Die Übung vor dem Sturm

Die Wehren von Zöblitz und Ansprung haben sich mit einer Gemeinschaftsübung auf die Herbststurmsaison vorbereitet. Das Einsatzszenario: der Katastrophenfall.

Ansprung.

Die Lage am Kohlenmeilerplatz im Ansprunger Forst ist unübersichtlich, eine kräftige Brise weht, Regenschauer weichen den Boden auf. Plötzlich flackert überall Blaulicht. Unter einer umgeknickten Fichte tritt Rauch hervor. Schnell wird klar: Der Baum hat ein Auto unter sich begraben, wahrscheinlich samt Insassen.

Was zunächst nach einem Katastrophenfall aussieht, entpuppt sich als Gemeinschaftsübung der freiwilligen Feuerwehren Ansprung und Zöblitz. "Wir bereiten uns auf die Saison der Herbststürme sowie auf die Schneebruch vor", sagt Einsatzleiter Christopher Schubert von der Ansprunger Wehr. Besonders die Erfahrung mit den Stürmen des zurückliegenden Jahres zeigen, dass ständig mit Einsätzen zu rechnen ist, berichtet Schubert. Die extreme Trockenheit während des Sommers 2018 und 2019 habe zudem die Stabilität vieler Bäume geschädigt und sie anfällig gemacht.

Wie reell die Gefahr ist, weiß auch der Zöblitzer Wehrleiter Marko Hirsch: "Vor einiger Zeit wurden wir zu einem tödlichen Unfall im Wald gerufen, nur rund 500 Meter von hier entfernt."

Bei der Gemeinschaftsübung läuft zunächst alles routiniert ab. Ein Rettungskräfte-Trupp macht sich daran, den Brand im Motorraum des Autos zu löschen. Die Kameraden bauen parallel die notwendige Technik für die weitere Rettung auf. Der Unfallort muss ausgeleuchtet werden, dafür werden mehrere Scheinwerfer aufgestellt. Schon wenig später liegt das Areal in einem taghellen Lichtschein. Zunächst schneidet ein Kettensägentrupp die Einsatzstelle frei, dann verschaffen sich die Kameraden Zugang zu den Eingeschlossenen im Auto. Erst jetzt beginnen die Rettungskräfte mit der eigentlichen Bergung der Menschen - bei der Übung sind das Puppen mit menschlichen Proportionen.

Auch diese Lektion gehört zur Übung: Der Umgang mit dem Unerwarteten. So stoßen die Rettungskräfte bei der Bergung auf eine Gasflasche, ebenso befindet sich ein Benzinkanister in der Nähe des Autos, Flüssigkeit läuft aus. Diese potenziellen Gefahrenquellen müssen zuerst beseitigt werden. Kurz darauf folgt die nächste Entdeckung: Im Auto saß offenbar eine weitere Person, die aber verschwunden ist. "Es kommt immer wieder vor, dass Menschen nach einem Unfall unter Schock stehen und davon laufen", erläutert Christopher Schubert. "Für sie ist besonderer Schutz notwendig, da sie oft orientierungslos sind." Deshalb wird ein Suchtrupp zusammengestellt, der die nähere Umgebung mit Taschenlampen durchkämmt.

Auch am Auto stehen die Rettungskräfte mittlerweile vor besonderen Herausforderungen. Während die erste Übungspuppe umgehend gerettet werden kann, ist für die zweite eine sogenannte patientengerechte Bergung vorgesehen. Das macht den Einsatz von schwerem Gerät notwendig: Ein Spreizer drückt Türen und Kofferraum auf. Eine schweißtreibende Arbeit, denn das Werkzeug bringt rund 20 Kilogramm auf die Waage. Mit einer Rettungsschere wird anschließend das Dach abgetrennt. Wie Butter zerteilt das Gerät das Blech der B-Säulen. Denn bis zu 1050 Kilonewton Schneidkraft kann die Rettungsschere aufbringen. Das entspricht einem Auflagedruck von etwa 105 Tonnen. Erst dann kann die Übungspuppe auf eine spezielle Trage - in der Fachsprache Spineboard genannt - gelegt und in Sicherheit gebracht werden. Rund 70 Minuten dauert die Gemeinschaftsübung - vom Alarm über Bergung bis hin zur Aufräumaktion. Weit mehr Zeit war für die detailreiche Vorbereitung notwendig. "Dafür sind schon einige Stunden aufgebracht worden", sagt Einsatzleiter Christopher Schubert.

Unterstützung haben die Feuerwehrleute vom Sachsenforst und einem regionalen Forstunternehmer erhalten. Am Ende der Übung sind Einsatzleiter Christopher Schubert und der Zöblitzer Wehrleiter Marko Hirsch zufrieden. "Die 18 Zöblitzer und 15 Ansprunger Kameraden haben sehr gut zusammen gearbeitet", sagt Schubert.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...