstehende Brandschutzordnung verabschieden. "Damit ist hinter diesem Thema, das uns lange beschäftigt hat, endlich ein grüner Haken", erklärt Kluge.


Doch auch auf den neugewählten Gemeinderat kommen zahlreiche Herausforderungen zu. 20 Kandidaten bewerben sich für ein Mandat - doppelt so viele wie bei der letzten Wahl. "Ich deute diese Entwicklung als ein gestiegenes Interesse der Bürger, in ihrer Gemeinde mitentscheiden zu wollen", sagt Kluge. Mit der Wählervereinigung "Wir für Deutschneudorf" tritt zudem eine neue Kraft an, auf deren Liste auch aktuelle Gemeinderäte kandidieren.

Dringlichstes Ziel für das neu gewählte Gremium dürfte der Beschluss des Haushaltes sein. Doch der ist aktuell noch blockiert. Der Grund dafür ist die angezweifelte Rechtsgrundlage der Umlage für die Verwaltungsgemeinschaft der drei Kommunen Deutschneudorf, Seiffen und Heidersdorf. Die Umlage habe einst etwa 110.000 Euro betragen, für das Jahr 2015 sei die Umlage bereits auf knapp 160.000 Euro berechnet worden. Das prekäre: Die Rechnung für 2015 wurde laut Bürgermeisterin Kluge erst drei Jahre später dem Deutschneudorfer Gemeinderat überstellt. "Mit so einer Arbeitsweise ist es für uns als Gemeinde schwer, überhaupt unsere Finanzen zu planen", sagt die Deutschneudorfer Rathaus-Chefin. "Wir erwarten, dass man im Seiffener Rathaus die Gesetze beachtet und die ausgehandelten Verträge einhält." Kluge hofft in dieser Angelegenheit auf eine Einigung ohne Rechtsstreit.

In einem anderen Bereich konnten unterdessen erste Fortschritte erzielt werden. Planung und Ausbau des Breitbandnetzes in der Gemeinde wurden an den Erzgebirgskreis übergeben. "Ich bin heilfroh, dass der Kooperationsvertrag mit dem Kreis steht", sagt Kluge. Der Ausbau auf die gesetzlich festgelegte Mindestübertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde wird zu 100 Prozent vom Staat gefördert. Ausgebaut wird nach dem etwas sperrig klingenden "Wirtschaftlichkeitslückenmodell": Überall dort, wo ein Ausbau für private Anbieter unrentabel erscheint, springt der Staat ein. In Deutschneudorf betrifft dies besonders die Ortsteile Brüderwiese und Oberlochmühle. Wann genau die Bagger anrollen, steht unterdessen noch nicht fest.

Eine weitere große Baustelle für den neuen Gemeinderat stellen die Anlagen des Fortunastollens dar. Heizung und Fassade müssen ebenso erneuert werden wie die sanitären Einrichtungen und einige Holzanlagen im Bergwerk selbst. Wird die Anlage nicht saniert, drohe die Stilllegung und damit im schlimmsten Fall die Rückforderung zweckgebundener Fördermittel, verdeutlichte Bürgermeisterin Kluge in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Um die Kosten der Sanierung zu ermitteln, hat der Gemeinderat deshalb beschlossen, ein Gutachten in Auftrag zu geben.

Ein Sorgenkind bleibt für die Gemeinde weiterhin der Straßenbau. "Da werden wir als Gemeinde wie das fünfte Rad am Wagen behandelt", beschwert sich Kluge. Auf der Talstraße hatte es gegen Ende des zurückliegenden Jahres einen Unfall gegeben, seither regeln Ampeln an der Gefahrenstelle den Verkehr. Eine Sanierung der Straße wird laut Kluge bereits seit 2007 angestrebt, aktuell läuft ein Planfeststellungsverfahren aus. Wann die Gemeinde tatsächlich die Fördermittel für die Erneuerung bekommt, sei allerdings noch offen. Bessere Neuigkeiten gibt es für die Straße Obere Häuser. Für diesen Abschnitt sei kürzlich ein Vorbescheid im Rathaus eingegangen. "Sobald der Förderbescheid da ist, können wir loslegen", so die Deutschneudorfer Bürgermeisterin. Für die Zukunft wünscht sich Kluge weiterhin einen guten Zusammenhalt in der Gemeinde. Als positives Beispiel nannte sie die Einwohnergespräche zum Bau der Eugal-Leitung. Da seien die Bürger gefragt und gehört worden. So wurde der Standort der Gas-Messanlage auf Wunsch der Einwohner an die Bergstraße verlegt.


Zahlen und Fakten

Bis zur Kommunalwahl am 26. Mai stellt "Freie Presse" die Kommunen der Marienberger Region und ihre Besonderheiten vor. Darum geht es: Was bewegt die Menschen im Ort, welche Projekte sind geschafft, welche Investitionen stehen in Zukunft an? "Freie Presse"-Leser können sich mit Ideen und Anregungen einbringen. red.marienberg@freiepresse.de


Was sich die Bürger wünschen

Gisela Philipp, 73, Rentnerin: "Ich wünsche mir, dass sich der neue Gemeinderat für eine bessere Infrastruktur einsetzt. Dazu gehört ein besserer ÖPNV, damit gerade ältere Menschen ihre Besorgungen in Nachbarorten einfacher erledigen können. Auch die medizinische Versorgung im Ort muss im Auge behalten werden, damit keine weitere Verschlechterung eintritt. Die Polizeipräsenz sollte meiner Ansicht nach verstärkt werden."

Anke Pönig, 42, Verkäuferin: "Das Miteinander, die Zusammenarbeit von Gemeinderat, Bürgermeisterin und Bevölkerung muss sich weiter entwickeln. Ich wünsche mir, dass der zukünftige Gemeinderat zuerst das Gemeinwohl der Menschen im Ort im Auge hat. Investitionen in den Tourismus finde ich richtig und wichtig, denn das, was dadurch geschaffen wird, kommt auch den Einheimischen zugute."

Antje Gabler, 43, selbstständig: "Ein Augenmerk sollten die neuen Gemeinderäte auf die oftmals schlechte Luft haben. Die Ursachen dafür müssen schnell gefunden und abgestellt werden. Auch muss der Zustand der Straßen verbessert werden. Die vorhandenen touristischen Anziehungspunkte müssen meiner Ansicht nach gepflegt und weiter ausgebaut werden. Ich denke dabei unter anderem an den Glockenwanderweg oder das Bergwerk Fortuna Bernstein im Ortsteil Deutschkatharinenberg." (faso)


20 Kandidaten treten für den Gemeinderat an

Freie Demokratische Partei (FDP)

Sven Harzer

Frank Gude

Steffen Heidenreich

Michael Drechsel

Jens Wagner

Reichelt, Christian Reichelt

Rico Stockdreher

Manuela Ullrich

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Mario Kreher

Wir für Deutschneudorf (WfD)

Anke Heidenreich

Michael Thomas Seitz

Heike Annelies Schubert

André Kaden

Lisa Zenker

Ingo Jörg Grießbach

Carmen Barbara Neubert

Reiko Werner Thiele

Uwe Söllner

Marc Glöckner

Irena Przybylski-Legler

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